Die schwedisch-chinesische E-Auto-Marke hat ein überaus turbulentes Geschäftsjahr 2025 hinter sich. Die nackten Zahlen aus der neuen Jahresbilanz wirken auf den ersten Blick paradox: Einerseits feiern die Verantwortlichen historische Rekorde bei den Auslieferungen, andererseits wächst der finanzielle Fehlbetrag in schmerzhafte Höhen. Wer die Bilanz aufschlüsselt, erkennt ein Geschäftsmodell, das sich aktuell in einer extrem kritischen Übergangsphase befindet.

Rekordumsatz trifft auf tiefrote Zahlen

Geht es allein um den Absatz und die Einnahmen, war 2025 ein absolutes Erfolgsjahr. Die Marke konnte weltweit gut 60.000 Elektroautos an die Kundschaft ausliefern – ein stolzes Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Dynamik spiegelte sich auch in den Kassen wider: Der Umsatz schoss um beachtliche 50 Prozent auf rund 3,06 Milliarden US-Dollar in die Höhe.

Doch der Schein des reinen Wachstums trügt, denn parallel dazu wuchs auch der Nettoverlust um 15 Prozent auf satte 2,36 Milliarden US-Dollar an. Bricht man diesen Fehlbetrag rein rechnerisch auf die verkauften Fahrzeuge herunter, verliert das Unternehmen aktuell im Durchschnitt beinahe 40.000 US-Dollar mit jedem ausgelieferten Auto. Ein Wert, der die anhaltende Kapitalintensität der Elektromobilitäts-Branche drastisch vor Augen führt.

Ein milliardenschweres Sorgenkind

Dass der Verlust derart massiv ausfällt, liegt jedoch nicht nur am operativen Tagesgeschäft, sondern vor allem an buchhalterischen Sondereffekten. Rund 1,05 Milliarden US-Dollar des Defizits sind nicht-zahlungswirksame Abschreibungen auf Anlagen und Software. Der Hauptgrund hierfür? Das große Premium-SUV Polestar 3. Allein für dieses Modell, dessen Verkaufszahlen deutlich hinter den hohen Erwartungen zurückblieben, musste das Management Wertberichtigungen in Höhe von knapp 740 Millionen US-Dollar vornehmen.

Positiv stimmt hingegen die eigentliche operative Leistung: Rechnet man diese drastischen Sonderabschreibungen heraus, konnte das Unternehmen sein operatives Ergebnis (das bereinigte EBITDA) immerhin um fast 300 Millionen US-Dollar verbessern.

CO2-Zertifikate als lukrative Nebenverdienste

Zudem profitiert der Autobauer von einer Strategie, die bereits anderen reinen E-Auto-Herstellern milliardenschwere Gewinne bescherte: dem Handel mit CO2-Zertifikaten. Weil die eigene Flotte emissionsfrei unterwegs ist, konnte das Unternehmen wertvolle Verschmutzungsrechte an Autobauer mit Verbrennermotoren verkaufen. Im Jahr 2025 spülte dieser Kniff beeindruckende 211 Millionen US-Dollar in die Kassen – eine extreme Vervielfachung im Vergleich zum Vorjahr, als es lediglich 11 Millionen US-Dollar waren.

So sieht der Plan für die Zukunft aus

Der frisch angetretene Unternehmenschef hat bereits deutliche Korrekturen an der Strategie vorgenommen. Um den Turnaround zu schaffen und in Zukunft die Gewinnzone ins Visier zu nehmen, steht eine Abkehr vom reinen Online-Vertrieb ganz oben auf der Agenda.

  • Das Unternehmen rückt stärker an den klassischen Einzelhandel heran und bindet etablierte Händler aktiver in den Verkaufsprozess ein.
  • Im laufenden Jahr soll die Zahl der physischen Verkaufsstandorte weltweit um 20 Prozent erhöht werden.
  • Eine umfassende Modelloffensive soll die Produktpalette in den kommenden Jahren breiter aufstellen und neue Zielgruppen ansprechen.

"Unsere starke Geschäftsentwicklung wurde durch den Ausbau unseres Vertriebsnetzes und die Stärke unserer Modellpalette erzielt. Im Jahr 2026 liegt unser operativer Fokus auf dem weiteren Ausbau."

Mit frischem Kapital, das erst kürzlich durch externe Investoren eingesammelt wurde, und einem echten Händlernetz im Rücken hofft der Hersteller nun, dass auf das Jahr des teuren Wachstums bald auch Phasen echter Profitabilität folgen werden.