Elektroauto zum Verbrennerpreis – was bis vor Kurzem noch Wunschdenken war, rückt in greifbare Nähe: Laut ADAC sind inzwischen sieben Stromer für unter 25.000 Euro zu haben, der günstigste startet sogar unter 17.000 Euro. Doch der große Vergleichstest mit sechs der derzeit billigsten E-Autos zeigt: Wer nur auf den Kaufpreis schaut, riskiert massive Abstriche bei Sicherheit und Alltagstauglichkeit.
Mehr Auswahl unter 25.000 Euro – doch „billig“ hat seinen Preis
Vor zwei Jahren fanden sich im ADAC-Autokatalog gerade einmal drei Elektroautos unter 30.000 Euro. Heute sind es bereits sieben Modelle, die sogar unter der Marke von 25.000 Euro bleiben – ein klares Zeichen, dass der Preisabstand zu vergleichbaren Verbrennern deutlich geschrumpft ist.
Am unteren Ende der Skala steht der Dacia Spring: Im Listenpreis beginnt der Kleinstwagen mittlerweile bei knapp unter 17.000 Euro – damit ist er aktuell das nominell günstigste E-Auto auf dem deutschen Markt. Doch der neue ADAC-Vergleich macht deutlich: Der niedrigste Preis bedeutet längst nicht das beste Angebot.
Die sechs Testkandidaten: Kleine Stromer, große Bandbreite
Für den bislang größten Vergleichstest günstiger Elektro-Kleinwagen hat der ADAC sechs Modelle ins Rennen geschickt:
- Hyundai Inster Select
- Fiat Grande Panda Electric RED
- Citroën ë-C3 You
- BYD Dolphin Surf Boost
- Leapmotor T03
- Dacia Spring Electric 65 Expression
Alle Kandidaten sind Klein- oder Kleinstwagen – ideale Stadtautos, die zugleich einen vollwertigen Erstwagen ersetzen sollen. Auffällig: Kein einziger deutscher Hersteller ist im Feld vertreten. Modelle wie der VW e-Up! wurden ohne direkten, zeitnah erhältlichen Nachfolger eingestellt; angekündigte Elektro-Kleinwagen wie ein ID. Polo oder ein besonders günstiger ID.-Kompaktwagen kommen erst Mitte bis Ende der Dekade.
Den Markt in diesem Preissegment dominieren Importeure, allen voran Hersteller aus China wie BYD und Leapmotor. Deren Neuzulassungen haben sich in Deutschland seit 2024 teils vervielfacht – der Marktanteil chinesischer Marken liegt zwar erst bei rund zwei Prozent, wächst aber rasant.
Testsieger Hyundai Inster: Klein, aber erstaunlich erwachsen
Die beste Gesamtnote im ADAC-Test holt sich der Hyundai Inster mit 2,3. Mit einem Listenpreis von rund 23.900 Euro rangiert er am oberen Ende des Testfeldes, bietet dafür aber das stimmigste Gesamtpaket.
Herzstück ist die im Test ermittelte Praxisreichweite von rund 290 Kilometern – Bestwert im Feld. Dazu kommen ein überraschend großzügiger Innenraum für einen Wagen unter vier Metern Länge, ein gut abgestimmtes Fahrwerk und ein umfangreiches Sicherheits- und Assistenzpaket. Wer täglich pendelt, am Wochenende auch mal die Autobahn nutzt und keinen Riesen-Kofferraum braucht, findet im Inster einen voll alltagstauglichen Erstwagen.
Praktischer Tipp: Für viele Haushalte, die bisher mit einem gut ausgestatteten Kleinwagen mit Verbrennungsmotor unterwegs sind, ist der Inster inzwischen eine echte Alternative. Die monatlichen Gesamtkosten können – je nach Strompreis, Fahrprofil und staatlichen bzw. regionalen Förderprogrammen – bereits auf dem Niveau eines vergleichbaren Benziners liegen.
Fiat Grande Panda und Citroën ë-C3: Stellantis-Zwillinge mit unterschiedlichen Charakteren
Auf Platz zwei landet der Fiat Grande Panda Electric mit der Note 2,5. Er teilt sich Plattform, Akku und Antrieb mit dem drittplatzierten Citroën ë-C3 (Note 2,6), bringt aber in Details die reifere Gesamtwirkung auf die Straße.
Der Fiat punktet mit ausgewogenen Fahreigenschaften, ordentlicher Reichweite um die 250 Kilometer und einem beachtlichen Federungskomfort. Serienmäßiges LED-Licht und ein gutes Raumangebot machen ihn zum alltagstauglichen Fünfsitzer. Kritik gibt es für das eher einfach wirkende Interieur und eine Ausstattung, die gemessen am Preis nicht gerade üppig ausfällt.
Der Citroën ë-C3 tritt optisch frecher auf, überrascht aber mit sehr reduzierter Ausstattung. Statt eines klassischen Infotainmentsystems setzt der Franzose im getesteten Basistrimm auf eine simple Smartphone-Halterung, über die Navigation und Entertainment laufen. Das senkt zwar die Kosten, verlangt aber Kompromisse beim Bedienkomfort. Für Digital-Natives, die ohnehin alles mit dem Handy steuern, kann das Konzept funktionieren – wer Wert auf ein integriertes System legt, sollte die Ausstattungsliste genau studieren.
Für wen eignen sich die beiden? Sie sind ideal für Fahrerinnen und Fahrer, die überwiegend im urbanen Raum unterwegs sind, Wert auf Komfort legen und nur selten lange Autobahnetappen fahren. Familien mit Kinderwagen oder großem Gepäck stoßen aber schneller an Grenzen als beim Inster.
BYD Dolphin Surf: Solide Technik, Schwäche am Schnelllader
Der BYD Dolphin Surf teilt sich mit dem Citroën den dritten Platz (Note 2,6), ist aber als einziges Auto im Testfeld teurer als 25.000 Euro (in der getesteten Version). Dafür bringt er eine solide Verarbeitung, eine ordentliche Reichweite von rund 260 Kilometern und eine umfangreiche Komfortausstattung mit.
Die Schwächen liegen im Detail: Die Lenkung wirkt wenig präzise abgestimmt und vor allem die DC-Ladedauer fällt im Klassenvergleich deutlich ab. Wer häufig weite Strecken mit Schnelllade-Stopps plant, muss hier mehr Geduld mitbringen als bei mancher Konkurrenz.
Spannend ist der Dolphin dennoch für Kunden, die ein gut verarbeitetes, komfortables E-Auto mit überschaubaren Abmessungen suchen und hauptsächlich zuhause oder am Arbeitsplatz laden. Zudem zeigen aggressive Rabattaktionen des Herstellers, dass die offiziellen Listenpreise längst nicht das letzte Wort sind – ein Aspekt, den preisbewusste Käufer im Auge behalten sollten.
Leapmotor T03 und Dacia Spring: Wenn Sparen bei Sicherheit und Komfort endet
Am unteren Ende der Wertung landen die beiden günstigsten Fahrzeuge im Test: der Leapmotor T03 (Note 2,9) und der Dacia Spring, der trotz Überarbeitung erneut Letzter wird. Beide zeigen, wie stark sich ein niedriger Kaufpreis auf Alltagstauglichkeit und Sicherheitsniveau auswirken kann.
Der Leapmotor T03 lockt mit einem Einstiegspreis knapp unter 19.000 Euro. Er ist kompakt, wendig und auf dem Papier ordentlich ausgestattet. In der Praxis kritisiert der ADAC aber schlecht abgestimmte oder überfordernde Assistenzsysteme, eine ablenkungsintensive Bedienung sowie eine Klimatisierung, die nur ohne Heizung zufriedenstellend arbeitet. Dazu kommt ein knappes Platzangebot und eine extrem niedrige Zuladung von lediglich 289 Kilogramm – sitzen vier Erwachsene an Bord, ist der Wagen bereits überladen.
Noch kritischer fällt die Bewertung beim Dacia Spring aus. Zwar glänzt er mit dem niedrigsten Preis und einem sehr sparsamen Verbrauch, doch Reichweite, Ladeleistung, Fahrverhalten und Verarbeitungsqualität liegen deutlich unter Klassenstandard. Besonders heikel: Das Sicherheitsniveau des Kleinstwagens gilt trotz Facelifts weiterhin als unzureichend. Ein älterer Crashtest mit schwachem Abschneiden ist zwar formal nicht mehr gültig, aber an der Karosseriestruktur wurde nur wenig geändert – Anlass genug für den ADAC, den Spring weiterhin besonders kritisch zu sehen.
Konsequenz für die Praxis: Beide Fahrzeuge eignen sich – wenn überhaupt – nur als reines Stadt- oder Kurzstreckenauto für erfahrene Fahrer, die die Grenzen der Technik kennen und akzeptieren. Als Familienauto oder einziges Fahrzeug im Haushalt sind sie aus Sicherheits- und Komfortgründen kaum zu empfehlen.
Importe vs. „Made in Germany“: Die neue Realität bei kleinen E-Autos
Der Test legt schonungslos offen, wie sehr deutsche Hersteller das Segment der günstigen Elektro-Kleinwagen anderen überlassen haben. Während Marken aus Frankreich, Italien und vor allem China konkrete Modelle auf die Straße bringen, existieren hierzulande bisher vor allem Ankündigungen. Der geplante Elektro-Kleinwagen von VW etwa soll frühestens ab Mitte der Dekade als günstiger Einstieg unterhalb der ID.3-Reihe kommen – zu Preisen, die eher knapp unter 25.000 Euro als im Bereich des Dacia Spring liegen dürften.
Spannend ist der Blick auf die Verhältnisse: Während Umfragen zeigen, dass nur eine Minderheit der deutschen Autokäufer konkret ein chinesisches Elektroauto in Betracht zieht, steigen die Zulassungszahlen von Marken wie BYD, MG oder Leapmotor kräftig. Vor allem im preissensiblen Einstiegssegment könnten diese Anbieter den Takt vorgeben – und damit auch die Preisentwicklung insgesamt beeinflussen.
Welches günstige E-Auto passt zu wem?
Damit Kaufinteressenten den ADAC-Test für ihre Entscheidung nutzen können, lohnt ein Blick auf typische Nutzungsszenarien:
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Täglicher Pendelverkehr bis etwa 80 km, gelegentliche Langstrecke, nur ein Auto im Haushalt: Hier ist der Hyundai Inster die naheliegende Wahl. Reichweite, Sicherheit und Platzangebot machen ihn zum erwachsenen Erstwagen, ohne dass die Kosten völlig aus dem Ruder laufen.
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Urbaner Alltag mit gelegentlichen Überlandfahrten, zwei Erwachsene plus ein Kind: Fiat Grande Panda und Citroën ë-C3 sind gute Kandidaten. Der Fiat punktet mit ausgewogenerem Gesamtpaket, der Citroën mit etwas niedrigerem Einstiegspreis, verlangt aber Verzicht bei Komfort und Infotainment.
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Komfortorientierte Vielfahrer mit überwiegend eigener Lademöglichkeit: Der BYD Dolphin Surf kann interessant sein, wenn Reichweite, Verarbeitung und Ausstattung wichtiger sind als maximale DC-Ladegeschwindigkeit. Wer häufig an der Autobahn-Säule lädt, sollte die Ladezeiten jedoch genau prüfen.
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Sehr knappes Budget, hauptsächlich Stadtverkehr, Zweit- oder Drittwagen: Hier locken Leapmotor T03 und Dacia Spring mit niedrigen Listenpreisen. Wegen der klaren Schwächen bei Sicherheit, Reichweite und Langstreckentauglichkeit sollten Käufer diese Modelle jedoch mit besonderer Vorsicht betrachten – und gegebenenfalls auch den Gebrauchtmarkt für etabliertere E-Autos einbeziehen.
Was der ADAC-Test für den E-Auto-Markt signalisiert
Der große Vergleichstest macht deutlich: Elektro-Kleinwagen werden günstiger und alltagstauglicher, echte „Schnäppchen“ ohne ernsthafte Kompromisse sind aber weiterhin rar. Um die 23.000 bis 25.000 Euro erhält man inzwischen solide, vollwertige Stromer wie den Hyundai Inster oder den Fiat Grande Panda – deutlich näher am klassischen Kleinwagen mit Verbrenner, als es noch vor wenigen Jahren der Fall war.
Unterhalb von etwa 20.000 Euro steigt dagegen das Risiko, bei Sicherheit, Ausstattung oder Fahrkomfort spürbare Abstriche machen zu müssen. Für die Hersteller – insbesondere aus Deutschland – ist das ein Warnsignal: Wer die preisbewusste Kundschaft nicht dauerhaft an internationale Konkurrenten verlieren will, muss im Einstiegssegment schneller liefern. Für Verbraucher dagegen gilt mehr denn je: Nicht nur auf den Listenpreis schauen, sondern Reichweite, Ladeleistung, Sicherheitsniveau und Alltagsnutzen nüchtern abwägen – sonst kann der „elektrische Einstieg zum kleinen Preis“ am Ende doch sehr teuer werden.