Es ist noch nicht lange her, da musste man für ein gut ausgestattetes SUV in der Tiguan-Klasse locker 40.000 Euro auf den Tisch legen. Doch diese Zeiten könnten vorbei sein – zumindest, wenn man bereit ist, über den Tellerrand der etablierten Marken hinauszublicken. Great Wall Motor (GWM) bringt mit dem Haval Jolion Pro nun sein zweites SUV-Modell nach Deutschland und zielt dabei genau dahin, wo es der Konkurrenz am meisten wehtut: beim Geldbeutel.
Der neue Herausforderer startet offiziell bei 24.990 Euro. Dank aktueller Rabattaktionen zum Marktstart drückt der chinesische Autoriese den Preis sogar zeitweise auf unter 23.000 Euro. Zum Vergleich: Ein nackter VW Polo mit 95 PS kostet aktuell laut Liste fast genauso viel. Der Jolion Pro hingegen tritt mit 4,47 Metern Länge im Segment der Kompakt-SUVs an und wildert damit im Revier von VW Tiguan, Kia Sportage oder dem Hyundai Tucson – bietet aber mehr Leistung als die Einstiegsmodelle der Platzhirsche.
Volle Hütte ab Werk
Was deutsche Autokäufer besonders aufhorchen lassen dürfte, ist die Ausstattungsstrategie. Die in Deutschland berüchtigten „Aufpreislisten des Schreckens“ sucht man bei GWM vergeblich. Schon die Basisversion „Premium“ fährt Dinge auf, für die man in Wolfsburg oder Stuttgart extra bezahlen müsste:
- 17-Zoll-Leichtmetallfelgen
- Elektrisches Panorama-Glasschiebedach
- Sitzheizung vorne und 2-Zonen-Klimaautomatik
- Rückfahrkamera und Einparkhilfe
- 10,25-Zoll-Touchscreen mit Apple CarPlay und Android Auto
Wer knapp 3.000 Euro mehr investiert und zur „Luxury“-Variante greift, erhält Features, die sonst eher der Oberklasse vorbehalten sind. Dazu gehören unter anderem eine Sitzbelüftung für den Fahrer, ein Head-up-Display-Ersatz durch größere Screens und ein komplettes Assistenzpaket inklusive Totwinkelwarner und automatischer Einparkhilfe.
Der Antrieb: Kraftvoll, aber klassisch
Unter der Haube arbeitet keine komplexe Hybrid-Technik, sondern ein klassischer 1,5-Liter-Turbobenziner. Der Vierzylinder leistet beachtliche 177 PS (130 kW) und schickt 270 Newtonmeter Drehmoment an die Vorderräder. Geschaltet wird serienmäßig über ein 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Das klingt sportlich – der Sprint auf 100 km/h soll in 7,9 Sekunden gelingen –, dürfte aber an der Zapfsäule seinen Tribut fordern. Mit einem Normverbrauch von 7,4 Litern ist der Jolion Pro kein Sparwunder, was in dieser Preisklasse jedoch für viele verschmerzbar sein dürfte.
„Das Ziel ist klar: GWM will über den Preis Marktanteile erobern, bevor die angekündigten Strafzölle oder strengere CO2-Vorgaben das Fenster schließen.“
Fazit: Ein Weckruf für die Branche
Der Haval Jolion Pro ist sicher nicht perfekt. Kritiker werden vermutlich das Hartplastik im unteren Cockpitbereich oder die teils verspielte Software bemängeln. Doch das Gesamtpaket ist eine schallende Ohrfeige für die etablierte Konkurrenz. Wer ein geräumiges Familienauto sucht und nicht bereit ist, die aktuellen Mondpreise der Traditionsmarken zu zahlen, kommt an diesem Angebot kaum vorbei. Es bleibt abzuwarten, ob die deutschen Kunden ihre Skepsis gegenüber chinesischen Newcomern ablegen – bei diesem Preis ist die Versuchung jedoch größer denn je.