Das Vorhaben berührt einen empfindlichen Nerv. Als Volkswagen im Jahr 2022 seine Batterietochter PowerCo gründete, sollte damit eine robuste, europäische Wertschöpfungskette entstehen, um die Abhängigkeit von asiatischen Zulieferern zu verringern. Nun droht diese Strategie an den harten Realitäten des Marktes und den immensen Kosten zu zerschellen.

Warum VW die Hilfe aus China braucht

Der Grund für die Verhandlungen ist der enorme wirtschaftliche Druck. In Sagunto sollen perspektivisch standardisierte Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) vom Band laufen. Diese kostengünstigen Akkus sind das Herzstück jener kompakten, erschwinglichen Elektromodelle, mit denen VW den Massenmarkt erobern will.

Dazu gehören:

  • Der neue Škoda Epiq, dessen Einstiegsmodell (Epiq Essence 35) ab Ende September 2026 zu Preisen ab 25.900 Euro bestellbar sein soll.
  • Das frisch vorgestellte Kompakt-SUV VW ID. Cross, dessen kommende Basisvariante „Trend“ ab Mitte Oktober 2026 ab 27.995 Euro an den Start geht.
  • Weitere günstige Konzernmodelle wie der Cupra Raval und der VW ID. Polo.

Das Problem dabei ist die kosteneffiziente Skalierung: Die Entwicklung und der Aufbau einer eigenen Zellfertigung sind extrem kapitalintensiv. Gotion High-Tech verfügt im Bereich der günstigen LFP-Zellen über langjährige Erfahrung und enorme Skaleneffekte. Die Annäherung ist daher auch ein logischer Schritt, schließlich ist VW seit 2020 mit rund 26 Prozent an dem chinesischen Batterie-Riesen beteiligt und arbeitet bereits eng bei der Entwicklung der Einheitszelle zusammen. Ein Gotion-Einstieg soll das finanzielle Risiko für VW minimieren und die Wettbewerbsfähigkeit der günstigen E-Autos sichern.

PowerCo beschwichtigt – doch der Zeitplan drückt

Auf Anfrage bemüht sich die Volkswagen-Batterietochter PowerCo um Schadensbegrenzung und betont, dass man strategische Kooperationen zwar regelmäßig prüfe, die Kontrolle über das Werk in Sagunto jedoch nicht abgeben wolle:

„PowerCo überprüft regelmäßig strategische Möglichkeiten, einschließlich einer potenziellen Zusammenarbeit mit Partnern. Man habe jedoch keinerlei Pläne, die Kontrolle über die Gigafactory Valencia abzugeben.“

Gleichwohl steht das spanische Werk unter erheblichem Zeitdruck. Während im deutschen Salzgitter die Produktion der ersten Zellen hochläuft, wird der Zeitplan in Spanien eine echte Herausforderung. In Sagunto soll die erste Phase der Fabrik mit einer geplanten Anfangskapazität von 20 Gigawattstunden (GWh) pro Jahr (mit der Option auf einen späteren Ausbau auf 40 GWh) anlaufen – aufgeteilt auf zwei Blöcke von je 10 GWh. Erst in einer späteren Ausbaustufe soll die Fabrik die ursprünglich angekündigte Kapazität erreichen.

Die Vorserienproduktion in Spanien ist für Ende 2026 geplant, bevor im Juli 2027 die offizielle Serienbelieferung starten soll. Bis die Fabrik voll einsatzfähig ist, muss VW die Batteriezellen für die bereits im Bau befindlichen Elektro-Kleinwagen aus Salzgitter oder direkt aus China importieren.

Ein Eingeständnis für Europas Industrie

Die Verhandlungen verdeutlichen das Dilemma der europäischen Autoindustrie. Während auf politischer Ebene versucht wird, chinesische Anbieter durch Zölle einzuschränken, benötigt der größte Autobauer des Kontinents genau deren Technologie und Kapital, um seine eigenen E-Modelle kosteneffizient in Europa zu fertigen. Sollte Gotion tatsächlich eine führende Rolle im Werk Sagunto übernehmen, wäre dies ein Beleg dafür, dass eine völlig autarke Batterieproduktion „Made in Europe“ auf absehbare Zeit kaum wettbewerbsfähig realisiert werden kann.