Es ist eine alte Weisheit der Marktwirtschaft: Der Preis regelt die Nachfrage. Doch auf dem deutschen Automarkt scheinen im Jahr 2026 andere Gesetze zu gelten. Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) gemeinsam mit der TU Dresden fördert Erstaunliches zutage: Die Parteipräferenz ist mittlerweile ein stärkerer Indikator für die Kaufabsicht eines Elektroautos als klassische Faktoren wie Alter, Bildung oder das monatliche Nettoeinkommen. Das Auto ist nicht mehr nur Fortbewegungsmittel, es ist ein rollendes Wahlplakat.

Besonders deutlich wird der Graben zwischen den politischen Lagern. Während Sympathisanten der Grünen die Elektromobilität quasi als bürgerliche Pflicht betrachten und eine hohe Kaufbereitschaft zeigen (rund 64 Prozent können sich einen deutschen Stromer vorstellen), wird das E-Auto am rechten Rand zum Feindbild stilisiert. Unter AfD-Anhängern rangiert das Batterieauto in der Beliebtheitsskala irgendwo zwischen Wärmepumpe und Windrad. Nur etwa jeder Fünfte in dieser Gruppe würde ein deutsches Elektroauto in Betracht ziehen.

Der Tesla-Effekt: Elon Musk im politischen Niemandsland

Besonders pikant sind die Zahlen für den US-Pionier Tesla. Elon Musks offene Flirts mit dem rechten politischen Spektrum und der AfD haben ihm hierzulande ökonomisch nichts genützt – im Gegenteil. Die Studie zeigt ein Dilemma für den exzentrischen CEO:

  • Das grüne Milieu wendet sich ab: Die einst treueste Kundschaft, das ökologisch bewegte Bürgertum, straft die Marke für die Eskapaden ihres Chefs ab. Nur noch jeder zehnte Grünen-Anhänger zieht einen Tesla in Erwägung.
  • Die neue Zielgruppe beißt nicht an: Trotz Musks politischer Avancen bleibt die Skepsis im AfD-Lager gegenüber der Technologie E-Auto dominant. Der Kulturkampf gegen den „Zwangsstromer“ wiegt schwerer als die Sympathie für den polternden CEO.

Patriotismus schlägt Preis – noch

Ein kleiner Lichtblick für die krisengeschüttelte heimische Industrie: Der Patriotismus funktioniert noch. Über alle Lager hinweg ist die Bereitschaft, ein deutsches Elektroauto zu kaufen, deutlich höher als das Interesse an chinesischen Fabrikaten. Doch diese Loyalität bröckelt, wenn der Preisabstand zu groß wird.

Die ökonomische Realität im Hintergrund bleibt düster: Sinkende Produktionszahlen und ein Beschäftigungsrückgang in der deutschen Autoindustrie machen deutlich, dass dieser „Kulturkampf“ auf dem Rücken der Arbeitsplätze ausgetragen wird. Wenn das Auto zum identitätspolitischen Statement wird, leidet am Ende vor allem einer: der Standort Deutschland.

„Unter AfD-Anhängern ist das E-Auto genauso wie Windräder und Wärmepumpen zum Schauplatz eines Kulturkampfes geworden.“

Für die Hersteller bedeutet das: Marketing ist künftig nicht mehr nur Lifestyle-Werbung, sondern politische Kommunikation. Wer Autos verkaufen will, muss offenbar erst die Wähler überzeugen.