Während in Deutschland die Preise für Neuwagen stetig klettern und selbst einst günstige Einstiegsmodelle die 20.000-Euro-Marke knacken, sorgt Nissan in Asien gerade für staunende Gesichter. Der japanische Autobauer hat den brandneuen Nissan Gravite enthüllt – einen Crossover-MPV, der maximale Flexibilität zum Discounter-Tarif verspricht.

Der Einstiegspreis? Umgerechnet gerade einmal rund 6.200 Euro. Dafür erhalten Kunden kein nacktes Blechgerüst, sondern ein vollwertiges Familienauto mit bis zu sieben Sitzplätzen. Ein Angebot, das hierzulande selbst den Preisbrecher Dacia Jogger wie ein Luxusprodukt wirken lässt.

Das 4-Meter-Raumwunder

Das Ingenieurskunststück des Gravite liegt in seinen Abmessungen. Mit einer Länge von knapp unter vier Metern (3,99 Meter) ist er kürzer als ein VW Polo, bringt aber drei Sitzreihen unter. Möglich macht das die CMF-A+ Plattform, die sich der Nissan mit dem Renault Triber teilt.

Der Innenraum ist ein Musterbeispiel für Effizienz:

  • Dritte Sitzreihe: Diese lässt sich nicht nur umklappen, sondern komplett ausbauen, um den Kofferraum von mickrigen 84 Litern auf stattliche 625 Liter zu erweitern.
  • Flexibilität: Die zweite Reihe ist verschiebbar und neigungsverstellbar, um den Passagieren ganz hinten zumindest auf Kurzstrecken erträgliche Beinfreiheit zu bieten.

Ausstattung: Alles andere als billig

Wer nun Kurbelfenster und fehlende Klimaanlage erwartet, wird überrascht. Nissan spendiert dem Gravite in den höheren Ausstattungen Features, die manch teurerer Konkurrent nur gegen Aufpreis liefert. Ein 8-Zoll-Touchscreen mit kabellosem Android Auto und Apple CarPlay gehört ebenso dazu wie ein digitales Kombiinstrument. Selbst an eine Klimatisierung für die hinteren Reihen wurde gedacht – bei einem Familienauto in heißen Regionen ein Muss.

Der Haken: 72 PS für sieben Personen

Natürlich hat der Kampfpreis seinen Grund, und der liegt unter der Haube. Angetrieben wird der Gravite von einem 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner, der bescheidene 72 PS und 96 Newtonmeter Drehmoment liefert. Für den Sprint auf der deutschen Autobahn wäre das Aggregat wohl heillos überfordert, für den urbanen Schulweg oder den Einkaufstrip reicht es jedoch völlig aus. Geschaltet wird entweder manuell oder über ein automatisiertes Schaltgetriebe.

"Das Ziel war es, ein Auto zu bauen, das die Bedürfnisse einer modernen Familie erfüllt, ohne das Budget zu sprengen."

Kommt der Preisbrecher nach Deutschland?

Vorerst lautet die Antwort: Nein. Der Gravite wurde primär für den indischen Markt entwickelt, wo Fahrzeuge unter vier Metern Länge steuerlich begünstigt sind. Um ihn in Europa zulassungsfähig zu machen, wären massive Anpassungen bei Sicherheitstechnik und Abgasnormen nötig, die den Preis wohl verdoppeln würden.

Dennoch zeigt der Gravite schmerzhaft auf, was in der europäischen Autopolitik fehlt: Ein einfaches, pragmatisches Auto für Familien, das Mobilität bezahlbar hält. Sollte Nissan sich doch noch für einen Export entscheiden – vielleicht als elektrifizierte Version – dürfte Dacia ernsthafte Konkurrenz bekommen.