Der Smart fortwo bekommt endlich wieder einen echten Nachfolger – und jetzt wird es im Innenraum spannend. Beim Concept #2 zeigt Smart, wie ein ultrakurzer E-Zweisitzer mit Sitzbank, S-Cockpit und neuer ECA-Plattform den Stadtverkehr zurückerobern soll.
Rom statt Renderbild: Smart zeigt den #2 greifbarer
Smart hat den Concept #2 am 22. Juni 2026 bei einer Veranstaltung in Rom erstmals in Europa präsentiert und dort neue Details zur Designphilosophie, zum Innenraumkonzept und zur Electric Compact Architecture vorgestellt. Der Concept #2 und die ECA-Plattform dienen als Grundlage für den kommenden elektrischen Serien-Zweisitzer Smart #2.
Der Zeitpunkt ist clever: Im April 2026 hatte Smart das Concept #2 bereits beim Global Brand Event in Peking enthüllt, damals als physisches Designmodell und offiziellen Ausblick auf den Nachfolger des Smart fortwo. Die Serienversion soll im Oktober 2026 in Paris Weltpremiere feiern.
Für Deutschland ist das mehr als Nostalgie mit Stecker. Smart-Deutschland-Chef Florian Nemitz verweist darauf, dass deutsche Städte wie Berlin, Hamburg und München seit jeher zur Heimat des Smart-Zweisitzers gehörten und dass hierzulande noch mehr als 300.000 Smart fortwo zugelassen seien.
„Die eigens entwickelte ECA-Plattform ist das technologische Herzstück und das Innenraumkonzept verdeutlicht die Philosophie hinter dem kommenden Smart #2.“
Sitzbank statt Mittelkonsole: der kleine Smart wird innen anders
Der spannendste neue Blick gilt dem Cockpit: Im Mittelpunkt des Innenraumkonzepts stehen eine durchgehende Sitzbank, ein Cockpit nach dem S-Form-Prinzip und eine möglichst effiziente Nutzung des vorhandenen Raums. Das Interieur ist offen und klar strukturiert angelegt und soll trotz kompakter Außenmaße ein großzügiges Raumgefühl sowie ein gehobenes Ambiente schaffen.
Die durchgehende Sitzbank ist dabei mehr als ein Showcar-Gag. Sie löst die klassische Trennung zwischen Fahrer und Beifahrer auf und soll den Innenraum gemeinsamer, luftiger und einladender wirken lassen. Erste Innenraumansichten zeigen außerdem eine S-förmig gezogene Armatur, bei der wichtige Bedienelemente zum Fahrer orientiert sind.
Ablagen und Bedienelemente rücken laut den verfügbaren Innenraumdetails stärker in die Sitzstruktur, während die klassische Mittelkonsole entfällt. Das kann im Alltag tatsächlich wichtig werden: In engen Parkbuchten könnte ein offenerer Innenraum den Seitenwechsel erleichtern, sofern Smart diese Lösung seriennah übernimmt.
300 km Reichweite – aber noch nicht offiziell zertifiziert
Technisch ist die neue ECA-Plattform der eigentliche Kern des Projekts. Sie wurde laut den Angaben für ein ultrakompaktes, vollelektrisches Fahrzeug entwickelt und soll Raumnutzung, urbane Agilität, Sicherheit und elektrische Alltagstauglichkeit in einem sehr kleinen Auto verbinden.
Die jetzt genannten Zielwerte klingen für einen City-Zweisitzer erstaunlich erwachsen: Smart spricht von einer Batterie mit 35,7 kWh Zielkapazität, einer angestrebten Reichweite von rund 300 Kilometern nach WLTP und einer DC-Schnellladung von 10 auf 80 Prozent in weniger als 20 Minuten. Wichtig: Die rund 300 Kilometer sind noch nicht zertifiziert und wurden von Smart zuvor ausdrücklich nicht als offizielle WLTP-Werte, sondern als Schätzung eingeordnet.
Dazu kommt ein Wendekreis von 6,95 Metern von Bordstein zu Bordstein. Genau hier spielt der #2 seine alte Smart-Karte aus: nicht maximale Größe, sondern maximale Wendigkeit im Alltag.
ECA-Plattform: klein, aber nicht simpel
Schon im Dezember 2025 hatte Smart bestätigt, dass die neue ECA-Plattform in der Praxis getestet wird. Dafür nutzten die Ingenieure Karosserien des bestehenden Smart fortwo, um die neue Architektur unter realen Bedingungen zu validieren. Damit sollte zugleich bestätigt werden, dass der #2 den ultrakompakten Abmessungen des Originals treu bleibt.
Der kommende #2 soll zwei Türen, zwei Sitze, Hinterradantriebsdynamik und die typische Radstellung an den Fahrzeugecken beibehalten. Gleichzeitig kündigte Smart an, dass Innen- und Außendesign komplett vom Mercedes-Benz Designteam neu gestaltet werden.
Bei den Tests standen unter anderem Fahrdynamik, Handhabung, strukturelle Festigkeit, Bremsleistung, Crash-Sicherheit, Batterieleistung, Software und Klimatisierung im Fokus. Das ist entscheidend, weil ein moderner Kleinstwagen nicht nur kurz sein darf, sondern auch heutige Erwartungen an Sicherheit, Software und Klimatisierung erfüllen muss.
Tridion-Idee lebt weiter
Auch beim Sicherheitskonzept will Smart an die eigene Vergangenheit anknüpfen. Die Marke entwickelt die Prinzipien der bekannten Tridion-Zelle weiter und überträgt sie auf die nächste Generation des kompakten Elektro-Zweisitzers. Ziel ist es, kompakte Außenmaße mit einer robusten Struktur und modernen Sicherheitsanforderungen zu verbinden.
Smart formuliert den Anspruch deutlich: Die neue Version der Tridion-Zelle stehe für das Bestreben, Sicherheit unabhängig von der Fahrzeuggröße zur Priorität zu machen. Genau dieser Punkt dürfte in Deutschland wichtig werden, denn der neue #2 muss Kürze mit Schutz und Stabilität verbinden.
Was noch fehlt: Preis, Leistung, Serien-Cockpit
Noch offen sind die harten Kaufargumente. Offizielle Angaben zur Motorleistung und zum endgültigen Preis des Smart #2 liegen bislang nicht vor. Auch die exakte Serienausstattung des Cockpits ist noch nicht bestätigt, weil Smart aktuell weiterhin vom Concept #2 spricht.
Trotzdem ist die Richtung klar: Der neue Smart #2 soll kein geschrumpfter SUV sein, sondern wieder ein echter Stadt-Zweisitzer. Wenn Smart die versprochenen rund 300 Kilometer, den 6,95-Meter-Wendekreis und das luftige Sitzbank-Cockpit überzeugend in die Serie bringt, könnte der fortwo-Erbe genau dort punkten, wo viele E-Autos zuletzt immer größer, schwerer und teurer wurden.
Für die deutsche City-Kundschaft wäre das die eigentliche Nachricht: Der Smart wird wieder klein – aber diesmal offenbar nicht klein gedacht.