Als Volkswagen 2019 den ID.3 auf den Markt brachte, sollte er der legitime, rein elektrische Erbe des Golf werden. Doch die Realität sah anders aus: Billig wirkende Kunststoffe im Innenraum, eine ruckelnde Software und vor allem die ungeliebten Touchflächen am Lenkrad und unter dem Bildschirm sorgten für massiven Frust bei den Kunden. Nun zieht Wolfsburg die Reißleine und schickt die zweite, tiefgreifende Modellpflege auf die Straße. Mit dem neuen Beinamen ID.3 Neo soll ab Juli 2026 alles besser werden. Bei einer ersten kurzen Testrunde beim G-Test-Event in Alsfeld zeigte sich der rundum erneuerte Stromer bereits von seiner gereiften Seite.
Abschied vom Touch-Frust: Echte Knöpfe für den Kompakt-Stromer
Der größte Kritikpunkt der ersten Generation ist Geschichte. Volkswagen hat auf das Feedback der Kunden reagiert und schmeißt die berührungsempfindlichen Slider und Touchflächen im Cockpit über Bord. Stattdessen zieht wieder echte Haptik ein: Am neu gestalteten Lenkrad befinden sich nun handfeste physische Tasten, die präzise klicken und sich blind bedienen lassen. Auch unter dem auf 12,9 Zoll angewachsenen Infotainment-Bildschirm gibt es wieder physische Schalter und sogar einen haptischen Drehregler für die Lautstärke in der Mittelkonsole.
Eine weitere Alltags-Erleichterung betrifft die Fensterheber auf der Fahrerseite: Der viel kritisierte Umschaltknopf für die hinteren Fenster ist verschwunden. Stattdessen verbaut VW nun endlich vier separate Tasten – so, wie man es von einem echten Volkswagen erwartet.
Auch die Materialauswahl wurde spürbar aufgewertet. Wo früher hartes Plastik dominierte, schmeicheln jetzt Metalleinlagen, weiche Textilflächen und hochwertig verarbeitete Bezüge den Händen und Augen. Das neue Instrumentendisplay hinter dem Lenkrad misst nun 10,25 Zoll und lässt sich einwandfrei ablesen. Ein nettes Detail für Nostalgiker: Wer möchte, kann sich die Instrumente im klassischen Retro-Look des Ur-Golfs aus den 1980er-Jahren anzeigen lassen.
Technik-Upgrade: One-Pedal-Driving und MEB+ Power
Unter dem Blech nutzt der ID.3 Neo die überarbeitete MEB+-Plattform und profitiert von einer neuen Antriebsgeneration. Der bisherige Elektromotor weicht der effizienteren APP350-Maschine, die mit einem gesteigerten Drehmoment von 350 Newtonmetern für spürbar mehr Durchzug sorgt.
Eine echte Premiere für die ID.-Familie ist die Einführung von vollwertigem One-Pedal-Driving. Erstmals verzögert der Kompaktstromer rein regenerativ bis zum völligen Stillstand, wenn man den Fuß vom Fahrpedal nimmt. Das schont im Stadtverkehr nicht nur die Bremsen, sondern erhöht auch die Effizienz.
Wer unterwegs externe Geräte wie E-Bikes oder Kühlboxen betreiben möchte, freut sich über die neue Vehicle-to-Load-Funktion (V2L). Über die Hochvoltbatterie können externe Verbraucher mit bis zu 3,6 kW Leistung versorgt werden. Auch bei den Assistenzsystemen legt VW nach: Der Connected Travel Assist verfügt nun über eine vorausschauende Ampelerkennung.
Die Antriebe: Drei Akku-Größen mit bis zu 630 Kilometern Reichweite
Kunden haben beim ID.3 Neo die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Batteriegrößen, die jeweils an feste Leistungsstufen gekoppelt sind:
- Einstiegsmodell: Ein 50-kWh-Akku versorgt einen 170 PS (125 kW) starken Heckmotor und ermöglicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 417 Kilometern.
- Mittlere Variante: Mit 58 kWh Kapazität und 190 PS (140 kW) sind laut Hersteller bis zu 494 Kilometer drin.
- Topmodell: Die große 79-kWh-Batterie ist mit 231 PS (170 kW) gekoppelt. Diese Kombination verspricht eine Reichweite von bis zu 630 Kilometern.
Auf der Straße macht sich besonders die Topversion bezahlt. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in flotten 7,1 Sekunden. Am Schnelllader zieht die große Batterie Strom mit bis zu 183 kW DC-Leistung, womit der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent in rund 29 Minuten erledigt ist. Einzig das stattliche Leergewicht von knapp zwei Tonnen (1.966 Kilogramm) lässt sich in schnell gefahrenen Kurven nicht ganz kaschieren.
Preise und Marktstart des VW ID.3 Neo
Der Vorverkauf für das runderneuerte Modell ist in Deutschland bereits angelaufen, die offizielle Markteinführung erfolgt im Juli 2026. Preislich bleibt der Einstieg fair: Der Basispreis für den ID.3 Neo mit dem 50-kWh-Akku liegt bei 33.995 Euro. Für das reichweitenstarke Topmodell mit 79-kWh-Batterie und 231 PS verlangt Volkswagen mindestens 44.995 Euro.
"Mit dem ID.3 Neo liefert Volkswagen endlich das Auto ab, das der elektrische Kompaktwagen von Anfang an hätte sein sollen."