Jeden Abend spielt sich auf deutschen Raststätten ein gefährliches Drama ab: Lkw-Fahrer finden keine Parkplätze und stehen notgedrungen in Ein- und Ausfahrten. Ein neues Gesetz der Bundesregierung soll nun Abhilfe schaffen und den Ausbau beschleunigen. Doch Experten warnen: Der Plan könnte eine Mogelpackung sein, denn die Finanzierung steht auf tönernen Füßen.

Wer nachts auf deutschen Autobahnen unterwegs ist, kennt das beklemmende Gefühl: Die Rastanlagen sind überfüllt, Lkw stehen dicht an dicht, oft bis weit auf die Verzögerungsstreifen der Ausfahrten oder sogar auf dem Standstreifen der Autobahn. Es ist ein tägliches Himmelfahrtskommando für Pkw-Fahrer und ein Stressfaktor für Logistiker. Der Grund ist simpel: Es fehlen zehntausende Stellplätze.

Das Bundeskabinett hat nun reagiert und den Entwurf des sogenannten Infrastruktur-Zukunftsgesetzes beschlossen. Der bürokratische Name verbirgt einen wichtigen Hebel: Der Bau von Lkw-Rastanlagen wird künftig als „überragendes öffentliches Interesse“ eingestuft. Das soll Planungsverfahren drastisch verkürzen und Bagger schneller rollen lassen. Doch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) schüttet Wasser in den Wein der Euphorie.

Beschleunigung ohne Budget?

Das Problem ist nicht mehr nur das langsame deutsche Planungsrecht, sondern das Geld. Der DVR warnt eindringlich: Die schönste Planungsbeschleunigung ist wirkungslos, wenn am Ende niemand die Rechnungen für den Asphalt bezahlt. Und genau hier klafft eine gewaltige Lücke.

Ein Blick in den Finanzierungsplan für die Jahre 2025 bis 2029 offenbart das Dilemma:

  • Vorgesehen sind im Topf für den Stellplatzausbau aktuell nur 1,9 Milliarden Euro.
  • Weitere 2,1 Milliarden Euro sind bislang ungedeckt.

Experten fürchten, dass bereits im Jahr 2027 der Baustopp droht. Baureife Projekte könnten dann in der Schublade verschwinden, weil der Bund den Geldhahn zudreht. Das Sicherheitsproblem auf den Autobahnen bliebe damit ungelöst.

Wenn die Ruhezeit zum Risiko wird

Für die Lkw-Fahrerinnen und -Fahrer ist die Situation fatal. Sie sind gesetzlich gezwungen, ihre Lenk- und Ruhezeiten einzuhalten. Wenn die Uhr abläuft und kein regulärer Parkplatz in Sicht ist, bleibt oft nur das illegale und hochgefährliche Abstellen des Fahrzeugs in Zufahrten oder zwischen markierten Flächen.

„Wer keinen sicheren Stellplatz findet, kann sich nicht erholen – und wird selbst zum Risiko im Straßenverkehr. Fehlende Lkw-Stellplätze sind deshalb kein Komfortproblem, sondern eine Frage der Verkehrssicherheit.“ – Manfred Wirsch, DVR-Präsident

Die Folgen sind oft schwere Auffahrunfälle, bei denen Pkw ungebremst in widerrechtlich parkende Lkw rasen – oft mit tödlichem Ausgang.

Die Lösung liegt auch abseits der Autobahn

Um den Kollaps zu verhindern, darf der Blick nicht nur auf die Raststätten direkt an der Trasse fallen. Stellplätze müssen auch im Umkreis von bis zu drei Kilometern entlang der Anschlussstellen entstehen – etwa auf privaten Autohöfen oder in Gewerbegebieten. Das bestehende Förderprogramm „SteP“ des Bundesamtes für Logistik und Mobilität ist hierfür ein zentraler Baustein, muss aber dringend neu aufgelegt werden.

Fazit: Das neue Gesetz ist ein richtiger Schritt, aber ohne eine gesicherte Finanzierung bleibt es ein Papiertiger. Wenn der Bund die fehlenden Milliarden nicht mobilisiert, werden Autofahrer auch in Zukunft nachts Slalom um geparkte Lkw fahren müssen.