Es ist ein Pakt, der die Porsche-Belegschaft tief spaltet: Vorstand und Gesamtbetriebsrat des Stuttgarter Sportwagenherstellers haben sich nach zähen Verhandlungen auf ein weitreichendes „Zukunftspaket“ geeinigt. Auf der einen Seite steht eine historische Standortsicherung: Bis Ende 2035 schließt die VW-Tochter betriebsbedingte Kündigungen aus und investiert kumuliert 2,1 Milliarden Euro in das Stammwerk Zuffenhausen und das Entwicklungszentrum Weissach. Auf der anderen Seite fordert der unter dem Namen „Sportwagenschmiede 35“ vereinbarte Sparkurs ein enormes Opfer: Bis 2035 sollen in der Region Stuttgart weitere 5.000 Stellen gestrichen werden. Für die verbleibende Belegschaft bedeutet das Paket zudem herbe Einschnitte beim Gehalt und im Arbeitsalltag.

Die nackten Zahlen: Fast jeder vierte Job in der Region Stuttgart betroffen

Die Dimensionen des Sparpakets verdeutlichen, wie tief Porsche in der Krise steckt. Mit rund 20.600 Beschäftigten in der Region Stuttgart treffen die neu angekündigten 5.000 Stellenstreichungen die heimischen Werke mit voller Wucht: Nahezu jeder vierte Porsche-Arbeitsplatz (rund 24 Prozent) in Zuffenhausen und Weissach soll bis 2035 wegfallen. Der Abbau soll laut Unternehmen zwar sozialverträglich über natürliche Fluktuation, demografische Effekte, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge erfolgen – ein herber Einschnitt bleibt es dennoch.

Zusammen mit dem bereits im Vorjahr beschlossenen Abbau von rund 3.900 Stellen sowie weiteren 500 Jobs bei Tochtergesellschaften summiert sich der geplante Personalabbau bis 2035 auf insgesamt rund 9.000 Stellen. Bezogen auf die weltweite Porsche-Belegschaft von zuletzt rund 42.000 Menschen bedeutet dies: Fast jede fünfte Stelle im gesamten Konzern wird gestrichen.

Ein teuer erkaufter Kündigungsschutz: Die Opfer der Belegschaft

Um die Investitionen von 2,1 Milliarden Euro zu stemmen und die Produktion der zweitürigen Sportwagen – allen voran den legendären Porsche 911 – dauerhaft in Zuffenhausen zu halten, müssen die verbleibenden Mitarbeiter massive Zugeständnisse machen. Das ausgehandelte Paket sieht drastische Kürzungen bei den Personalkosten vor:

  • Lohnverzicht: Von aktuellen und künftigen Tariferhöhungen werden bis 2035 insgesamt 3,5 Prozent einbehalten. Dies betrifft sowohl den Porsche-spezifischen Entgeltrahmen als auch das Management.
  • Weihnachtsgeld-Kürzung: Der freiwillige betriebliche Anteil des Weihnachtsgelds schrumpft von 45 Prozent auf nur noch 5 Prozent. Damit sinkt die jährliche Sonderzahlung von bisher bis zu 100 Prozent auf magere 60 Prozent eines Monatsgehalts.
  • Begrenztes Homeoffice: Die Flexibilität im Büroalltag schrumpft deutlich. Mobiles Arbeiten ist künftig nur noch an maximal acht statt bisher zwölf Tagen im Monat erlaubt.
  • Produktionstaktung: In den Werkshallen werden Pausen- und Taktzeiten angepasst, um die Produktivität und Auslastung der Maschinen spürbar zu erhöhen.
  • Führungsebene verzichtet: Das obere und Top-Management geht mit gutem Beispiel voran und verzichtet in den Jahren 2027 und 2028 auf jegliche Erhöhungen der Grundvergütung.

Immerhin gibt es ein kleines Trostpflaster als Ausgleich: Tarifbeschäftigte erhalten im August 2026 eine einmalige Transformationsprämie von 1.500 Euro. Mitglieder der IG Metall profitieren von zusätzlichen Vergünstigungen, darunter ein Aufschlag von 411 Euro sowie ein Sonderbonus, der aus einem freien Tag und einem Wertgutschein im Wert von 200 Euro besteht.

Strategische Kehrtwende: Warum CEO Michael Leiters die Notbremse zieht

Dass der Sportwagenbauer zu solch drastischen Schritten gezwungen ist, liegt an einer Verkettung globaler Probleme. Allen voran das schwächelnde China-Geschäft bereitet Kopfzerbrechen: Im ersten Halbjahr 2026 brachen die Verkäufe im Reich der Mitte um massive 32 Prozent ein. Weltweit gingen die Auslieferungen von Porsche in den ersten sechs Monaten des Jahres um 16 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge zurück. Gleichzeitig erweist sich die ehemals ambitionierte Elektro-Strategie als Mühlstein: Der weltweite Elektro-Anteil bei den Neuzulassungen der Marke sank von 25,9 Prozent im ersten Quartal 2025 auf nur noch 19,8 Prozent im ersten Quartal 2026.

Unter dem seit Anfang 2026 amtierenden Vorstandsvorsitzenden Dr. Michael Leiters zieht Porsche deshalb die Reißleine. Die bisherige, auf bis zu 400.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegte Struktur passt nicht mehr zur Absatzrealität – intern rechnet der Autobauer nun mit höchstens 250.000 Verkäufen jährlich. Leiters korrigiert zudem den Kurs in Richtung Elektromobilität und erteilte einem vollelektrischen Porsche 911 eine klare Absage. Die Markenikone soll weiterhin als Verbrenner und Performance-Hybrid glänzen.

Porsche-Chef Michael Leiters betonte die Notwendigkeit des harten Sparkurses:

"Mit dem Zukunftspaket legen wir das Fundament unserer Strategie Sportwagenschmiede 35. Jetzt gilt es gemeinsam zu liefern. Denn klar ist: Nur wenn wir unsere Ziele erreichen und wirtschaftlich erfolgreich sind, können wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auch die nötige Sicherheit geben."

Ein Signal an die gesamte Volkswagen-Gruppe

Das Stuttgarter Sparpaket hat enorme Signalwirkung. Während beim Mutterkonzern Volkswagen und der Schwestermarke Audi über Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen spekuliert wird, erkauft sich Porsche mit dem harten Verzicht der Belegschaft eine Jobgarantie bis Ende 2035. Für Betriebsratschef Ibrahim Aslan ist das Paket daher trotz aller Schmerzen ein hart erkämpfter Erfolg: Man schaue nun wieder nach vorne – für die Stammbelegschaft und die legendäre Marke Porsche. Ob die Strategie „Sportwagenschmiede 35“ aufgeht und den kriselnden Premium-Hersteller wieder zu alter Ertragsstärke führt, wird sich im Oktober zeigen. Dann will Leiters die genauen Details auf einem Capital Markets Day offiziell vorstellen.