Es gleicht einem Offenbarungseid, den der Opel-Mutterkonzern am Wochenende abgelegt hat. Lange Zeit galt die Devise „Electric First“, doch nun folgt die Ernüchterung in harten Zahlen: Eine Abschreibung von unfassbaren 22,2 Milliarden Euro belastet die Bilanz. Der Grund? Die völlig überschätzte Nachfrage nach Elektroautos und eine Modellpolitik, die – wie das Management nun selbstkritisch zugibt – an den Wünschen der Kunden vorbeigeproduziert wurde.

Der neue Konzernchef Antonio Filosa, der das Ruder von Carlos Tavares übernommen hat, fand deutliche Worte für das Debakel. Man habe sich von der „realen Welt entfernt“ und das Tempo der Antriebswende falsch eingeschätzt. Die Konsequenz ist brutal, aber ehrlich: Die Aktionäre, darunter die mächtige Agnelli-Familie, gehen in diesem Jahr leer aus – die Dividende wurde komplett gestrichen.

Zurück zum Verbrenner und V8

Was bedeutet das konkret für die Autos auf der Straße? Die strikten Pläne, ab 2030 in Europa nur noch E-Autos zu verkaufen, dürften Makulatur sein. Berichten zufolge werden mehrere geplante reine Elektromodelle gestrichen oder verschoben. Stattdessen erlebt der Verbrennungsmotor eine Renaissance.

Besonders symbolträchtig ist der Schritt in Nordamerika: Der eigentlich rein elektrisch geplante Pick-up Ram 1500 soll nun doch wieder mit Verbrennungsmotoren angeboten werden – Gerüchten zufolge kehrt sogar der klassische V8 zurück. Die Botschaft ist klar: Der Kunde entscheidet, nicht die Ideologie.

Batterie-Träume für 100 Dollar verramscht

Wie tief der Einschnitt ist, zeigt ein Detail, das fast schon satirisch wirkt. Stellantis zieht sich aus einem milliardenschweren Batteriezell-Projekt in Kanada zurück und verkauft seine Anteile an den Partner LG Energy Solution. Der Preis für das Aktienpaket, in das zuvor Milliarden flossen? Symbolische 100 US-Dollar. Es ist der wohl teuerste Rückzug der jüngeren Industriegeschichte.

  • Baustopps in Europa: Auch für die europäischen Batteriefabriken, etwa das ACC-Projekt in Kaiserslautern, verheißt der neue Kurs nichts Gutes. Die „Pause“ könnte zum Dauerzustand werden.
  • Realitätscheck: Filosa betont, man müsse wieder Autos bauen, die sich die Menschen leisten können und wollen – und das sind aktuell oft noch Hybride oder effiziente Verbrenner.

„Wir haben uns von den Bedürfnissen und Wünschen vieler Autokäufer entfernt. Der Wandel lässt sich nicht befehlen.“

Für die deutsche Tochter Opel dürfte der Kurswechsel ebenfalls Folgen haben. Ob das Ziel, ab 2028 rein elektrisch zu sein, unter den neuen Vorzeichen zu halten ist, darf stark bezweifelt werden.