Mit der neuen Einstiegsversion des Xpeng G6 drückt der chinesische Hersteller das Preisniveau – und gleichzeitig die Ladezeiten: Bis zu 382 kW DC-Ladeleistung in einem Mittelklasse-SUV sind ein Frontalangriff auf Tesla, Hyundai & Co. und machen den G6 für deutsche E-Auto-Käufer plötzlich hochinteressant.

Was die neue Einstiegsversion bietet

Der Xpeng G6 positioniert sich als vollelektrisches SUV-Coupé in der Klasse von Tesla Model Y, Hyundai Ioniq 5 oder Kia EV6. Die neue Basisversion zielt auf Kunden, die möglichst schnell laden, aber nicht den höchsten Kaufpreis zahlen wollen.

Laut Herstellerunterlagen kombiniert die Einstiegsvariante einen LFP-Akku mit rund 68,5 kWh Kapazität mit einem 185 kW (252 PS) starken Heckmotor. Damit sprintet der G6 in etwa 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht 200 km/h Spitze – Werte auf Augenhöhe mit vielen europäischen Konkurrenten.

Entscheidend ist aber das Laden: Die neue Version soll an geeigneten High-Power-Chargern mit bis zu 382 kW Gleichstrom laden und den Akkustand von 20 auf 80 Prozent in rund zehn Minuten erhöhen. Damit liegt der G6 in einer Liga, in die bisher selbst Oberklasse-E-Autos kaum vorstoßen.

Die Reichweite der Einstiegsversion gibt Xpeng mit etwa 455 Kilometern nach WLTP an. Für deutsche Pendler und Vielfahrer bedeutet das: Ein Arbeitsweg von 50 bis 80 Kilometern pro Tag lässt sich problemlos mehrere Tage ohne Nachladen bewältigen – und auf der Langstrecke reicht ein kurzer Kaffeestopp, um wieder dreistellige Kilometer nachzutanken.

Preis-Leistungs-Check: Wie schlägt sich der G6 gegen Tesla & Co.?

Spannend wird es beim Blick auf den Geldbeutel: Die neue Einstiegsvariante des Xpeng G6 startet in Deutschland bei rund 43.600 Euro. Damit unterbietet sie viele direkte Rivalen oder trifft sie zumindest auf Augenhöhe – bei teils deutlich schwächerer Ladeleistung der Konkurrenz.

Ein paar Beispiele aus dem Wettbewerbsumfeld:

  • Tesla Model Y: Das meistverkaufte E-SUV in Deutschland lädt an Schnellladern mit bis zu 250 kW DC. Preislich startet die aktuelle Modellgeneration je nach Version knapp unter 50.000 Euro.
  • Hyundai Ioniq 5: Ebenfalls 800-Volt-Technik, nach dem Facelift sind bis zu 260 kW Ladeleistung möglich. Die Basisversion liegt preislich in einem ähnlichen Bereich wie das Model Y.
  • Kia EV6: Nutzt dieselbe Plattform wie der Ioniq 5, die maximale DC-Ladeleistung liegt bei rund 239 kW.
  • Audi Q4 e-tron: Das Ingolstädter SUV arbeitet mit 400-Volt-Technik und kommt auf bis zu etwa 165–175 kW DC.

Im Klartext: Die neue G6-Basisversion bietet eine nominell deutlich höhere Ladeleistung als etablierte Platzhirsche – und das bei einem Kurs, der eher in der gehobenen Kompakt- als in der Oberklasse spielt. Wer häufig an HPC-Säulen (High Power Charger) lädt, bekommt damit einen echten Zeitvorteil.

Technik dahinter: 800-Volt-Architektur und 5C-LFP

Möglich werden diese Ladezeiten durch die 800-Volt-Plattform des G6 und eine neu entwickelte Akkuchemie. Xpeng setzt auf einen LFP-Akku (Lithium-Eisenphosphat), der in einer sogenannten 5C-Konfiguration betrieben wird – vereinfacht gesagt: Der Akku kann ein Vielfaches seiner Kapazität als Ladeleistung kurzfristig aufnehmen, ohne übermäßig zu altern.

Im Unterschied zu vielen europäischen Modellen mit 400-Volt-System halbiert die 800-Volt-Technik bei gleicher Leistung den Stromfluss. Das reduziert Verluste und Wärmeentwicklung und erlaubt so noch höhere Ströme, ohne die Komponenten zu überlasten. Hyundai Ioniq 5 und Kia EV6 haben diesen Vorteil bereits etabliert – Xpeng dreht nun bei der Ladeleistung weiter auf.

Hinzu kommt: LFP-Zellen gelten als besonders robust, schwer entflammbar und zyklenfest. Für Kunden, die häufig schnellladen – etwa auf der Autobahn – ist das ein Pluspunkt, weil die Batterie grundsätzlich für viele tausend Schnellladevorgänge ausgelegt ist.

Alltag & Praxis: Für wen lohnt sich die Einstiegsversion?

Die spannende Frage für Käufer bleibt: Reicht die Basisversion – oder sollte es doch der Long-Range- oder Performance-G6 sein? Ein paar Szenarien helfen bei der Einordnung.

1. Pendler mit gelegentlichen Langstrecken
Wer hauptsächlich täglich 30 bis 80 Kilometer fährt, wird die enorme Schnellladeleistung im Alltag kaum ausreizen. Hier zählt eher, dass der G6 effizient und komfortabel unterwegs ist und sich zu Hause oder am Arbeitsplatz mit 11 kW AC über Nacht voll laden lässt. Einmal pro Woche an die Wallbox – mehr ist oft nicht nötig.

2. Vielfahrer und Dienstwagenkunden
Wer regelmäßig lange Autobahnstrecken fährt – etwa Außendienst oder Wochenendpendler – profitiert massiv vom 382-kW-Laden. Ein realistischer Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent in etwa zehn Minuten bedeutet, dass ein kurzer Toiletten- und Kaffeestopp reicht, um wieder mehrere hundert Kilometer Reichweite zu haben. Im Vergleich zu Fahrzeugen, die in 25–30 Minuten laden, summiert sich der Zeitgewinn bei vielen Touren im Jahr deutlich.

3. Anhängerbetrieb und Winterurlaub
Mit 1.500 Kilogramm gebremster Anhängelast ist der G6 auch für Wohnwagen oder größere Anhänger gewappnet. Im Zugbetrieb sinkt zwar die Reichweite, aber gerade dann spielt das ultraschnelle Nachladen an der Autobahn wieder seinen Trumpf aus.

4. Wann lohnen sich Long Range oder AWD Performance?
Die stärkeren Varianten des G6 bieten mehr Leistung und einen größeren Akku mit bis zu rund 525 Kilometern WLTP-Reichweite. Wer häufig sehr hohe Autobahngeschwindigkeiten fährt, maximale Reichweite benötigt oder Wert auf Allradantrieb legt (etwa im Gebirge oder für dynamischere Fahrweise), sollte diese Versionen in die engere Wahl nehmen.

Für den typischen deutschen E-Auto-Fahrer, der überwiegend im Alltag unterwegs ist und ein paar Mal im Jahr in den Urlaub fährt, dürfte die Einstiegsversion jedoch bereits mehr als ausreichend sein – zumal sie preislich am attraktivsten ist.

Innenraum, Software und Assistenzsysteme

Abseits der nackten Zahlen will Xpeng mit einem aufgeräumten, stark digitalisierten Cockpit und umfangreicher Serienausstattung punkten. Für das aktuelle Modelljahr wurden laut Hersteller zahlreiche Innenraumdetails überarbeitet: neue Materialien, veränderte Bedienelemente, ein modifiziertes Lichtkonzept und ein überarbeitetes Lenkrad mit kapazitiver Sensorik gehören dazu.

Beim Thema Software setzt Xpeng auf sein eigenes Assistenzsystem mit Spurführung, adaptivem Tempomat und automatischen Spurwechseln auf bestimmten Straßen. In China gilt der Hersteller als einer der Technologieführer beim automatisierten Fahren und bringt große Teile dieser Funktionen nach Europa. Wie weit die Systeme im deutschen Straßenalltag wirklich sind, wird sich in unabhängigen Tests zeigen müssen.

China-Offensive: Was bedeutet der G6 für den deutschen Markt?

Mit Modellen wie dem G6 schiebt Xpeng die nächste Welle der China-Offensive in Europa an: hochgerüstete Elektro-SUVs mit sehr starker Technik zu Preisen, die viele hiesige Hersteller unter Druck setzen. Gleichzeitig wächst das Netz an High-Power-Chargern in Deutschland und Europa rasant – die Voraussetzung, damit eine Ladeleistung von über 300 kW überhaupt genutzt werden kann.

Für Kunden bedeutet das mehr Auswahl und in vielen Fällen ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Für traditionelle Hersteller dagegen steigt der Druck, beim Schnellladen, bei der Software und bei der Serienausstattung nachzuziehen. Der neue Xpeng G6 in seiner Einstiegsversion mit 382-kW-Ladeleistung markiert dabei einen Punkt, an dem sich die Kräfteverhältnisse im E-SUV-Segment spürbar verschieben könnten.