Die Trennung kommt nicht völlig überraschend, schlägt aber dennoch hohe Wellen. Rund zwei Jahre lang versuchte der chinesische Autobauer, seine imposanten Stromer über einen etablierten schwedischen Importeur an die deutsche Kundschaft zu bringen. Doch der Funke wollte nicht überspringen. Ein vielversprechender Showroom in Baden-Württemberg und gelegentliche Pop-up-Stores reichten offenbar nicht aus, um in der Heimat von Mercedes, BMW und Audi Fuß zu fassen. Ein eigentlich geplanter, groß angelegter Ausbau des Händlernetzes in Ballungsräumen blieb auf der Strecke.
Große Pläne, bittere Realität
Mit Fahrzeugen wie dem massiven Elektro-SUV E-HS9, der preislich bei knapp 80.000 Euro startet, oder günstigeren Einstiegsmodellen ab rund 42.000 Euro wollte die Marke glänzen. Immerhin gilt sie in ihrer Heimat als offizielle Staatskarosse. Doch der erhoffte Ansturm auf die asiatischen Luxus-Liner blieb aus. Die Gründe für den holprigen Start sind vielfältig:
- Fehlende Markenbekanntheit: Trotz jahrzehntelanger Historie in China ist der Name hierzulande kaum einem Autofahrer ein Begriff.
- Dünnes Vertriebsnetz: Wer Premiumpreise zahlt, erwartet einen erstklassigen Service direkt vor Ort.
- Harte Konkurrenz: Die deutschen Platzhirsche verteidigen ihr Revier im margenstarken Luxussegment erbittert.
Alles auf eine Karte: Der Neustart in Eigenregie
Statt sich aus Deutschland zurückzuziehen, wählt der Mutterkonzern FAW die Flucht nach vorn. Künftig wird der Vertrieb komplett selbst gesteuert. Das Manöver erinnert stark an das Vorgehen eines anderen chinesischen Branchenriesen: Auch BYD trennte sich nach einer Anlaufphase vom exakt gleichen Importeur, um den deutschen Markt direkt zu bearbeiten. Für Hongqi ist der Alleingang ein logischer, wenn auch extrem mutiger Schritt.
Schließlich hat die Marke gigantische Ziele: Bis 2028 sollen europaweit insgesamt 15 neue Elektro- und Hybridmodelle auf die Straßen rollen. Ob der Neustart ohne starken lokalen Partner gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Eines ist jedoch sicher:
"Wer im deutschen Premiumsegment überleben will, muss nicht nur mit pompösem Design auffallen, sondern den Käufern lückenlose Betreuung und absolutes Vertrauen bieten."
In anderen europäischen Märkten wie Schweden, Belgien oder den Niederlanden hält der Hersteller übrigens an der bisherigen Vertriebspartnerschaft fest. Der deutsche Markt hingegen wird nun zur ultimativen Reifeprüfung für die ehrgeizige Luxusmarke aus Fernost.