Die Elektromobilität nimmt in Deutschland weiter an Fahrt auf. Die Nachfrage nach Stromern zieht spürbar an, angeheizt durch neue staatliche Kaufprämien und ein wachsendes Vertrauen in die Technologie. Doch wer gehofft hat, bald an der Ladesäule in nur fünf Minuten Saft für Hunderte Kilometer nachzutanken, muss jetzt einen herben Dämpfer verkraften. Zumindest, wenn er ein bezahlbares Modell aus Wolfsburg fahren möchte. Volkswagen-Vertriebschef Martin Sander dämpfte die Erwartungen nun spürbar.

Labor hui, Straße pfui?

Technisch wäre das ultraschnelle Laden für den Autogiganten eigentlich kein Problem mehr. Doch die Kosten machen dem Massenmarkt vorerst einen Strich durch die Rechnung.

"Im Labor können wir das heute schon. Zu einem sehr hohen Preis für eine sehr exklusive Anzahl an Kunden werden wir das sehr bald können."

Das bedeutet im Klartext: Für teure Premium-Modelle der Konzernschwestern Porsche oder Audi wird das Laden in Rekordzeit bald Realität. Wer sich jedoch einen klassischen VW für den Alltag wünscht, muss warten. Gefragt nach einem konkreten Zeitraum für das Fünf-Minuten-Laden im bezahlbaren Segment, legte sich Sander fest: Erst "Richtung Anfang des nächsten Jahrzehnts" – also um das Jahr 2030 herum – sei damit im breiten Massenmarkt zu rechnen.

Die Konkurrenz erhöht den Druck

Für Volkswagen könnte diese abwartende Haltung im harten Wettbewerb zum Risiko werden. Aktuell bewegen sich Modelle wie der ID.4 oder der ID.7 mit Ladezeiten von 26 bis 30 Minuten (von 10 auf 80 Prozent) lediglich im soliden Mittelfeld. Andere Hersteller sind bereits deutlich weiter:

  • Südkoreanische Autobauer laden ihre 800-Volt-Modelle bereits heute in rund 18 Minuten auf.
  • Chinesische Hersteller wie BYD preschen mit neuer "Flash-Charging"-Technologie vor. Damit sollen sich Akkus in nur fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent füllen lassen. Nach neun Minuten sind die Energiespeicher nahezu komplett voll.

Während andere also schon auf der Überholspur laden, verweist VW auf seine künftige SSP-Plattform (Scalable Systems Platform). Diese soll zwar ab Ende der 2020er-Jahre das Fundament für die nächste Generation legen, doch bis die Technik flächendeckend und zu erschwinglichen Preisen beim Händler steht, vergehen noch Jahre.

Der "Tipping Point" ist dennoch erreicht

Trotz des Wermutstropfens beim Laden blickt man in Wolfsburg optimistisch in die Zukunft. Die Akzeptanz von Elektroautos habe in Deutschland inzwischen einen echten Wendepunkt erreicht. Laut dem VW-Vertriebschef sei das Interesse der Kunden überraschend groß, was auch am klaren Signal der Politik und der aktuellen Förderung liege. Wer einmal den Umstieg gewagt habe, wolle in den allermeisten Fällen nicht mehr zurück zum klassischen Verbrennungsmotor. Die Begeisterung ist da – jetzt muss nur noch das Ladenetz und die Technik im Massensegment Schritt halten.