Die goldenen Zeiten des Motorsports waren geprägt von klangvollen Namen, waghalsigen Piloten und faszinierender Technik. Zu den Protagonisten dieser Ära gehörte auch OSCA (Officine Specializzate Costruzioni Automobili). Gegründet im Jahr 1947 von den Brüdern Bindo, Ernesto und Ettore Maserati, nachdem sie ihr gleichnamiges Unternehmen verlassen hatten, stand die Marke für pfeilschnelle, extrem leichte Rennwagen. Klassensiege bei der Mille Miglia oder den 24 Stunden von Le Mans machten die kleinen Flitzer weltberühmt. Doch 1967 fiel der Vorhang und OSCA verschwand in der Versenkung.

Bis heute. Denn jetzt meldet sich die italienische Traditionsmarke eindrucksvoll zurück – allerdings mit einem Konzept, das Puristen im ersten Moment überraschen dürfte.

Der Neustart heißt MT6

Mit dem neuen Modell OSCA MT6 wagt die Marke den kühnen Sprung ins 21. Jahrhundert. Vorbei ist die Zeit der winzigen, puristischen Rennbarchettas. Der neue Hoffnungsträger ist ein rund 4,50 Meter langes SUV-Coupé, das voll im anhaltenden Crossover-Trend liegt.

Unter dem schicken Blechkleid verbirgt sich jedoch keine mühsame Eigenentwicklung. Das Fahrzeug nutzt als Basis die Architektur des chinesischen Autobauers Changan. Damit folgt das Projekt einem populären Branchenkniff: Eine klangvolle und traditionsreiche europäische Hülle wird mit ausgereifter, kosteneffizienter Technik aus dem Reich der Mitte gefüllt, um die Entwicklungszeit und das finanzielle Risiko drastisch zu minimieren.

Italienischer Maßanzug für asiatische Technik

Trotz der fernöstlichen DNA soll sich der Neuzugang wie ein waschechter Italiener anfühlen und fahren. Die Endabstimmung von Fahrwerk, Bremsen und Elektronik wurde penibel auf europäische Ansprüche und kurvige Landstraßen zugeschnitten. Auch das Design, an dem namhafte italienische Designschmieden federführend mitwirkten, spricht eine deutliche, selbstbewusste Sprache.

  • Aggressive Optik: Eine riesige, achteckige Kühlergrillblende in Carbon-Optik dominiert die Front.
  • Sportliche Details: Wuchtige 20- oder 21-Zoll-Leichtmetallräder, vier Auspuffendrohre und ein prominenter Carbon-Diffusor am Heck unterstreichen den dynamischen Anspruch.
  • Fokus auf den Fahrer: Der Innenraum lockt mit feinen Leder- und Alcantara-Bezügen, zwei großen 10,25-Zoll-Displays sowie exklusiv mit Recaro entwickelten Sportsitzen.

"Das Ziel ist nicht einfach nur ein weiteres Auto auf den Markt zu bringen, sondern den Geist einer legendären Marke mit modernen Mitteln und zeitgemäßem Design neu zu interpretieren."

Darauf müssen deutsche Fans leider verzichten

Unter der Haube verrichtet ein 1,5-Liter-Turbobenziner mit rund 180 PS seinen Dienst. Er soll für adäquaten Vortrieb sorgen, der dem sportlichen Erbe – zumindest im Rahmen eines alltagstauglichen Kompakt-SUVs – gerecht wird.

Der Marktstart in Italien ist für den Frühherbst angesetzt, der Einstiegspreis soll bei rund 49.000 Euro liegen. Dabei setzt der Hersteller auf eine weitgehend voll ausgestattete Basisversion, bei der Kunden fast nur noch kosmetische Details wie Farben und Felgen individualisieren können. Einziger Wermutstropfen für hiesige Liebhaber ausgefallener Automobildesigns: Ein offizieller Verkauf in Deutschland ist vorerst nicht geplant. Wer den neuen OSCA in der heimischen Garage parken möchte, muss also wohl oder übel den Weg über die Alpen auf sich nehmen.