Der Wandel zur Elektromobilität verläuft holpriger als von vielen Herstellern erhofft. Fehlende Ladeinfrastruktur und die chronische Angst, mit leerem Akku liegen zu bleiben, schrecken noch immer zahlreiche Käufer ab. Renault zieht nun ein echtes Ass aus dem Ärmel: die sogenannte EREV-Technologie (Extended Range Electric Vehicle). Diese soll als goldene Brücke zwischen dem klassischen Verbrenner und der reinen E-Mobilität dienen.

Ein Mini-Kraftwerk im Kofferraum-Format

Im Kern der neuen Strategie steht eine hochmoderne Fahrzeugarchitektur, die künftig zahlreiche Modelle der Kompakt- und Mittelklasse tragen wird. Die Besonderheit: Neben reinen Batterie-Elektroautos, die immerhin schon bis zu 750 Kilometer schaffen sollen, ist die Plattform speziell für Range Extender ausgelegt.

Das Prinzip ist clever und grenzt sich massiv vom klassischen Plug-in-Hybrid ab. Während bei herkömmlichen Teilzeit-Stromern der Verbrennungsmotor irgendwann direkt die Räder antreibt, arbeitet er beim EREV ausschließlich als Stromgenerator für die Batterie.

  • Das Beschleunigungs- und Fahrgefühl bleibt durchgehend zu 100 Prozent elektrisch.
  • Es ist kein schweres oder komplexes Getriebe mehr nötig.
  • Die Gesamteffizienz des Systems steigt drastisch an.

Ein völlig neu entwickelter, extrem kompakter Vierzylinder-Motor, der angeblich kaum größer als ein Handgepäck-Koffer ist, fungiert dabei als unsichtbares Bordkraftwerk. Das Resultat ist eine geradezu absurde Gesamtreichweite von bis zu 1.400 Kilometern mit einer Akku- und Tankfüllung.

Frontalangriff auf den "Fake-Hybrid"

Hinter vorgehaltener Hand – und teils auch ganz offen – wettert das Top-Management der Autobauer bereits gegen klassische Plug-in-Hybride. Diese würden von den Kunden im Alltag kaum geladen und fast nur mit fossilem Kraftstoff bewegt, weshalb man intern oft von Mogelpackungen spricht. Der Range Extender hingegen erzwingt die flüssige, rein elektrische Fahrt, nimmt dem Fahrer aber auf der langen Urlaubsreise nach Italien oder Spanien völlig den Druck, penibel Ladesäulen einplanen zu müssen.

"Die meiste Zeit genießen Kunden ein echtes Elektroauto, aber an dem Tag, an dem sie 1.000 Kilometer fahren müssen, verschwindet die Angst vor der fehlenden Ladestation."

Vorbild China: Der Gamechanger für Europa?

In China sind EREVs längst ein gigantischer Verkaufsschlager und dominieren die Neuzulassungen. Europäische Marken hielten sich mit dieser Technologie bislang vornehm zurück. Doch Renaults mutige Neuausrichtung könnte den hiesigen Markt nun komplett umkrempeln. Die Technologie richtet sich exakt an jene Autofahrer, die zwar Lust auf den lautlosen elektrischen Antrieb haben, der rein batterieelektrischen Welt aber noch nicht vollends über den Weg trauen. Wenn in naher Zukunft die ersten EREV-Varianten populärer Baureihen wie dem Scenic oder Rafale auf die Straße rollen, dürfte der Range Extender vom Nischenprodukt zur ultimativen Brückentechnologie für deutsche Vielfahrer aufsteigen.