Porsche macht eine überraschende Kehrtwende: Noch vor nicht allzu langer Zeit hieß es aus Zuffenhausen, künstliche Gangwechsel in einem Elektroauto seien völlig unnötig, da der E-Motor dem klassischen Verbrenner ohnehin überlegen sei. Doch die Realität auf dem Markt und ein spürbarer Dämpfer bei den Absatzzahlen haben die Strategen nun offenbar zum Umdenken bewegt. Für das neue Modelljahr spendiert der Sportwagenhersteller dem Taycan ein umfassendes Update, das die Grenzen zwischen Elektro- und Verbrennerwelt verschwimmen lässt. Das absolute Highlight – oder für Puristen vielleicht der größte Aufreger – ist das neue E-Shift-System, das dem E-Sportler eine virtuelle Achtgang-Schaltung verpasst.

Schalten wie im Panamera: So funktioniert das Fake-Getriebe

Mit der neuen, optionalen E-Shift-Funktion will Porsche das emotionale Fahrerlebnis spürbar intensivieren. Über Schaltpaddles am GT-Sportlenkrad oder vollautomatisch simuliert das System acht Gänge. Und das ist keine reine Spielerei für das Auge: Der Fahrer spürt echte, künstlich erzeugte Schaltrucke, ein gangspezifisches Schleppmoment (das die klassische Motorbremse nachahmt) und sogar einen virtuellen Drehzahlbegrenzer.

Unterstützt wird das Ganze von einem neu abgestimmten Porsche Electric Sport Sound, der sich je nach Last und Drehzahl verändert, sowie einer Ganganzeige mit virtuellem Drehzahlmesser im Cockpit. Beim Topmodell Taycan Turbo GT gehört die Funktion künftig zur Serienausstattung, für alle anderen Varianten ist sie gegen einen Aufpreis von knapp 1.000 Euro erhältlich. Als Inspiration diente übrigens ausgerechnet die asiatische Konkurrenz, deren simuliertes Getriebe im sportlichen Kompakt-Elektroauto zuvor intern als echter Augenöffner gelobt wurde.

Die magische 700-Kilometer-Marke fällt

Neben der großen Portion Emotion hat Porsche auch an den harten Fakten geschraubt. Zwar bleibt die grundlegende Batterietechnik unverändert, doch dank neuer, extrem rollwiderstandsarm optimierter Sommerreifen kitzelt der Autobauer bis zu 20 Kilometer zusätzliche Reichweite aus dem Wagen. In Kombination mit der optionalen Performance-Batterie Plus knackt der heckgetriebene Basis-Taycan damit erstmals die prestigeträchtige Marke von 700 Kilometern Reichweite nach WLTP-Standard. Damit qualifiziert sich der E-Sportler endgültig für entspannte Langstreckenfahrten ohne ständige Lade-Angst.

Schnelleres Gehirn und mehr Power für die Rennstrecke

Auch das digitale Cockpit erfährt eine Frischzellenkur. Die neue Infotainment-Generation im Porsche Communication Management arbeitet mit einer bis zu fünfmal höheren Rechenleistung als zuvor. Das sorgt nicht nur für ein flüssigeres Menü-Erlebnis, sondern ermöglicht auch eine KI-gestützte Sprachsteuerung, die komplexe Befehle im Handumdrehen versteht. Smartphones laden in der Mittelkonsole ab sofort mit bis zu 25 Watt – das ist anderthalbmal so schnell wie bisher.

Zudem können Software-Updates künftig komplett "over the air" eingespielt werden. Wer mit seinem Taycan am liebsten auf der Rennstrecke unterwegs ist, darf sich ebenfalls freuen: Für den extremen Turbo GT mit Weissach-Paket gibt es ab Werk nun ein Manthey-Kit mit optimierter Aerodynamik und Fahrwerksmodifikationen, das unlängst für eine Fabelzeit auf der Nürburgring-Nordschleife sorgte.

Bestellstart und Preise

Der aktualisierte Taycan für das neue Modelljahr ist ab sofort bestellbar. Die Preise wurden leicht angepasst und starten nun bei 102.600 Euro für die heckgetriebene Basisversion. Wer die volle "Verbrenner-Illusion" inklusive der virtuellen Schaltwippen erleben möchte, muss für das E-Shift-Paket mit knapp 964 Euro extra kalkulieren.