Porsche dreht den Taycan Turbo GT mit Manthey-Kit endgültig Richtung Rennstrecke – und Richtung Preis-Irrsinn: Das Upgrade kostet 108.900 Euro extra, während der Basis-Taycan in Deutschland ab 102.600 Euro startet. Wer den Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket als Grundlage nimmt, landet schon vor dem Kit bei mindestens 241.100 Euro.
108.900 Euro für Abtrieb: Das steckt hinter dem Schockpreis
Der eigentliche Aufreger ist nicht, dass Porsche ein teures Track-Paket anbietet. Der Aufreger ist die Größenordnung: 108.900 Euro für das Manthey-Kit sind mehr Geld als Porsche für den günstigsten neuen Taycan verlangt.
Damit wird aus dem ohnehin extremen Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket ein Elektro-Tracktool für eine sehr kleine Zielgruppe: Der Basispreis des Spenderfahrzeugs liegt bei 241.100 Euro, das Kit kommt obendrauf.
Porsche nennt das Paket ein Manthey Kit für den Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket; laut Hersteller ist es das erste Manthey Kit für einen Elektro-Sportwagen der Marke und ab Juni 2026 als Nachrüstsatz für alle Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket bestellbar.
Die Nordschleifen-Zahl, die den Preis erklären soll
Porsche hat den großen Beweis auf der Nürburgring-Nordschleife geliefert: Am 7. Mai 2026 meldete der Hersteller für den Taycan Turbo GT mit Manthey Kit eine Zeit von 6:55,533 Minuten.
Gefahren wurde die Runde von Porsche-Entwicklungsfahrer Lars Kern auf dem 20,832 Kilometer langen Kurs; laut Porsche ist das eine neue Bestzeit für Elektrofahrzeuge der Oberklasse.
Die neue Runde war laut Porsche mehr als neun Sekunden schneller als die bisherige Bestmarke in dieser Kategorie und zwölf Sekunden schneller als Kerns frühere Zeit mit dem Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket.
„Das Manthey Kit macht den Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket zum ultimativen Tracktool.“
Wichtig für die Einordnung: Porsche gibt an, dass ein vor Ort anwesender Notar die Rundenzeit beglaubigt hat.
Nicht nur Flügelshow: Der Taycan bekommt echte Technik-Muskeln
Optisch schreit der Manthey-Taycan nach Rennstrecke, technisch geht es aber weit über einen großen Heckflügel hinaus. Porsche spricht von tiefgreifenden Aerodynamik-, Fahrwerks- und Antriebsmodifikationen für den Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket.
Der Abtrieb steigt laut Porsche im Vergleich zum Serienfahrzeug um mehr als das Dreifache. Bei 200 km/h wächst der Gesamtabtrieb von 95 auf 310 Kilogramm, bei der angehobenen Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h sollen rund 740 Kilogramm Gesamtabtrieb anliegen.
Auch die Höchstgeschwindigkeit ändert sich: Porsche hebt sie beim Manthey-Kit von 305 auf 310 km/h an.
Dazu kommen ein neuer Heckflügel mit größeren Endplatten, ein optimierter Frontdiffusor, ein Heckdiffusor mit verlängerten Finnen, größere Luftleitelemente am Unterboden und Carbon-Aerodiscs an den Hinterrädern.
Mehr Strom, mehr Attack Mode, mehr Bremsanlage
Porsche greift beim Manthey-Kit auch in den Antrieb ein: Optimierungen an Hochvoltbatterie, Steuergerät und Pulswechselrichtern erhöhen den maximalen Entladestrom während der Fahrt von 1.100 auf 1.300 Ampere.
Die Systemleistung steigt dadurch um 20 kW auf 600 kW, das maximale Drehmoment bei Launch Control auf 1.270 Nm.
Im Attack Mode stehen kurzzeitig bis zu 130 kW Mehrleistung zur Verfügung; die Zehnsekunden-Leistung steigt von 700 auf 730 kW.
Auch das Fahrwerkspaket ist deutlich ernster gemeint als ein Show-and-Shine-Bodykit: Porsche nennt eine speziell entwickelte Fahrdynamik-Abstimmung, die Agilität, Kurvengrip und Lenkpräzision verbessern soll.
Die Bremsanlage bekommt größere Scheiben mit 440 Millimetern vorn und 410 Millimetern hinten.
Räder, Reifen, Carbon: Wo das Geld sichtbar wird
Zum Paket gehören neu entwickelte 21-Zoll-Aluminium-Schmiedefräsräder im Manthey-Design. Trotz größerer Dimensionen sollen sie zusammen mit Titan-Radschrauben über drei Kilogramm weniger wiegen als die bereits gewichtsoptimierten Räder des Taycan Turbo GT mit Weissach-Paket.
Optional gibt es straßenzugelassene Track-Reifen; sie sind laut Porsche an der Vorderachse vier Zentimeter und an der Hinterachse drei Zentimeter breiter als beim Turbo GT.
Manthey selbst listet für das Kit unter anderem Carbon-Heckflügel, Frontlippe mit Abstützung, Frontdiffusor, Heckdiffusor, Carbon-Aerodisc, verbreiterte Seitenschweller, Radhausentlüftungen und ein rundstreckenorientiertes Fahrwerkssystem.
Für wen ergibt das Sinn?
Für normale Taycan-Kunden praktisch gar nicht. Für Sammler, Trackday-Fahrer und Porsche-Fans mit Nordschleifen-Fokus dagegen schon eher: Der Basis-Taycan ist mit 102.600 Euro günstiger als das Manthey-Kit allein, bietet aber natürlich nicht die Extrem-Aerodynamik, die Rekordtechnik und den Motorsport-Auftritt des Turbo-GT-Umbaus.
Der Vergleich ist deshalb brutal, aber fair: Porsche verkauft hier nicht „ein bisschen Zubehör“, sondern eine radikale Transformation für ein Auto, das bereits ab Werk 1.034 PS Overboost-Leistung bei Launch Control, 2,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 305 km/h Spitze bietet.
Am Ende ist das Manthey-Kit für den Taycan Turbo GT weniger ein Preis-Leistungs-Angebot als eine Machtdemonstration: Porsche zeigt, dass ein schwerer Elektro-Viertürer auf der Nordschleife eine Zeit von 6:55,533 Minuten fahren kann.
Und genau deshalb dürfte der 108.900-Euro-Schock funktionieren: Er klingt absurd – aber er liefert eine konkrete Zahl, eine konkrete Rundenzeit und ein ziemlich konkretes Statement aus Zuffenhausen.