Die Neuzulassungen im März 2026 schreiben Geschichte: Erstmals überholen Elektroautos die klassischen Benziner. Angesichts von dreistelligen Wachstumsraten bei Marken wie BYD oder Leapmotor spricht manch einer schon von einer chinesischen Übernahme des deutschen Automarkts. Doch eine genaue Analyse der KBA-Daten offenbart, wie groß das Stück vom Kuchen für die Autobauer aus Fernost wirklich ist.

Der deutsche Pkw-Markt erlebte im Frühjahr einen massiven Aufschwung. Laut den offiziellen Zulassungszahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) wurden im März insgesamt 294.161 fabrikneue Autos zugelassen – ein Plus von 16 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die wahre Sensation findet sich jedoch bei den Antriebsarten: Mit 70.663 Neuzulassungen und einem Wachstum von satten 66 Prozent schossen rein batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) auf einen Marktanteil von 24 Prozent. Damit haben E-Autos zum ersten Mal in einem Einzelmonat klassische Benziner hinter sich gelassen.

Der angebliche China-Tsunami

Blickt man auf die Gewinner des Monats, stechen sofort die Automarken aus dem Reich der Mitte ins Auge. Die Wachstumsraten lesen sich wie aus einem Start-up-Märchen:

  • BYD: +327,1 Prozent
  • Leapmotor: +318,1 Prozent
  • XPENG: +211,9 Prozent

Solche Zahlen befeuern das Narrativ, dass chinesische Autobauer den deutschen Markt regelrecht fluten und etablierte Hersteller vor sich hertreiben. Doch Prozentzahlen ohne absolute Basis können trügerisch sein. Zeit, den Taschenrechner herauszuholen und die echten Stückzahlen zu berechnen.

Die nackten Zahlen: Der Taschenrechner entlarvt den Hype

Betrachten wir den gesamten Markt von 294.161 Fahrzeugen, sichert sich der chinesische Branchenprimus BYD laut Statistik einen Gesamtmarktanteil von 1,2 Prozent. Das entspricht rund 3.530 Fahrzeugen. Der Senkrechtstarter Leapmotor kommt mit 0,5 Prozent auf knapp 1.470 Autos, und XPENG sichert sich mit 0,2 Prozent etwa 590 Neuzulassungen.

Rechnet man diese aufstrebenden Marken zusammen, landen sie gemeinsam bei rund 5.600 zugelassenen Pkw. Da diese Hersteller in Deutschland fast ausschließlich auf reine E-Autos setzen, können wir diese Summe in direkte Relation zum gesamten BEV-Markt (70.663 Fahrzeuge) setzen.

Das Ergebnis: Die viel diskutierten chinesischen Überflieger kommen im reinen E-Auto-Segment auf einen gemeinsamen Marktanteil von knapp 8 Prozent.

Tesla und VW dominieren weiterhin

Acht Prozent sind für die asiatischen Newcomer zweifellos ein starkes Signal und ein solider Fuß in der Tür des anspruchsvollen deutschen Marktes. Von einer Dominanz oder gar Übernahme kann jedoch noch keine Rede sein. Satte 92 Prozent des Elektro-Kuchens verteilen sich weiterhin auf die etablierten Player.

Besonders Tesla feierte im März ein fulminantes Comeback. Mit einem Marktanteil von 3,1 Prozent am Gesamtmarkt brachten die Kalifornier über 9.100 Fahrzeuge auf die Straße – deutlich mehr, als alle genannten chinesischen Marken zusammen. Allein das Tesla Model Y wurde über 6.800 Mal neu zugelassen. Auch die europäischen Hersteller behaupten sich vehement: Unter den zehn beliebtesten Autos finden sich gleich mehrere Modelle aus dem VW-Konzern.

"Ein Logo aus Fernost auf der Haube ist noch kein Garant für die Marktherrschaft. Die absoluten Zahlen zeigen: Die chinesischen Autobauer sind hochmotivierte Herausforderer, aber noch lange keine Platzhirsche."

Für Autokäufer in Deutschland bedeutet das vor allem eines: Der Wettbewerb wird härter und die Auswahl an innovativen Stromern wächst rasant. BYD und Co. werden zweifellos weiter angreifen, müssen aber noch enorme Volumina aufbauen, um in die Liga der wahren Marktführer vorzustoßen.