Der amerikanische Elektroautobauer hat ambitionierte Pläne für den europäischen Markt: Das hochentwickelte Fahrassistenzsystem, bekannt als "Full Self-Driving (Überwacht)" oder FSD, soll nach ersten Erfolgen in den Niederlanden zügig auf allen Straßen der Europäischen Union rollen. Doch was als formsachlicher Durchmarsch in Brüssel geplant war, entwickelt sich zunehmend zu einem regulatorischen Hürdenlauf.

Skepsis aus dem hohen Norden

Die niederländische Straßenverkehrsbehörde hatte kürzlich eine nationale Ausnahmegenehmigung erteilt. Die Hoffnung des Herstellers: Diese Entscheidung könnte als Blaupause für die gesamte EU dienen. Allerdings stellen sich nun mehrere Aufsichtsbehörden, insbesondere aus den skandinavischen Ländern, quer. Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen äußern erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Software.

Die Kritikpunkte der Experten sind vielfältig:

  • Wettertauglichkeit: Es bestehen große Bedenken, dass die Sensorik und die künstliche Intelligenz des Systems bei extremen Witterungsbedingungen, wie etwa auf vereisten Fahrbahnen, nicht adäquat reagieren.
  • Geschwindigkeitsüberschreitungen: Berichten zufolge neige die Software dazu, Tempolimits nicht immer strikt einzuhalten.
  • Irreführendes Marketing: Der Begriff "Full Self-Driving" wird von vielen Kritikern als potenziell gefährlich eingestuft, da er eine Vollautonomie suggeriert, die das System faktisch nicht bietet. Daran ändere auch der Zusatz "Überwacht" wenig.

"Kritisch wird unter anderem gesehen, dass Fahrer ein leistungsfähiger erscheinendes Assistenzsystem schlechter überwachen könnten."

Sicherheitsbedenken bremsen die Technologie

Neben den nationalen Behörden schalten sich nun auch einflussreiche europäische Verkehrssicherheitsorganisationen in die Debatte ein. In einem eindringlichen Appell an die zuständigen EU-Gremien wird eine sofortige Aussetzung des Zulassungsverfahrens gefordert. Die Argumentation ist brisant: Bevor solche gravierenden Eingriffe in die Fahrdynamik flächendeckend erlaubt werden, müsse eine breite gesellschaftliche Diskussion darüber geführt werden, ob man KI-gesteuerte Fahrzeuge überhaupt auf öffentlichen Straßen wünscht.

Für das visionäre Autounternehmen bedeutet dieser Gegenwind eine harte Bewährungsprobe. Statt einer schnellen, automatischen Übernahme der niederländischen Zulassung stehen nun vermutlich längere Prüfungen und Debatten in Brüssel an. Ob und in welcher Form europäische Autofahrer künftig das Lenkrad dauerhaft dem System überlassen dürfen, bleibt damit vorerst unklar.