Nach dem abrupten Ende der alten Umweltprämie Ende 2023 hat die neue, einkommensabhängige Kaufförderung für frischen Wind auf dem deutschen Automarkt gesorgt. Die am 11. August veröffentlichten BAFA-Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seit dem Start des Online-Portals im Mai ist die Nachfrage regelrecht explodiert. Bis zum Stichtag am 1. August 2026 wurden bereits 26.875 Anträge offiziell bewilligt und damit 117 Millionen Euro direkt an die Käufer ausgeschüttet.

Der absolute Bär brummt jedoch bei den noch ausstehenden Anträgen:

  • Bis zum 5. August gingen insgesamt 103.542 Anträge bei der Behörde ein.
  • Damit hat sich die Zahl der Anträge seit Mitte Juni (damals rund 50.000) innerhalb weniger Wochen nahezu verdoppelt.
  • Würden alle diese Anträge bewilligt, wären bereits rund 400 Millionen Euro der staatlichen Mittel gebunden.
  • Über 90 Prozent der Anträge entfallen auf reine Batterie-Elektrofahrzeuge (BEV), während Plug-in-Hybride (PHEV) und Modelle mit Range Extender mit unter zehn Prozent nur eine Nebenrolle spielen.

Besonders auffällig: Die Förderung kommt genau dort an, wo sie hin soll. Knapp drei Viertel aller Anträge stammen von Haushalten mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von unter 60.000 Euro. Allein über 52.000 Anträge wurden von Familien und Einzelpersonen eingereicht, die weniger als 45.000 Euro im Jahr versteuern.

Wie lange reicht das Geld noch für Käufer?

Wer jetzt mit dem Gedanken spielt, sich ein neues Elektroauto wie das Tesla Model Y oder einen VW ID.3 zuzulegen, muss trotz des Ansturms nicht in Panik verfallen. Zwar gilt bei der Antragstellung nach wie vor das „Windhundprinzip“ (wer zuerst kommt, mahlt zuerst), doch der finanzielle Puffer ist enorm.

Die Bundesregierung hat für das gesamte Förderprogramm, das bis zum Jahr 2029 laufen soll, ein üppiges Budget von insgesamt drei Milliarden Euro bereitgestellt. Dieses Gesamtbudget soll für schätzungsweise 800.000 Fahrzeuge ausreichen. Selbst wenn man die bereits gebundenen 400 Millionen Euro für die ersten rund 103.500 Anträge abzieht, verbleiben im Fördertopf immer noch mehr als 2,6 Milliarden Euro.

Rein rechnerisch können sich somit noch rund 700.000 Käufer über den staatlichen Zuschuss freuen. Das Budget ist also noch reichlich gefüllt und dürfte bei der aktuellen Antragsgeschwindigkeit noch weit über das Jahr 2026 hinaus reichen. Dennoch empfiehlt es sich, den digitalen Antrag über die BundID und das BAFA-Portal direkt nach der Fahrzeugzulassung einzureichen, da die Prämie erst rückwirkend nach der Anmeldung des Neuwagens beantragt werden kann.

Tesla gefragter als VW: Die Prämie in der Kritik

Während sich private Käufer über die Ersparnisse freuen, sorgt die Verteilung der Gelder in der Politik und Industrie für heftige Diskussionen. Die Auswertungen der BAFA-Daten zeigen nämlich ein klares Bild: Ausländische Hersteller profitieren massiv von der neuen Kaufprämie. Vor allem Tesla ist bei den geförderten Fahrzeugen gefragter als Volkswagen. Auch chinesische Marken verzeichnen enorme Zuwächse auf dem deutschen Markt, während der Marktanteil deutscher Hersteller im Elektrosegment leicht schrumpft.

Das ruft Kritiker auf den Plan. Die CSU fordert bereits eine grundlegende Reform der Richtlinien im Herbst. Das deutsche Steuergeld solle vor allem der heimischen Wirtschaft zugutekommen. Vorgeschlagen werden „Local-Content-Vorgaben“ – also eine Koppelung der Prämie an eine lokale Batterieproduktion oder kurze Transportwege innerhalb Europas.

Noch deutlicher wird der bekannte Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer. Er fordert die sofortige Abschaffung der staatlichen Kaufzuschüsse:

"Wieso – um Himmelsbreite – fördert man mit einer staatlichen Prämie Elektroautos – also mit hart verdientem Steuergeld –, wenn die 41 Prozent des deutschen Automarkts ausmachen?"

Dudenhöffer argumentiert, dass Elektroautos und Hybride im Juli bereits über 40 Prozent aller Neuzulassungen ausmachten und sich längst ohne staatliche Finanzspritzen auf dem Markt etablieren können. Ob die Politik auf diese Kritik reagiert oder das Drei-Milliarden-Programm unverändert fortsetzt, bleibt abzuwarten. Für private Käufer bedeutet das: Wer die maximale Ersparnis mitnehmen will, sollte die aktuell stabilen Förderbedingungen lieber früher als später nutzen.