Lange mussten europäische Tesla-Fahrer auf die Freigabe der umstrittenen FSD-Software (Full Self-Driving) warten. Nun gibt es einen echten Durchbruch: Als erstes Land in Europa haben die Niederlande das System offiziell zugelassen. Doch wer sich jetzt auf fahrerlose Roadtrips freut, muss die Erwartungen bremsen.

Der Niederlande-Trick als Türöffner

Nach mehr als eineinhalb Jahren intensiver Prüfungen, über 1,6 Millionen Testkilometern auf europäischen Straßen und Tausenden Prüfstandläufen hat die zuständige niederländische Fahrzeugbehörde das Go gegeben. Das "Full Self-Driving (Supervised)" – zu Deutsch etwa "vollautomatisches Fahren unter Aufsicht" – darf ab sofort auf Autobahnen und im Stadtverkehr eingesetzt werden.

Es ist ein massiver Meilenstein für den US-Autobauer, der damit einen Fuß in die stark regulierte europäische Tür bekommt. Die Zulassung erfolgte nach einer strikten UN-Regelung, die genaue Sicherheitsstandards für Fahrerassistenzsysteme festlegt.

Kein Freifahrtschein fürs Nickerchen

Science-Fiction bleibt allerdings vorerst im Kino. Wer dachte, er könne künftig während der Fahrt Zeitung lesen oder ein Nickerchen halten, wird von den strengen europäischen Richtlinien auf den Boden der Tatsachen geholt. Die Behörde machte unmissverständlich klar, dass die Verantwortung weiterhin voll beim Menschen liegt.

Das System bringt einige klare Einschränkungen mit sich:

  • Es handelt sich um ein Assistenzsystem der Stufe 2, nicht um vollautonomes Fahren.
  • Eine Innenraumkamera überwacht permanent den Blick und die Hände der Person am Steuer.
  • Die Hände müssen jederzeit bereit sein, ins Geschehen einzugreifen.
  • Der Hersteller muss alle sicherheitsrelevanten Vorfälle melden und regelmäßige Berichte abliefern.

"Das System kann lenken, bremsen und beschleunigen. Der Fahrer muss die Fahraufgabe jederzeit überwachen und übernehmen können."

Wann folgt Deutschland?

Mit der niederländischen Zulassung hat das Unternehmen zwar den ersten Etappensieg errungen, doch das Ticket gilt vorerst nur dort. Es gibt keine automatische EU-weite Anerkennung. Andere Mitgliedsstaaten müssen nun einzeln entscheiden, ob sie dem Vorbild folgen.

Branchenbeobachter gehen davon aus, dass Länder wie Deutschland und Frankreich die Entscheidung genau analysieren werden und als nächste Kandidaten für eine Freigabe gelten. Sollte das System in der Praxis überzeugen, könnten hiesige Besitzer noch im Laufe des Jahres das lang ersehnte Software-Update erhalten. Bis dahin bleibt der Blick neidisch über die Grenze gerichtet, wo der digitale Copilot nun ganz offiziell das Lenkrad mit übernimmt.