Auf dem legendären Goodwood Festival of Speed hat die chinesische BYD-Premiummarke Denza die Katze aus dem Sack gelassen und ihren ersten rein elektrischen Supersportwagen enthüllt. Der Denza Z ist kein bloßes Konzept mehr, sondern geht als echtes Serienmodell an den Start. Mit einer Systemleistung von atemberaubenden 1.605 PS, drei Karosserievarianten und einer revolutionären Ladetechnik, die den Akku in nur neun Minuten füllt, bläst der Newcomer zum Frontalangriff auf die europäische Sportwagen-Elite von Porsche bis Ferrari. Und das Beste daran: Mit einem Einstiegspreis von rund 167.200 Euro bietet das Geschoss auf Hypercar-Niveau mehr als die dreifache Leistung eines Porsche 911 GT3 – für deutlich weniger Geld.
Dreifach-Motorisierung der Superlative: 1.605 PS aus drei Herzen
Unter dem flachen, aerodynamischen Blechkleid des Denza Z, das unter der Federführung des ehemaligen Audi-Designers Wolfgang Egger entworfen wurde, wütet eine unbändige Kraft. Die technologische Basis bildet die eigens entwickelte e3-Sportwagen-Plattform des BYD-Konzerns. Anstelle eines klassischen Verbrenners greift das Fahrzeug auf eine hochkomplexe Dreimotor-Konfiguration zurück:
- Ein Elektromotor an der Vorderachse leistet stolze 500 kW (680 PS).
- Zwei weitere Elektromotoren an der Hinterachse steuern jeweils 340 kW bei, was zusammen 680 kW (925 PS) ergibt.
- Das Resultat ist eine Systemleistung von 1.180 kW beziehungsweise 1.604 PS (in einigen Märkten mit 1.605 PS angegeben) und ein gewaltiges Drehmoment von 1.240 Newtonmetern.
Diese rohe Gewalt übersetzt sich in schwindelerregende Beschleunigungswerte. Das Coupé sprintet in nur 2,25 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100, während die offene Variante Spider 2,3 Sekunden benötigt. Die für den Track optimierte Racing-Version knackt die Marke mit optionalen Semi-Slicks sogar in geradezu surrealen 1,96 Sekunden. Während Coupé und Spider bei einer Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h elektronisch eingebremst werden, darf der Racer mit optionalem Performance-Paket bis zu 350 km/h rennen.
Revolutionäre FLASH-Ladetechnik: In 9 Minuten voll
Ein Manko vieler elektrischer Sportwagen ist die mangelnde Ausdauer auf Langstrecken oder Trackdays. Denza will dieses Problem mit einer völlig neuen Ladearchitektur gelöst haben. Der verbaute Akku – eine Lithium-Eisenphosphat-„Blade-Batterie“ der zweiten Generation mit einer Kapazität von 76 Kilowattstunden (kWh) – ist im Cell-to-Body-Verfahren fest in das Chassis integriert. Damit schafft der Denza Z je nach Karosserievariante eine Reichweite zwischen 380 (Racing) und 410 Kilometern (Coupé) nach vorläufiger Schätzung.
Sollte der Saft ausgehen, kommt die bahnbrechende „FLASH Charging“-Technologie zum Einsatz, die Ladeleistungen von bis zu 1.500 kW ermöglicht. Die Zahlen klingen fast utopisch:
- Von 10 auf 70 Prozent lädt der Supersportwagen in nur 5 Minuten.
- Ein kompletter Ladevorgang von 10 auf 97 Prozent ist in rekordverdächtigen 9 Minuten erledigt.
- Selbst bei klirrender Kälte von minus 30 Grad Celsius gelingt das Laden von 20 auf 97 Prozent in nur 12 Minuten.
Diese extremen Ladeleistungen erfordern allerdings spezielle Säulen, die BYD zunächst an den eigenen Händlerstützpunkten etablieren will.
Drei scharfe Varianten und eine 2.000-PS-Nürburgring-Attacke
Kunden haben die Wahl zwischen drei unterschiedlichen Karosseriekonzepten. Das geschlossene Coupé bietet trotz seiner sportlichen Silhouette eine vollwertige 2+2-Sitzkonfiguration und einen Kofferraum von 250 Litern (erweiterbar auf 550 Liter). Der Spider kommt als emotionales Cabriolet mit Stoffverdeck daher, während die Racing-Ausführung das volle Aerodynamik-Besteck auffährt. Mit einem geänderten Frontsplitter aus Carbonfaser, Vortex-Generatoren im Unterboden und einem aktiven, dreifach verstellbaren Heckflügel generiert der Racer bei Tempo 350 einen Abtrieb von unglaublichen 1.060 Kilogramm.
Doch das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Neben den drei Standardmodellen bereitet Denza eine extreme Special Edition vor, die den Namen „Di-Aero P2000+“ tragen soll. Mit einer komplett aus Carbon gefertigten Karosserie und einer Leistung von über 2.000 PS soll dieser Bolide im Herbst auf der Nürburgring-Nordschleife auf Rekordjagd gehen. Ziel ist es, die Bestzeit des Porsche Taycan Turbo GT und des Xiaomi SU7 Ultra zu pulverisieren. Erste getarnte Prototypen wurden bereits bei Testfahrten in der Eifel gesichtet.
Erste Testfahrt in Goodwood: Wie fährt sich der Über-Denza?
Auf der anspruchsvollen Rennstrecke des Goodwood Motor Circuit durften ausgewählte Tester bereits erste Runden im Denza Z Coupé drehen. Der erste Eindruck: Die Beschleunigung gleicht einem Neutronenbeschleuniger und presst die Insassen brutal in die Sitze.
„Der Denza Z steht für kompromisslose Leistungsfähigkeit und wurde entwickelt, um neue Standards zu setzen. Mit beeindruckender Leistung, kraftvoller Beschleunigung und außergewöhnlicher Fahrdynamik definiert er das Segment neu.“
Für die Straßenlage sorgt das hochentwickelte DiSus-M-Fahrwerk mit magnetorheologischen Dämpfern und Luftfederung, das via Lidar-Sensoren die Fahrbahn scannt und in Echtzeit reagiert. Die gewaltigen Carbon-Keramik-Bremsen (6-Kolben-Sättel vorn, 4-Kolben-Sättel hinten) verzögern das über 2,2 Tonnen schwere Geschoss vehement und extrem stabil.
Ganz perfekt ist der China-Kracher im Grenzbereich allerdings noch nicht. Die neuartige Steer-by-Wire-Lenkung verzichtet auf eine mechanische Lenksäule und lässt im Test noch etwas Feingefühl und Rückmeldung vermissen, die man sich bei einem derart schweren und schnellen Fahrzeug wünschen würde. Zudem könnten die Sportsitze bei extremen Querbeschleunigungen noch mehr Seitenhalt bieten.
Marktstart und Verfügbarkeit in Europa
Die Auftragsbücher für den Denza Z sind in ersten ausgewählten Märkten bereits geöffnet. Während die Auslieferungen in China noch vor Jahresende starten, steht auch der Marktstart im Vereinigten Königreich unmittelbar bevor – dort beginnen die Preise bei 142.900 Pfund für das Coupé und reichen bis zu 172.900 Pfund für die Racing-Variante. Umgerechnet startet das Supersport-Coupé in Europa somit bei rund 167.200 Euro. Ob und wann der Denza Z offiziell nach Deutschland rollt, ist noch nicht endgültig bestätigt, gilt angesichts der ambitionierten Europa-Pläne von BYD jedoch als sehr wahrscheinlich.