Explodierende Spritpreise und eine wachsende Sehnsucht nach Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen treiben die Autokäufer in Scharen zu den Elektroautos. Besonders bei Renault glühen aktuell die Drähte: Die Nachfrage nach den Stromern der Franzosen ist so immens, dass die bisherigen Produktionskapazitäten schlichtweg nicht mehr ausreichen und nun eilig Zusatzschichten geplant werden müssen.
Auftragsbücher platzen aus allen Nähten
Die aktuellen geopolitischen Spannungen und die damit verbundenen Rekordpreise an den Tankstellen wirken wie ein mächtiger Katalysator für die Elektromobilität. Vor allem in europäischen Kernmärkten wie Deutschland und Frankreich sind die Bestelleingänge in den vergangenen Monaten um satte 50 Prozent in die Höhe geschnellt.
Wie aus der Führungsriege des Autobauers zu hören ist, arbeitet man derzeit am absoluten Limit. Eine eigens einberufene Taskforce widmet sich nun ausschließlich der komplexen Aufgabe, den gigantischen Bestell-Rückstau so schnell wie möglich aufzulösen.
"Wir übersteigen derzeit die Kapazitäten unserer Zulieferer."
Sonderschichten in ganz Europa
Um die eifrigen Elektro-Kunden nicht mit ewig langen Lieferzeiten zu verärgern, plant das Unternehmen für die zweite Jahreshälfte weitreichende Maßnahmen. Der Fokus liegt dabei auf einer massiven Erhöhung der Taktzahl:
- Einführung von zusätzlichen Schichten in den nordfranzösischen Werken Douai und Maubeuge.
- Ausweitung der Produktion im Werk Novo Mesto in Slowenien.
- Enge Abstimmung mit Partnern, um drohende Lieferengpässe bei Bauteilen rechtzeitig zu umschiffen.
Ein Lichtblick für ungeduldige Käufer: Problematische Flaschenhälse bei der Beschaffung der elementar wichtigen Antriebsbatterien gibt es laut internen Berichten des Herstellers aktuell nicht.
Mit neuen Akkus gegen die Kostenfalle
Damit der Run auf die Ausstellungsräume kein kurzfristiges Phänomen bleibt, wird hinter den Kulissen bereits an der nächsten Preis-Revolution gearbeitet. Renault will mittelfristig verstärkt auf deutlich günstigere Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) setzen. Der Produktionsstart dieser modernen Akkus soll direkt am Standort Douai in Zusammenarbeit mit einem Batterie-Spezialisten anlaufen.
Dies ist nicht nur eine Kampfansage an die Konkurrenz, sondern auch eine strategische Weichenstellung, um E-Autos für die breite Masse noch bezahlbarer zu machen. In den ersten vier Monaten dieses Jahres stiegen die Verkäufe von Elektroautos europaweit bereits um knapp 30 Prozent auf fast eine Million Einheiten. Alles deutet darauf hin, dass die Franzosen diesen Trend nun auf der Überholspur für sich nutzen wollen.