Ein GT-Sportler von Porsche ohne festes Dach war bisher eine absolute Rarität – und wenn, dann kam er meist als puristischer Speedster mit manuell zu bedienendem Notverdeck daher. Mit dem neuen Porsche 911 GT3 S/C ändert sich das radikal: Erstmals pflanzen die Ingenieure aus Zuffenhausen den legendären 510-PS-Saugmotor in ein vollwertiges Cabriolet mit vollautomatischem Verdeck. Doch der wahre Geniestreich dieses bis zu 9.000 Touren drehenden Leichtbau-Monsters offenbart sich erst beim Blick ins Cockpit und auf das europäische Gesetzbuch. Dank einer cleveren Zulassungs-Lücke liefert der mindestens 269.000 Euro teure Sportwagen ein analoges Fahrgefühl, das man in modernen Autos eigentlich längst verloren glaubte.

Der Trick mit der Kleinserie: Keine nervigen EU-Assistenten

Einfach einsteigen, den traditionellen Zünddrehschalter links vom Lenkrad betätigen und losfahren – ganz ohne anschließendes Suchen im Infotainment-Menü, um das gesetzlich vorgeschriebene Tempolimit-Gepiepse (ISA) und den Spurhalteassistenten zu deaktivieren. In Zeiten der neuen EU-Sicherheitsrichtlinien grenzt das für Puristen an ein Wunder.

Porsche macht sich hierfür eine spezielle Homologations-Regelung für Kleinserien zunutze: Da pro Jahr weniger als 1.500 Fahrzeuge dieses Typs in Europa zugelassen werden, entfällt die Pflicht für diese bevormundenden Systeme komplett. Wer das Auto startet, erlebt pure, ungestörte Mechanik. Kein Piepsen bei minimalen Tempoüberschreitungen, kein ruckartiger Eingriff in die Lenkung – stattdessen ungefilterte Konzentration auf die Straße.

S/T-Technik für die Diät: Unter der magischen 1,5-Tonnen-Grenze

Cabriolets gelten im Sportwagenbereich traditionell als schwerfällig, da die fehlende Dachstruktur durch schwere Versteifungen im Unterbau kompensiert werden muss. Nicht so beim 911 GT3 S/C. Das Entwicklerteam zog sämtliche Register der Leichtbau-Kunst und übernahm wesentliche Karosserie- und Fahrwerksteile des streng limitierten 911 S/T.

Die Kotflügel, die Fronthaube und die Türen (samt den charakteristischen Bügelgriffen) bestehen aus ultraleichtem Kohlefaser-Verstärktem Kunststoff (CfK). Sogar die Stabilisatoren und das hintere Schubfeld des Fahrwerks wurden aus Carbon gefertigt. Dazu kommen weitere konsequente Diät-Maßnahmen:

  • Die serienmäßige Carbon-Keramik-Bremsanlage (PCCB) spart im Vergleich zu Stahlbremsen rund 20 Kilogramm an ungefederter Masse ein.
  • Die filigranen 20- und 21-Zoll-Magnesium-Schmiederäder vom S/T eliminieren weitere 9 Kilogramm rotierende Masse.
  • Ein extrem kompaktes Verdeckgestell setzt ebenfalls auf integrierte Magnesium-Spanten.
  • Eine leichte 40-Ah-Lithium-Ionen-Batterie (-4 kg) sowie Leichtbau-Teppiche im Innenraum runden die Abspeckkur ab.

Das Ergebnis ist spektakulär: Mit einem fahrfertigen DIN-Leergewicht von nur 1.497 Kilogramm bleibt der offene Zweisitzer haarscharf unter der magischen 1,5-Tonnen-Marke. Er wiegt damit lediglich 35 Kilogramm mehr als ein geschlossener 911 GT3 mit Handschaltung.

9.000 Umdrehungen und nur sechs Gänge

Hinter den beiden Insassen – der GT3 S/C wird als reiner Zweisitzer ausgeliefert – schreit das bekannte 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer-Triebwerk. Der Saugmotor leistet 510 PS (375 kW) bei einem maximalen Drehmoment von 450 Nm. Dank modifizierter Zylinderköpfe und schärferer Nockenwellen aus dem GT3 RS giert der Triebstrang nach Drehzahlen und rennt erst bei ohrenbetäubenden 9.000 U/min in den Begrenzer.

Um das Erlebnis so puristisch wie möglich zu gestalten, gibt es kein Doppelkupplungsgetriebe (PDK). Der GT3 S/C wird ausschließlich mit dem knackigen Sechsgang-Sportschaltgetriebe ausgeliefert. Dieses verfügt über die ultrakurze Übersetzung des S/T, was für eine gnadenlose Beschleunigung sorgt. Aus dem Stand sprintet das Triebwerk-Cabriolet in nur 3,9 Sekunden auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei windigen 313 km/h.

Die Verantwortlichen der GT-Baureihe fassen den Reiz des puristischen Frischluft-Gefühls zusammen:

"Der emotionale Antrieb des 911 GT3 kommt bei Fahrten mit offenem Dach auf kurvigen Landstraßen noch besser zur Geltung. Vor allem weil wir es geschafft haben, das Gewicht des 911 GT3 S/C mit 1.497 Kilogramm trotz vollautomatischem Verdeck besonders niedrig zu halten."

Ein Preis der Extraklasse und das exklusive Optik-Paket

Diese geballte Ladung Purismus lässt sich Porsche standesgemäß bezahlen. Der Grundpreis für den 911 GT3 S/C liegt in Deutschland bei stolzen 269.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Das entspricht einem saftigen Aufschlag von satten 60.000 Euro gegenüber einem herkömmlichen GT3 Coupé.

Wer es optisch noch extravaganter mag, kann das optionale „Street Style Paket“ für zusätzliche 27.941,20 Euro ordern. Damit zieht reichlich rote Kontrastfarbe an der Karosserie und im Cockpit ein, ergänzt durch ein exklusives vierfarbiges Flechtleder an den Sitzen und Türtafeln. Voll ausgestattet knackt der Ausnahmesportler damit spielend die 300.000-Euro-Marke – im hauseigenen Konfigurator schlägt er dann mit genau 301.998,70 Euro zu Buche. Die ersten Kundenfahrzeuge sollen pünktlich zum Spätsommer ausgeliefert werden.