Ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk an der Zapfsäule? Aktuell fallen die Spritpreise auf den tiefsten Stand seit Jahren. Doch Autofahrer sollten die Freude strategisch nutzen: Denn zum Jahreswechsel dreht der Staat wieder an der Preisschraube – und das nicht zu knapp.

Es ist eine fast schon surreale Momentaufnahme an deutschen Tankstellen: Mitten im Weihnachtsgeschäft, wo die Preise traditionell eher anziehen, erleben Autofahrerinnen und Autofahrer eine echte Entlastung. Ein Liter Super E10 kostet im bundesweiten Schnitt nur noch 1,643 Euro, Diesel ist für 1,586 Euro zu haben. Der Hauptgrund ist ein massiver Verfall des Ölpreises: Die Sorte Brent ist mit unter 59 US-Dollar so günstig wie seit fast fünf Jahren nicht mehr.

Doch diese Ruhe an den Preismasten ist trügerisch. Wer clever ist, nutzt die aktuellen Tiefstwerte noch vor dem Jahreswechsel für eine volle Tankfüllung. Denn ab Januar droht Ungemach.

Der CO2-Hammer kommt pünktlich zum Sektfrühstück

Während viele Deutsche in der Silvesternacht anstoßen, tritt am 1. Januar automatisch die nächste Stufe der CO2-Bepreisung in Kraft. Die Bundesregierung erhöht die Abgabe auf den Ausstoß von Kohlendioxid planmäßig. Für Autofahrer bedeutet das ganz konkret: Der Liter Sprit – egal ob Benzin oder Diesel – kann sich praktisch über Nacht um weitere drei Cent verteuern.

Das klingt zunächst nach Kleingeld, summiert sich aber gewaltig. Schon jetzt macht die CO2-Steuer Super E10 um fast 16 Cent pro Liter teurer als noch im Vergleichsjahr 2020. Bei Diesel sind es sogar gut 17 Cent. Der „Neujahrs-Aufschlag“ kommt also auf ein bereits hohes Niveau obendrauf.

Das ewige Diesel-Ärgernis

Besonders Dieselfahrer blicken trotz der aktuellen Senkungen weiterhin skeptisch auf die Preistafeln. Zwar ist der Selbstzünder-Kraftstoff momentan knapp sechs Cent günstiger als Benzin, doch gemessen an den steuerlichen Vorteilen ist das viel zu wenig. Rein steuerlich wird Diesel nämlich um rund 20 Cent je Liter geringer belastet als Benzin.

Dass dieser Vorteil an der Kasse auf mickrige 5,7 Cent zusammenschmilzt, sorgt beim ADAC und bei Verbraucherschützern seit langem für Kritik. Ein Großteil der eigentlichen Steuerersparnis landet derzeit nicht im Geldbeutel der Pendler, sondern versickert in der Marge der Mineralölkonzerne oder in Vertriebskosten.

Strategie für den Geldbeutel: Wann tanken?

Wer dem Preisanstieg im Januar ein Schnippchen schlagen will, sollte zwei Regeln beachten:

  • Vor Silvester volltanken: Nutzen Sie die Tage zwischen den Jahren. Sobald die CO2-Erhöhung greift, sind die aktuellen Tiefstpreise Geschichte.
  • Die Uhrzeit beachten: Unabhängig vom Jahreswechsel gilt die goldene Regel: Abends tanken. Die Preisdifferenz im Tagesverlauf ist mittlerweile enorm. Wer morgens zur Zapfsäule fährt, zahlt im Schnitt rund 13 Cent mehr pro Liter als in den Abendstunden.

Das aktuelle Preistief ist also eine kurze Atempause – eine „Galgenfrist“ vor der nächsten staatlichen Erhöhung. Nutzen Sie sie.