Die Euphorie rund um die Elektromobilität bekommt einen weiteren Dämpfer. Der südkoreanische Autobauer Kia hat seine Verkaufsprognosen für Elektroautos erneut nach unten korrigiert. Bis zum Jahr 2030 sollen nun jährlich eine Million reine Stromer verkauft werden. Damit wurde das Ziel im Vergleich zum Vorjahr um satte 260.000 Einheiten gestutzt – nachdem es zuvor bereits von ursprünglich 1,6 Millionen deutlich gesenkt worden war.
Der Grund für den Strategieschwenk? Der Konzern reagiert damit auf die aktuell schwächelnde globale Nachfrage nach Elektroautos, insbesondere in den USA, sowie auf den Wegfall wichtiger staatlicher Förderungen. Dennoch betont das Management, dass die Elektrifizierung ein Kernpfeiler des Unternehmens bleibe.
Plan B: Die Renaissance der Hybride
Während die Ziele für reine Batteriefahrzeuge schmelzen, feiern teilelektrifizierte Antriebe ein gewaltiges Comeback in der Firmenstrategie. Das Angebot in diesem Bereich wird nun drastisch ausgebaut. Geplant ist, das Portfolio bis zum Ende des Jahrzehnts auf 13 Hybridmodelle zu erweitern.
Die neuen weltweiten Absatzziele für 2030 sprechen eine deutliche Sprache:
- Elektroautos: 1,0 Million Einheiten
- Hybrid-Modelle: 1,1 Millionen Einheiten
- Klassische Verbrenner: 1,98 Millionen Einheiten
Insgesamt wird ein jährlicher weltweiter Absatz von 4,13 Millionen Fahrzeugen angestrebt. Auffällig dabei ist die stärkere regionale Anpassung. Für den nordamerikanischen Markt ist beispielsweise sogar ein wuchtiger Pick-up mit Hybrid- und Range-Extender-Technologie in Entwicklung.
Milliardeninvestitionen und humanoide Roboter
Trotz der reduzierten Stückzahlen bei den Stromern tritt der Hersteller bei den Investitionen kräftig aufs Gaspedal. Zwischen 2026 und 2030 sollen fast 29 Milliarden Euro in die Hand genommen werden. Über 12 Milliarden Euro fließen davon direkt in Zukunftstechnologien wie autonomes Fahren, Konnektivität und Batterien der fünften Generation mit deutlich höherer Energiedichte.
Die Modellpalette soll bis 2030 auf 14 vollelektrische Fahrzeuge anwachsen, darunter kompakte Stadtflitzer wie der EV2, zahlreiche SUVs und flexibel einsetzbare Nutzfahrzeuge.
"Auch im sich wandelnden globalen Umfeld werden wir proaktiv mit differenzierten Strategien auf veränderte Marktbedingungen reagieren."
Eine der größten Überraschungen der neuen Strategie betrifft jedoch die Produktion selbst. Ab 2029 sollen in US-Werken humanoide "Atlas"-Roboter direkt am Fließband eingesetzt werden, um Hand in Hand mit menschlichen Arbeitern Autos zu bauen. Ob diese Roboter künftig auch den Lack der neuen Hybride polieren, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass sich die Marke für ein rauer werdendes Marktumfeld völlig neu aufstellt.