Der Porsche 911 Turbo S ist seit jeher der unangefochtene Alleskönner im Sportwagen-Olymp: Er vereint extremen Langstreckenkomfort mit brutaler Rennstrecken-Performance. Mit dem neuen Facelift der Generation 992.2 bricht Porsche nun jedoch mit einer Tradition. Erstmals zieht im Spitzen-Elfer ein elektrifiziertes Herz ein. Das sogenannte T-Hybrid-System macht das Coupé nicht nur zum stärksten Serien-Elfer aller Zeiten, sondern stellt auch fahrphysikalisch alles bisher Dagewesene in den Schatten.
Dass die Elektrifizierung hier absolut nichts mit einem trägen Öko-Hybrid zu tun hat, beweist der Blick auf das Datenblatt: Satte 711 PS (523 kW) Systemleistung wirft das neue Triebwerk in die Waagschale.
Elektrische Biturbo-Power: So funktioniert das T-Hybrid-System
Das Herzstück der technischen Revolution ist ein komplett neu entwickelter 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor. Während Porsche dieses Prinzip bereits beim schwächeren 911 Carrera GTS eingeführt hat, zünden die Ingenieure beim Turbo S die nächste Stufe. Anstelle von nur einem elektrischen Abgasturbolader (eTurbo) verfügt der Turbo S über gleich zwei dieser Hightech-Lader.
Zwischen dem Verdichter- und dem Turbinenrad sitzt jeweils ein kleiner Elektromotor. Dieser bringt die Lader in Millisekunden und völlig unabhängig von der Motordrehzahl auf Touren – das berüchtigte Turboloch gehört damit endgültig der Vergangenheit an.
Zusätzlich sorgt eine im Gehäuse des Achtgang-Doppelkupplungsgetriebes (PDK) integrierte E-Maschine für zusätzlichen Punch. Unterstützt von einer kompakten, rund 2 kWh großen und extrem leichten Performance-Batterie schiebt das System den Allradler mit einem maximalen Drehmoment von 800 Nm vorwärts.
Die Fahrleistungen sind schlicht atemberaubend:
- Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in gerade einmal 2,5 Sekunden.
- Nach nur 8,4 Sekunden fällt bereits die 200-km/h-Marke.
- Erst bei einer Höchstgeschwindigkeit von 322 km/h endet der Vortrieb. Dass die Spitze im Vergleich zum Vorgänger (330 km/h) minimal sinkt, liegt an der aerodynamischen Abstimmung und der geänderten Getriebeübersetzung – auf der Rennstrecke ist der Neue dennoch um Welten schneller.
Nordschleifen-Fabelzeit: 14 Sekunden schneller trotz Mehrgewicht
Ein kritischer Punkt bei jedem Hybrid ist das Gewicht. Durch die zusätzliche Batterie und die Elektromotoren schleppt der neue Turbo S rund 85 Kilogramm mehr mit sich herum als sein Vorgänger. Dass man davon in der Praxis absolut nichts merkt, liegt am genialen Zusammenspiel aus Fahrwerk und aktiver Aerodynamik.
Das neue Hochvolt-Bordnetz ermöglicht unter anderem den serienmäßigen Einsatz der blitzschnellen elektrohydraulischen Wankstabilisierung (PDCC). Zusammen mit neu gestalteten, verstellbaren Kühlluftklappen an der Front und einem überarbeiteten Heckflügel saugt sich der Elfer regelrecht am Asphalt fest.
Das Ergebnis ist eine notariell beglaubigte Fabelzeit auf der legendären Nürburgring-Nordschleife: In exakt 7:03,92 Minuten brannte Porsche-Markenbotschafter Jörg Bergmeister die Rundenzeit in den Asphalt. Das ist ein gigantischer Vorsprung von rund 14 Sekunden auf den Vorgänger.
Bergmeister zeigt sich nach den Testfahrten begeistert:
"Vom Gewichtszuwachs spürt man nichts. Im Gegenteil – das Auto ist deutlich agiler, hat mehr Grip und ist in allen relevanten Streckenabschnitten deutlich schneller als der bisherige 911 Turbo S."
Der Preis für die absolute Perfektion
So viel High-End-Technologie hat natürlich ihren Preis. Der Einstieg für das neue Porsche 911 Turbo S Coupé liegt bei selbstbewussten 271.000 Euro. Wer lieber unter freiem Himmel die brutale Beschleunigung genießen möchte, muss für das Cabriolet mindestens 285.200 Euro auf den Tisch legen.
Immerhin spendiert Porsche dem Topmodell ab Werk eine erstklassige Ausstattung. Neben der erwähnten Wankstabilisierung sind auch eine Keramik-Verbundbremsanlage mit riesigen Scheiben sowie die 18-Wege-Sportsitze Plus serienmäßig an Bord. Optisch unterscheidet sich der neue Turbo S zudem durch exklusive Akzente in der Farbe „Turbonit“ – einem eleganten, dunklen Anthrazit-Ton, der den Logos, Schriftzügen und Felgendetails vorbehalten ist.
Der neue Porsche 911 Turbo S beweist eindrucksvoll: Die Elektrifizierung ist im Supersportwagen-Segment kein fauler Kompromiss, sondern das ultimative Werkzeug für noch mehr Performance.