Einleitung

Der XPENG G6 markiert den Angriff der jungen chinesischen Marke auf die europäische Mittelklasse der Elektro-SUVs. Direkt gegen den Marktführer Tesla Model Y positioniert, versucht der G6, Kunden durch eine aggressive Preispolitik bei gleichzeitig überlegener Ladetechnologie zu gewinnen. Als SUV-Coupé konzipiert, vereint er eine moderne Optik mit einem Fokus auf Software und Effizienz, wobei er sich preislich deutlich unterhalb vieler etablierter Konkurrenten einordnet.

Design & Verarbeitung

Das Äußere des G6 ist geprägt von flüssigen, aerodynamischen Linien und einer markanten Lichtsignatur. Das Heck wird durch einen integrierten Spoiler („Ducktail“) abgeschlossen, was dem Fahrzeug eine sportliche Silhouette verleiht. In puncto Verarbeitung setzt XPENG ein Ausrufezeichen: Tester loben das hochwertige Finish, das sich durch feine Materialien wie veganes Leder und Textiloberflächen auszeichnet. Hartplastik ist nur in untergeordneten Bereichen zu finden, womit der G6 sogar einige Premium-Konkurrenten übertrifft.

Innenraum & Komfort

Der Innenraum des G6 folgt einem minimalistischen Ansatz. Ein auffälliges Merkmal ist das großzügige Platzangebot, insbesondere im Fond. Selbst Personen über 1,90 Meter sitzen hinten bequem mit reichlich Kniefreiheit. Die Vordersitze sind serienmäßig beheizt, belüftet und verfügen über eine Massagefunktion. Kurios: Ein klassisches Handschuhfach fehlt ebenso wie ein vorderer Kofferraum (Frunk). Dafür entschädigt der hintere Laderaum mit soliden 571 bis 1.374 Litern Volumen und einer ebenen Ladefläche.

Infotainmentsystem

Das technologische Herzstück ist der 15,6 Zoll große zentrale Touchscreen. Die Software läuft flüssig und bietet Funktionen wie Apple CarPlay und Android Auto. Ein kleineres 10-Zoll-Display hinter dem Lenkrad übernimmt die fahrrelevanten Informationen. Kritisiert wird jedoch die fast vollständige Abwesenheit physischer Tasten. Sogar die Einstellung der Außenspiegel oder der Lüftungsdüsen erfolgt über Untermenüs auf dem Bildschirm, was die Bedienung während der Fahrt ablenkend gestalten kann.

Antrieb & Fahrverhalten

XPENG bietet den G6 mit Hinterradantrieb (258 oder 286 PS) sowie als Allrad-Performance-Modell mit stolzen 476 PS an. Letzteres sprintet in nur 4,1 Sekunden auf 100 km/h. Das Fahrwerk ist primär auf Komfort ausgelegt und bügelt Unebenheiten gut weg, wirkt bei sportlicher Fahrweise jedoch teils zu weich. Die Lenkung ist in der Stadt extrem leichtgängig, wird bei höheren Geschwindigkeiten auf der Autobahn aber oft als künstlich schwerfällig und indirekt beschrieben.

Reichweite & Verbrauch

Ein Highlight ist die 800-Volt-Architektur, die Ladeleistungen von bis zu 280 kW (im Facelift sogar bis zu 451 kW) ermöglicht. Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent ist in unter 20 Minuten erledigt, was den G6 absolut langstreckentauglich macht. Die reale Reichweite variiert zwischen etwa 435 km beim Basismodell und bis zu 570 km (WLTP) bei der Long-Range-Variante, wobei kalte Temperaturen im Winter den Aktionsradius spürbar einschränken können.

Sicherheit & Assistenzsysteme

Der G6 ist serienmäßig mit einem umfangreichen Paket an Kameras und Radarsensoren ausgestattet und erreichte fünf Sterne im Euro NCAP-Crashtest. In der Praxis zeigen die Assistenzsysteme jedoch Schwächen: Der Spurhalteassistent und die Verkehrszeichenerkennung agieren teilweise unzuverlässig oder nerven durch übermäßige Warnmeldungen. Hier besteht seitens der Software-Optimierung noch Nachbesserungsbedarf, um das volle Potenzial der verbauten Hardware auszuschöpfen.

Fazit

Der XPENG G6 ist ein beeindruckendes Gesamtpaket für preisbewusste Elektroautokäufer, die modernste Ladetechnologie suchen. Er schlägt den Platzhirsch Tesla Model Y bei der Materialqualität und der Ladegeschwindigkeit, muss aber bei der Bedienlogik und der Feinabstimmung der Fahrassistenten noch zulegen. Mit einer überdurchschnittlichen Garantie von sieben Jahren bietet er zudem eine hohe Sicherheit für Einsteiger in die chinesische Elektromobilität.