Einleitung
Der Omoda 9 tritt an, um das Segment der großen Hybrid-SUVs mit einer Kampfansage aus China aufzumischen. Als Flaggschiff der zum Chery-Konzern gehörenden Marke kombiniert das Modell eine beeindruckende Systemleistung von bis zu 537 PS mit einer für Plug-in-Hybride außergewöhnlich hohen elektrischen Reichweite. Das Fahrzeug richtet sich an preisbewusste Käufer, die weder auf Luxusmerkmale noch auf moderne Antriebstechnologie verzichten möchten. Mit einer Länge von knapp 4,80 Metern bietet er zudem exzellente Platzverhältnisse für die ganze Familie. Dabei positioniert sich der Wagen preislich deutlich unterhalb der etablierten deutschen Premium-Konkurrenz und bietet gleichzeitig eine umfangreiche Serienausstattung.
Design & Verarbeitung
Das Design des Omoda 9 wirkt modern und fügt sich nahtlos in das Bild aktueller Oberklasse-SUVs ein. Besonders auffällig sind die markanten Matrix-Voll-LED-Scheinwerfer und die aerodynamische Linienführung, die dem Fahrzeug eine präsente Statur verleiht. Bei der Verarbeitung zeigt sich die Ambition des Herstellers, im Premium-Segment mitzuspielen. Soft-Touch-Oberflächen, sorgfältig eingepasste Verkleidungen und hochwertige Materialien dominieren das Erscheinungsbild. Es gibt kaum Anzeichen für billiges Plastik, was den positiven ersten Eindruck unterstreicht. Die gesamte Karosserie wirkt solide konstruiert und sorgfältig montiert.
Innenraum & Komfort
Im Innenraum erwartet die Passagiere ein außergewöhnliches Maß an Komfort und Luxus, das in dieser Preisklasse selten zu finden ist. Die serienmäßigen Nappaleder-Sitze sind nicht nur beheizt und belüftet, sondern bieten auf den vorderen Plätzen sogar eine integrierte Massagefunktion. Auch im Fond herrschen großzügige Platzverhältnisse, wobei die äußeren Rücksitze ebenfalls über Heizung und Belüftung verfügen. Die Akustikverglasung sorgt für ein angenehm niedriges Geräuschniveau während der Fahrt, selbst bei höheren Geschwindigkeiten. Mit einem Kofferraumvolumen von bis zu 660 Litern ist der SUV zudem bestens für längere Urlaubsreisen gerüstet. Insgesamt erinnert das Ambiente stark an weitaus teurere Fahrzeuge europäischer Premium-Marken.
Infotainmentsystem
Das technologische Herzstück des Cockpits ist eine 24-Zoll-Anzeigefläche, die sich aus zwei hochauflösenden Displays zusammensetzt. Ergänzt wird dies durch ein Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktionen, das wichtige Navigationshinweise direkt ins Sichtfeld projiziert. Das integrierte Sony-Soundsystem mit 14 Lautsprechern liefert einen klaren und kräftigen Klang, der audiophile Nutzer begeistern dürfte. Allerdings offenbart das System bei der Bedienung noch leichte Schwächen, da einige Funktionen wie die Sitzheizung tief in Untermenüs versteckt sind. Der Touchscreen reagiert zudem gelegentlich etwas träge, was die intuitive Handhabung im Alltag erschwert. Dennoch bietet die Konnektivität mit kabellosem Apple CarPlay und Android Auto einen modernen Standard.
Antrieb & Fahrverhalten
Der als Super-PHEV bezeichnete Antrieb kombiniert einen 1,5-Liter-Benziner mit drei Elektromotoren zu einer massiven Systemleistung. Mit 650 Newtonmetern Drehmoment sprintet das schwere SUV in nur 4,9 Sekunden von Null auf Einhundert. Der Allradantrieb sorgt dabei für eine souveräne Kraftübertragung und gute Traktion in fast jeder Lebenslage. Das Fahrverhalten ist eher auf Komfort ausgelegt, was gut zum Charakter eines Familien-SUVs passt. Allerdings wirkt die Lenkung in manchen Situationen etwas gefühllos und bietet nur wenig Rückmeldung von der Straße. Bei scharfen Unebenheiten zeigt das adaptive Fahrwerk zudem eine leicht unruhige Note, die den ansonsten harmonischen Eindruck minimal trübt.
Verbrauch & Unterhalt
Ein echtes Highlight ist die große 34,5-kWh-Batterie, die eine rein elektrische Reichweite von bis zu 145 Kilometern nach WLTP ermöglicht. Dies erlaubt es vielen Pendlern, den Großteil ihrer täglichen Strecken ohne lokale Emissionen zurückzulegen. Das Aufladen gelingt dank der DC-Ladeleistung von bis zu 65 kW deutlich schneller als bei den meisten anderen Plug-in-Hybriden am Markt. Selbst wenn der Akku leer ist, bleibt der Realverbrauch mit etwa 7 Litern pro 100 Kilometer für ein Fahrzeug dieser Größe im Rahmen. Ein zusätzlicher Pluspunkt für die Unterhaltskosten ist die großzügige Fahrzeuggarantie von sieben Jahren. Lediglich die Versicherungseinstufungen fallen vergleichsweise hoch aus.
Sicherheit & Assistenzsysteme
Der Omoda 9 glänzt mit einer 5-Sterne-Bewertung im Euro NCAP Crashtest und verfügt über ein umfangreiches Paket an Assistenzsystemen. Von einem autonomen Notbremssystem über einen Toter-Winkel-Warner bis hin zu einer 540-Grad-Kamera ist alles an Bord. Besonders hervorzuheben ist die präzise Kameraauflösung, die das Rangieren des großen SUVs erheblich erleichtert. Dennoch gibt es Kritik an der Abstimmung einiger Systeme, da beispielsweise der Spurhalteassistent teilweise sehr bevormundend eingreift. Auch die Müdigkeitserkennung neigt zu übervorsichtigen Warnungen, sobald der Fahrer kurz den Blick von der Straße abwendet. Diese Software-Feinheiten könnten durch zukünftige Over-the-Air-Updates jedoch noch optimiert werden.
Fazit
Der Omoda 9 ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie viel Luxus und Technik heutzutage für einen fairen Preis möglich sind. Er überzeugt mit einem bärenstarken Hybridantrieb, einer herausragenden elektrischen Reichweite und einer Serienausstattung, die keine Wünsche offen lässt. Kleinere Schwächen bei der Infotainment-Bedienung und der Fahrwerksabstimmung fallen angesichts des Gesamtpakets kaum ins Gewicht. Wer ein geräumiges SUV mit Premium-Ambiente sucht und bereit ist, einer neuen Marke eine Chance zu geben, findet hier eine hochinteressante Alternative. Das Fahrzeug beweist, dass chinesische Hersteller technisch und qualitativ endgültig in der ersten Liga angekommen sind.