Deutschlands Elektro-Kombi-Markt bekommt einen neuen, aggressiven Herausforderer. Mit einer Kampfansage von unter 46.000 Euro und Ladegeschwindigkeiten, die selbst Porsche alt aussehen lassen, zielt der neue Zeekr 7GT direkt auf den VW ID.7 und den BMW i5 Touring.

Während deutsche Hersteller noch darüber diskutieren, wie man Elektroautos bezahlbar macht, schafft die Geely-Tochter Zeekr Fakten. Der neue Zeekr 7GT, eine sportliche Shooting-Brake-Variante der 007 Limousine, soll ab diesem Sommer bestellbar sein – und das zu einem Startpreis von 45.990 Euro. Damit unterbietet der Chinese nicht nur die heimische Premium-Konkurrenz deutlich, sondern wildert preislich sogar im Revier gut ausgestatteter Kompaktwagen.

Porsche-Werte zum Passat-Preis?

Der Blick ins Datenblatt dürfte in Wolfsburg und München für Stirnrunzeln sorgen. Schon das Basismodell mit Heckantrieb leistet stattliche 310 kW (421 PS). Wer zur Top-Version greift, erhält einen Allradantrieb mit irrwitzigen 475 kW (646 PS), der den Familienkombi in gut 3,3 Sekunden auf Landstraßentempo katapultiert. Solche Beschleunigungswerte waren bis vor kurzem reinen Supersportwagen vorbehalten.

Doch die eigentliche Revolution steckt im Unterboden: Dank moderner 800-Volt-Architektur verspricht der Hersteller Ladeleistungen von bis zu 500 kW. In der Praxis bedeutet das: Der Akku füllt sich in rund 10 bis 13 Minuten von 10 auf 80 Prozent. Während man beim VW ID.7 Tourer noch gemütlich einen Kaffee trinkt, ist der 7GT längst wieder auf der Autobahn.

Design vor Nutzwert: Ein echter Shooting Brake

Optisch geht der 7GT eigene Wege. Mit einer Länge von rund 4,82 Metern positioniert er sich in der gehobenen Mittelklasse, verzichtet aber auf das kastige Heck typischer deutscher Lastesel. Stattdessen setzt Zeekr auf eine fließende, fast coupéhafte Dachlinie. Das sieht dynamisch aus, fordert aber Tribut beim Kofferraumvolumen: Mit ca. 456 Litern liegt das Gepäckabteil deutlich unter dem Schluckvermögen eines VW Passat oder ID.7. Immerhin gibt es einen kleinen Frunk unter der Fronthaube für Ladekabel und Kleinkram.

Kampf um die Dienstwagen-Krone

Für den deutschen Markt ist der Sommer-Start strategisch klug gewählt. Das Segment der elektrischen Reisekombis ist noch überschaubar. Der Nio ET5 Touring gilt als direkteste Konkurrenz, ist jedoch oft teurer oder an das Mietmodell für Batterien gebunden. Der BMW i5 Touring spielt preislich in einer völlig anderen Liga.

Ein Elektro-Kombi mit über 600 PS, der schneller lädt als er fährt und weniger kostet als ein basis-ausgestatteter ID.7 – das ist keine Nischenerscheinung, das ist ein Frontalangriff.

Mit zwei Batteriegrößen (75 kWh und 100 kWh) sollen Reichweiten von bis zu 655 Kilometern nach WLTP möglich sein. Ob diese Werte im deutschen Autobahn-Alltag bestandhaben, werden erste Tests zeigen müssen. Klar ist jedoch: Mit diesem Preisschild und dieser Technik wird der Zeekr 7GT den Druck auf die etablierten Hersteller massiv erhöhen. Für Kunden, die Leistung und Ladespeed über maximalen Stauraum stellen, könnte dieser China-Import zum Überraschungshit des Jahres werden.