Der Trend zu erschwinglichen und charakterstarken Elektroautos belebt die Phantasie der Entwickler. In den kommenden Monaten und Jahren rollt eine regelrechte Retro-Welle auf uns zu, die ikonische Namen vergangener Jahrzehnte zurück auf den Asphalt bringt. Wir haben uns die Details zu den drei spannendsten Projekten genauer angeschaut.
Der neue Audi A2 e-tron: Effizienzwunder im Premium-Preissegment
Der ursprüngliche Audi A2 von 1999 war seiner Zeit weit voraus. Mit seiner revolutionären Aluminium-Karosserie (ASF), einem cW-Wert von 0,28 und der legendären Dreiliter-Diesel-Variante setzte er unerreichte Maßstäbe bei der Effizienz. Doch der kommerzielle Erfolg blieb aus: Der innovative Kleinwagen war schlicht zu teuer für die breite Masse.
Nun wagt Audi das elektrische Comeback und greift das radikale Aerodynamik-Konzept wieder auf. Durch ausgefeilten Feinschliff – darunter flache „Winglet“-Türöffner, eine geteilte Heckscheibe ohne Wischer und aktive Kühllufteinlässe – erreicht der neue Audi A2 e-tron einen exzellenten cW-Wert von 0,24.
Unter dem Blechkleid zeigt sich jedoch die Abkehr vom Ur-Modell. Statt auf teures Aluminium setzt der Ingolstädter auf den weiterentwickelten Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB) des VW-Konzerns. Das Herzstück der hocheffizienten Version bildet ein 140 kW (190 PS) starker Elektromotor an der Hinterachse, kombiniert mit einer langlebigen 61-kWh-Lithium-Eisenphosphat-Batterie (LFP). Dank ausgefeilter Leistungselektronik mit Siliziumkarbid-Halbleitern soll der Stromverbrauch nach vorläufigen WLTP-Messungen bei gerade einmal 12,8 kWh pro 100 Kilometer liegen.
Der Haken an der Sache bleibt der Preis:
- Der Einstiegspreis für die Basisversion des A2 e-tron (mit 125 kW / 170 PS) liegt bei selbstbewussten 38.200 Euro.
- Damit ist er rund 4.200 Euro teurer als der technische Plattform-Bruder VW ID.3 Neo, der bereits ab 33.995 Euro startet.
- Je nach Batteriegröße (50, 58 oder 79 kWh) steigt die WLTP-Reichweite auf bis zu 649 Kilometer, doch mit vollen Ausstattungspaketen knackt der Premium-Kompakte mühelos die 50.000-Euro-Marke.
Kritiker befürchten bereits, dass Audi damit den Fehler von vor 25 Jahren wiederholt und das Auto im Markt zu hoch positioniert.
Smart #2: Die Rückkehr des wendigen City-Königs
Wer an urbane Mobilität denkt, hat sofort den zweisitzigen Smart Fortwo vor Augen. Nach dessen Produktionsende hinterließ der Winzling eine spürbare Lücke in den europäischen Innenstädten. Auf dem kommenden Pariser Autosalon im Oktober feiert nun der offizielle Nachfolger unter dem Namen Smart #2 seine Weltpremiere.
Dass der neue Smart kein fauler Kompromiss wird, zeigt der Blick auf die Technik. Nach einem Vorab-Leak der chinesischen Zulassungsbehörde MIIT steht das Serien-Design bereits fest. Der nur rund 2,76 Meter kurze Zweisitzer nutzt die eigens entwickelte ECA-Plattform:
- Extreme Wendigkeit: Der legendäre, ultrakurze Wendekreis von nur 6,95 Metern bleibt vollständig erhalten.
- Reichweite & Akku: Ein 35,7-kWh-LFP-Akku von CATL soll eine WLTP-Reichweite von knapp 300 Kilometern ermöglichen.
- Lade-Performance: Am DC-Schnelllader soll der Hub von 10 auf 80 Prozent in gerade einmal 20 Minuten erledigt sein.
- Antrieb: An der Hinterachse arbeitet ein absolut stadttauglicher E-Motor mit 60 kW (82 PS).
Der Europa-Chef von Smart, Wolfgang Ufer, blickt voller Vorfreude auf den für 2027 geplanten Marktstart:
"Der kommende smart #2 ist für mich eines der emotionalsten Projekte, an denen wir je gearbeitet haben. Viele Menschen haben eine sehr persönliche Verbindung zu smart und sehr oft beginnt diese Verbindung mit dem Zweisitzer."
Preislich soll sich der wendige Stadtflitzer extrem attraktiv positionieren. Angestrebt wird ein Einstiegspreis von rund 20.000 Euro – oder wie es seitens des Managements heißt: „definitiv unterhalb der Mitte“ einer Spanne von 20.000 bis 25.000 Euro.
Citroën ë-2CV: Die legendäre „Ente“ als 15.000-Euro-Volksstromer
Die größte Überraschung in der Retro-Welle liefert zweifellos Citroën. Die legendäre „Ente“ (2CV), die ab 1948 Generationen den Traum von unkomplizierter Mobilität erfüllte, kehrt als reines Elektroauto zurück. Im Rahmen des Stellantis Investor Day wurde das Projekt offiziell angekündigt.
Der neue 2CV soll kein teures Lifestyle-Spielzeug werden, sondern dem ur-eigenen, spartanischen Charakter des Originals treu bleiben: einfach, robust und für jedermann erschwinglich. Die wichtigsten Eckdaten des Elektro-Volksautos für Europa:
- Plattform: Basis ist die neue Stellantis-Plattform für günstige Elektro-Kleinstwagen (EU-Kategorie M1E).
- Abmessungen: Mit einer Länge von rund 3,50 bis 3,70 Metern ist die E-Ente wendig und kompakt.
- Batterie & Reichweite: Ein kostengünstiger LFP-Akku mit einer Kapazität von 25 bis 35 kWh verspricht praxisgerechte 200 bis 300 Kilometer Reichweite.
- Leistung: Der Elektromotor leistet je nach Ausführung schätzungsweise 44 bis 66 kW (60 bis 90 PS).
Die Produktion soll ab 2028 im geschichtsträchtigen italienischen Werk Pomigliano d'Arco bei Neapel anlaufen, wo sich die E-Ente die Bänder unter anderem mit dem künftigen elektrischen Fiat-Panda-Pendant teilt. Einen ersten, seriennahen Blick auf das Design mit der typisch gewölbten Silhouette und den markanten Scheinwerfern gewährt Citroën im Oktober auf dem Pariser Autosalon. Das Beste daran: Der Einstiegspreis soll konsequent unter der magischen Grenze von 15.000 Euro liegen.
Nostalgie-Marketing oder echte Innovation?
Das Comeback der drei Meilensteine zeigt, dass die Autoindustrie endlich den Wert charakterstarker Kleinwagen erkannt hat. Während schwere, unbezahlbare Elektro-SUVs die Verkaufsräume dominieren, bringen Modelle wie der clevere Smart #2 und die extrem günstige Citroën-Ente dringend benötigte Bezahlbarkeit und Frische ins Segment.
Der Audi A2 e-tron hingegen muss sich dem Vorwurf stellen, ob hinter dem geschichtsträchtigen Namen nicht vor allem cleveres Marketing steckt. Denn die einstige Aluminium-DNA des Ur-A2 ist Geschichte. Der massive Aufpreis gegenüber dem Plattform-Spender VW ID.3 Neo zeigt, dass Premium-Anspruch und das Versprechen von preiswerter Volks-Elektromobilität in Ingolstadt nach wie vor im Clinch liegen. Dennoch: Auf dem Pariser Autosalon im Oktober zeichnet sich das spannendste Retro-Kräftemessen der jüngeren Automobilgeschichte ab.