Renault hat in Südkorea überraschend ein neues Flaggschiff enthüllt: Der Renault Filante ist ein mächtiges SUV-Coupé, das selbst den Espace in den Schatten stellt. Doch während die Technik vielversprechend klingt, gibt es für deutsche Fans eine bittere Nachricht.
Es ist ein Paukenschlag aus Fernost: In Seoul hat Renault das Tuch von seinem neuesten und bisher größten Modell gezogen. Der Name „Filante“ – französisch für „Sternschnuppe“ – weckt Erinnerungen an den legendären Rekordwagen Étoile Filante aus den 1950ern. Doch das Fahrzeug, das nun in den Scheinwerfern steht, ist kein flacher Flitzer, sondern ein wuchtiges SUV-Coupé der Oberklasse. Mit knapp 4,92 Metern Länge überragt der Filante nicht nur den hierzulande bekannten Austral, sondern sogar den aktuellen Espace um satte 23 Zentimeter.
Das Design ist selbstbewusst: Eine coupéhafte Dachlinie trifft auf eine bullige Front mit beleuchtetem Rhombus-Grill, der stark an die aktuelle Designsprache von Gilles Vidal erinnert. Doch unter dem Blech verbirgt sich eine Technik-Verwandtschaft, die den Filante zu einem echten Weltbürger macht – und gleichzeitig erklärt, warum er einen großen Bogen um deutsche Autobahnen machen wird.
Geely-Technik im französischen Gewand
Der Filante ist das erste große Ergebnis der Kooperation zwischen Renault und dem chinesischen Giganten Geely. Er basiert auf der bewährten CMA-Plattform (Compact Modular Architecture), die unter anderem auch den Volvo XC40 und den Polestar 2 trägt. Für den Antrieb sorgt ein Vollhybrid-System, das einen 1,5-Liter-Turbobenziner mit zwei Elektromotoren koppelt. Die Systemleistung liegt bei beachtlichen 250 PS, wobei Renault verspricht, dass im Stadtverkehr bis zu 75 Prozent der Strecken rein elektrisch zurückgelegt werden können.
Innen klotzen die Franzosen (oder besser gesagt: die franko-koreanischen Entwickler) richtig ran. Das Cockpit wird von einer riesigen Bildschirmlandschaft dominiert. Drei 12,3-Zoll-Displays verschmelzen zu einem „OpenR Panorama Screen“, ergänzt durch ein Augmented-Reality Head-up-Display, das Navigationshinweise scheinbar direkt auf die Straße projiziert. Ein Niveau, das man eher bei deutschen Premium-Herstellern erwarten würde.
Verbotene Frucht für Europa
Warum also werden wir diesen „BMW X6 auf Französisch“ nicht beim Händler um die Ecke sehen? Die Antwort ist strategisch: Renault positioniert den Filante gezielt für Märkte, in denen große Limousinen und SUVs immer noch das Statussymbol schlechthin sind – primär Südkorea, den Nahen Osten und Südamerika.
Für Europa bleibt der erst kürzlich eingeführte Renault Rafale das Topmodell im Coupé-SUV-Segment. Konzernintern möchte man wohl Kannibalisierungseffekte vermeiden. Zudem ist der Filante speziell auf die Bedürfnisse außereuropäischer Märkte zugeschnitten, wo Diesel keine Rolle spielen und reine E-Mobilität in diesem Segment noch langsamer Fuß fasst als hierzulande.
Ein Name mit Geschichte
Der Name ist übrigens kein Zufall: Er ist eine Hommage an die „Étoile Filante“, jenen gasturbinengetriebenen Rekordwagen, der 1956 auf den Salzseen von Bonneville fast 309 km/h erreichte. Ein passendes Erbe für ein Auto, das die Marke Renault in neue Sphären heben soll – wenn auch leider nicht bei uns. Deutsche Kunden müssen sich also weiterhin mit dem Rafale begnügen, der zwar etwas kompakter, aber optisch nicht weniger aufregend ist.