Mit einer neuen Kampfansage bezüglich der Reichweite hat Lucid-Chef Silvio Napoli die Gerüchteküche angeheizt. In einem Interview versprach er für den kommenden Hoffnungsträger eine Reichweite von „400 Meilen plus“ – umgerechnet über 644 Kilometer mit nur einer Batterieladung.
Rekordjagd im Mittelklasse-Segment
Im Fokus steht dabei vor allem der direkte Vergleich auf dem wichtigen US-Heimatmarkt: Während das dortige Tesla Model Y nach der strengen amerikanischen EPA-Norm maximal 357 Meilen (ca. 575 Kilometer) schafft, soll der Cosmos mit über 644 Kilometern die magische 400-Meilen-Marke knacken. Dies wäre ein absolutes Novum in dieser Fahrzeugklasse. Eine offizielle Zertifizierung nach der europäischen WLTP-Norm steht für den Newcomer zwar noch aus, doch auch in Europa verspricht Lucid eine herausragende Effizienz, die die Konkurrenz unter Druck setzen dürfte.
Ermöglicht wird dieser Effizienz-Hammer durch eine komplett neu entwickelte Antriebseinheit namens „Atlas“. Der Elektromotor ist laut Hersteller wesentlich kompakter, leichter und konstruktiv einfacher aufgebaut als die bisherigen Antriebe von Lucid. Ein einzelner Atlas-Motor wiegt weniger als 57 Kilogramm und leistet in der heckgetriebenen Einstiegsversion rund 250 kW (340 PS). Zudem wurde der Cosmos aerodynamisch extrem optimiert und soll einen hervorragenden Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,22 cW bieten.
Die hohe Reichweite soll dabei nicht über einen absurd großen und schweren Akku erkauft werden. Lucid setzt konsequent auf Effizienz. Für die Einstiegsvariante mit rund 480 Kilometern Reichweite (300 Meilen) reicht dank der hohen Effizienz bereits eine vergleichsweise kleine 69-kWh-Batterie. Für die Top-Version mit über 644 Kilometern Reichweite dürfte ein Akku mit etwa 85 bis 90 kWh Kapazität zum Einsatz kommen.
800-Volt-Laden und Kampfpreis unter 50.000 Euro
Neben der Reichweite will Lucid auch beim Laden Maßstäbe setzen. Dank einer modernen 800-Volt-Architektur soll das SUV in Rekordzeit wieder einsatzbereit sein.
Die wichtigsten Ladedaten und Preise im Überblick:
- Ladegeschwindigkeit: Dank 800-Volt-Technik lässt sich an einer entsprechenden Schnellladesäule in nur 14 Minuten Strom für weitere 320 Kilometer (200 Meilen) nachladen. Lucid verspricht zudem eine künftig „branchenführende“ Ladezeit von 10 auf 80 Prozent, ohne hierfür jedoch schon eine genaue offizielle Minutenzahl zu nennen.
- Bidirektionales Laden: Der Cosmos wird in der Lage sein, Strom auch wieder an externe Geräte oder das eigene Haus abzugeben.
- Einstiegspreis: In den USA kündigte Lucid einen Startpreis von unter 50.000 US-Dollar vor Steuern an. Für den europäischen Markt peilt das Unternehmen für das heckgetriebene Einstiegsmodell einen Basispreis von unter 50.000 Euro an.
Damit würde der Cosmos preislich voll im Revier des Tesla Model Y wildern und auch etablierten europäischen Premium-Konkurrenten das Leben schwer machen. Und das Beste für europäische Kunden: Lucid plant von Beginn an, das neue SUV auch nach Europa zu bringen.
Produktionsstart auf 2027 verschoben
Ganz ohne Wermutstropfen kommt die Nachricht allerdings nicht. Lucid-Chef Silvio Napoli musste unlängst im Rahmen des Quartalsberichts einräumen, dass sich der Zeitplan für den Cosmos etwas nach hinten verschiebt. Ursprünglich sollte die Produktion bereits Ende 2026 anlaufen, nun ist von der zweiten Hälfte des Jahres 2027 die Rede.
Die Verzögerung hat handfeste Gründe: Das Start-up kämpft mit erheblichen finanziellen Verlusten und will durch eine strenge Qualitätskontrolle und zusätzliche Qualitätsprüfungen sicherstellen, dass das erste Volumenmodell ab Tag eins absolut fehlerfrei auf den Markt kommt. Ein verfrühter Start mit Software- oder Hardware-Mängeln, wie sie anfangs bei den Modellen Air und Gravity auftraten, könnte für das angeschlagene Unternehmen fatal sein. CEO Napoli betonte im Rahmen eines „operationalen Resets“:
„Wir werden nicht den Fehler der Vergangenheit machen, bei dem Produkte, großartige Autos, dadurch beeinträchtigt wurden, dass sie auf den Markt kamen, bevor sie wirklich fertig waren.“
Für Tesla und die europäischen Premium-Hersteller bedeutet der Aufschub zwar eine kurze Atempause – doch wenn der Lucid Cosmos 2027 auf die Straßen rollt, müssen sie sich warm anziehen.