Lange Zeit galt bei Sportwagen die Maxime: Schneller, härter, kompromissloser. Doch in der Welt der Elektromobilität sind aberwitzige Beschleunigungswerte längst keine technische Kunst mehr. Nahezu lautlos und ohne Zugkraftunterbrechung katapultieren E-Motoren die Passagiere in den Sitz. Für den ersten vollelektrischen Ferrari, der unter dem klangvollen Namen „Luce“ auf den Markt kommt, wurde genau diese unbändige Kraftentfaltung jedoch zur Hürde.

Wie aus dem Umfeld der italienischen Führungsetage durchsickerte, ist die lineare Beschleunigung moderner Hochleistungs-Stromer teils so heftig, dass sie ein echtes körperliches Unbehagen auslöst. Roher Schub macht ab einem gewissen Punkt keinen Spaß mehr. Die Passagiere warten förmlich nur noch darauf, dass die physische Belastung endlich aufhört.

"Die Beschleunigung kann zu linear und manchmal so stark sein, dass sie unser Gehirn durcheinanderbringt."

Die Raumfahrt-Formel für den perfekten Sprint

Um die Grenze zwischen purem Nervenkitzel und echter körperlicher Überforderung zu definieren, zog Ferrari kurzerhand Mediziner und Wissenschaftler der US-Raumfahrtbehörde NASA zurate. Die Experten halfen dabei, die einwirkenden G-Kräfte genau zu analysieren und herauszufinden, ab welcher Schwelle die Längsbeschleunigung vom Menschen als schmerzhaft oder desorientierend empfunden wird. Das Ziel war ein fein orchestriertes Beschleunigungsprofil: Der Luce soll zwar atemberaubend schnell sein, sich aber harmonisch und fließend anfühlen.

Trotz dieser chirurgisch präzisen Abstimmung sind die Leistungsdaten des Elektro-Pioniers gigantisch:

  • Über 1.000 PS Systemleistung aus vier Elektromotoren
  • Ein massives 122-kWh-Akkupaket für ausdauernde Performance
  • Ein Sprint von 0 auf 100 km/h in rund 2,5 Sekunden
  • Eine Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h

Anstatt sich blind an einem Auto-Quartett um die absolute Bestzeit zu beteiligen, bei dem einige Konkurrenten mittlerweile unter der Zwei-Sekunden-Marke bleiben, stellt Ferrari das menschliche Wahrnehmungsvermögen in den Mittelpunkt.

Tasten statt Touch-Wahnsinn

Neben der revolutionären Fahrphysik schlägt der Luce auch im Innenraum neue Wege ein. Für das Design der Kabine holte man sich prominente Unterstützung von einem weltbekannten Tech-Designer. Das erfrischende Ergebnis: Der Supersportwagen widersetzt sich dem aktuellen Branchentrend riesiger Touch-Flächen. Stattdessen setzt das Cockpit ganz bewusst wieder auf physische Tasten, echte Schalter und eine spürbare haptische Rückmeldung.

Kombiniert mit Hightech-Elementen wie einer Hinterachslenkung und dem aktiven Fahrwerkssystem der neuesten Generation, verspricht das erste Elektroauto mit dem tanzenden Pferd auf dem Wappen ein Fahrerlebnis, das nicht nur die Grenzen der Physik, sondern auch die Biologie des Fahrers respektiert.