Einleitung

Der Cupra Tavascan markiert den nächsten großen Schritt für den sportlichen Seat-Ableger und ist das erste vollelektrische SUV-Coupé der Marke auf Basis des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB). Während die technische Basis mit Modellen wie dem VW ID.5 oder dem Skoda Enyaq geteilt wird, schlägt der Tavascan optisch einen wesentlich aggressiveren und emotionaleren Weg ein. Das Modell richtet sich an eine junge, designorientierte Kundschaft, die sich von der eher nüchternen Gestaltung der Konzerngeschwister abheben möchte. Das SUV zeigt dabei eindrucksvoll, wie traditionelle Antriebstechnik in ein modernes, individuelles Gewand gehüllt werden kann. In diesem Testbericht klären wir, ob der in China produzierte Spanier den hohen Erwartungen an Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit gerecht wird.

Design & Verarbeitung

Das Exterieur des Tavascan ist eine bewusste Kampfansage an das Understatement und wirkt fast wie ein seriennahes Showcar. Besonders markant sind die pfeilförmige Frontpartie, die beleuchteten Cupra-Logos an Front und Heck sowie die dreieckigen Lichtsignaturen der LED-Matrix-Scheinwerfer. Die muskulöse Silhouette mit dem abfallenden Coupé-Dach verleiht dem Fahrzeug eine beeindruckende Präsenz im Straßenverkehr, die durch raffinierte kupferfarbene Details ergänzt wird. Bei der Verarbeitung zeigt sich der Cupra auf einem soliden Niveau, das man von Fahrzeugen des Volkswagen-Konzerns gewohnt ist. Dennoch gibt es bei den Materialien Kritik, da trotz der spektakulären Formgebung im Innenraum vermehrt auf harte Kunststoffe und Carbon-Imitate zurückgegriffen wurde, die sich weniger hochwertig anfühlen, als sie optisch versprechen.

Innenraum & Komfort

Im Innenraum dominiert die sogenannte Spine, eine schwebende Mittelkonsole, die das Armaturenbrett auf futuristische Weise mit dem Mitteltunnel verbindet. Die serienmäßigen Sportschalensitze bieten exzellenten Seitenhalt und sind auch auf langen Strecken komfortabel, wenngleich die fest integrierten Kopfstützen für sehr große Personen etwas einschränkend sein können. Das Platzangebot ist hervorragend, wobei selbst Passagiere mit einer Körpergröße von zwei Metern im vorderen Bereich ausreichend Raum finden. Im Fond wird es aufgrund der abfallenden Dachlinie ab einer Größe von etwa 1,85 Metern am Kopf etwas enger, während die Beinfreiheit dank des langen Radstands beachtlich bleibt. Mit einem Kofferraumvolumen von 540 Litern zeigt sich das SUV absolut alltagstauglich, auch wenn die hohe Ladekante von 74 Zentimetern das Beladen mit schwerem Gepäck etwas erschwert.

Infotainmentsystem

Die Schaltzentrale des Tavascan bildet ein 15 Zoll großes Touch-Display, das die neueste Softwaregeneration des Konzerns nutzt und deutlich flüssiger reagiert als frühere Versionen. Die Bedienung erfolgt nahezu ausschließlich über den Bildschirm, was eine gewisse Einarbeitungszeit erfordert, da physische Schalter weitgehend fehlen. Positiv hervorzuheben sind die nun beleuchteten Touch-Slider für die Temperatur- und Lautstärkeregelung sowie die verbesserte Sprachsteuerung Hola Hola, die auch komplexe Befehle versteht. Das System bietet zudem kabelloses Apple CarPlay und Android Auto sowie eine hilfreiche Routenplanung inklusive automatischer Ladestopp-Integration. Kritik gibt es jedoch weiterhin für die berührungsempfindlichen Touchflächen am Lenkrad, die im Alltag mitunter zu ungewollten Fehlbedienungen führen können.

Antrieb & Fahrverhalten

Der Cupra Tavascan ist wahlweise mit Heckantrieb und 286 PS oder als Allradversion VZ mit beachtlichen 340 PS erhältlich. In unserem Test beeindruckt bereits die Basisversion Endurance durch eine agile Fahrweise und eine sehr direkte Progressivlenkung, die dem SUV eine für seine Klasse ungewöhnliche Handlichkeit verleiht. Das straff abgestimmte Sportfahrwerk sorgt für hohe Stabilität in Kurven, ohne dabei unangenehm hart zu wirken, sofern man das optionale DCC-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern gewählt hat. Damit lässt sich die Charakteristik des Wagens in 15 Stufen von komfortabel bis extrem sportlich feinjustieren. Mit einem Wendekreis von lediglich 10,2 Metern zeigt sich der Tavascan zudem überraschend manövrierfähig in städtischen Umgebungen und beim Parken.

Reichweite & Verbrauch

Mit der netto 77 kWh starken Batterie erzielt der Tavascan im Alltag realistische Reichweiten von etwa 450 bis 465 Kilometern unter moderaten Bedingungen. Der Stromverbrauch pendelt sich im gemischten Betrieb bei rund 18,5 bis 20 kWh pro 100 Kilometer ein, was für ein Fahrzeug dieser Gewichtsklasse ein absolut vertretbarer Wert ist. Beim Laden hinkt der Spanier der Konkurrenz etwas hinterher, da die maximale DC-Schnellladeleistung bei 135 bis 145 kW liegt. Zwar verspricht Cupra eine optimierte Ladekurve, die den Akku in etwa 28 Minuten von 10 auf 80 Prozent füllt, doch einige Mitbewerber bieten hier bereits deutlich höhere Spitzenwerte. Praktisch ist hingegen die Möglichkeit der Batterievorkonditionierung, die sowohl automatisch über das Navigationssystem als auch manuell im Menü gestartet werden kann.

Sicherheit & Assistenzsysteme

In Sachen Sicherheit schneidet der Tavascan hervorragend ab und erreicht die volle Fünf-Sterne-Wertung im Euro NCAP Crashtest. Zur umfangreichen Serienausstattung gehören unter anderem ein Notbremsassistent mit Fußgängererkennung, ein Spurwechselassistent und der adaptive Tempomat ACC. Das System arbeitet sehr zuverlässig und die Warnhinweise bleiben angenehm dezent im Hintergrund, ohne den Fahrer unnötig zu bevormunden oder nervös zu machen. Besonders empfehlenswert ist das optionale Augmented-Reality-Head-up-Display, das Navigationshinweise optisch passgenau auf die Straße vor dem Fahrzeug in das Sichtfeld projiziert. Zudem schützt ein zentraler Airbag zwischen den Vordersitzen die Insassen bei einem Seitenaufprall effektiv vor gegenseitigen Kollisionen.

Fazit

Der Cupra Tavascan ist die emotionale Antwort auf das oft unterkühlte Elektro-Einerlei und überzeugt vor allem durch sein radikales Design sowie seine dynamischen Qualitäten. Er bietet viel Platz für die Familie und moderne Softwarelösungen, verlangt seinem Käufer jedoch beim Preis und einigen Materialdetails im Interieur Kompromisse ab. Die Ladetechnik ist solide, aber im Klassenvergleich nicht wegweisend, was Langstreckenfahrer bei der Wahl berücksichtigen sollten. Insgesamt ist er ein hochinteressantes Angebot für Individualisten, denen ein VW ID.5 zu nüchtern und ein Tesla Model Y zu allgegenwärtig ist. Wer Wert auf ein agiles Fahrgefühl legt und sich mit der digitalen Bedienlogik anfreunden kann, findet hier eines der charakterstärksten Elektro-SUVs auf dem aktuellen Markt.