Wer dachte, der extreme Defender OCTA sei das absolute Maximum des britischen Geländewagens, wird nun eines Besseren belehrt: Auf der Monterey Car Week in Kalifornien hat Land Rover den Defender Dakar als exklusive Design-Vorschau enthüllt. Die limitierte Kleinserie verwandelt den rallyeerprobten Siegerwagen D7X-R in ein straßentaugliches Offroad-Gerät für besonders ambitionierte Abenteurer. Das Kuriose dabei: Während das strenge Reglement der „Stock“-Klasse bei der Rallye Dakar das Rennfahrzeug auf rund 400 PS einbremste, darf die straßenzugelassene Variante völlig ungeniert durchatmen und leistet fette 635 PS.

Ungefilterte V8-Power statt strengem Reglement

Unter der markanten Carbon-Motorhaube wummert ein alter Bekannter: der von BMW stammende 4,4-Liter-V8-Biturbo. Da für die Straße keine restriktiven Motorsport-Regeln gelten, schickt das Triebwerk ungefilterte 635 PS (626 bhp) und ein maximales Drehmoment von 750 Newtonmetern an alle vier Räder. Damit übertrifft die Straßenversion den Dakar-Sieger, der reglementbedingt auf rund 400 PS (394 hp) begrenzt war, um sagenhafte 235 PS.

Die technische Basis teilt sich das Sondermodell eng mit dem D7X-R-Rennwagen, der die Dakar-Rallye 2026 in der seriennahen Klasse regelrecht dominierte und bei seinem Debüt auf Anhieb den Klassensieg holte. Karosseriestruktur, Getriebe und Allradantrieb wurden eins zu eins vom Gewinnerauto übernommen. Beide basieren wiederum auf der robusten Architektur des extremen Serien-Defender OCTA.

Der Geschäftsführer der Marke Defender, Mark Cameron, kommentierte den Mut, ein echtes Rallye-Rennauto für die Straße anzubieten, mit stolzen Worten:

„Wir haben unsere Ingenieure angetrieben, weiter zu gehen als je zuvor. Erst haben wir den Defender OCTA zum D7X-R weiterentwickelt, und dann haben wir uns gefragt: Können wir den Dakar-Siegertyp D7X-R straßentauglich machen? Das Ergebnis ist der Defender Dakar. Er ist der ultimative Ausdruck von Abenteuer und spiegelt wider, wie wir das Unmögliche anpacken.“

Ein Fahrwerk für den großen Sprung – mit „Flight Mode“

Damit das V8-Monster nicht nur schnell geradeaus fährt, sondern auch härteste Wüstenpisten meistert, spendiert Land Rover dem Defender Dakar ein massiv überarbeitetes Fahrwerk. Im Gegensatz zu den Luftfedern und dem hydraulisch gekoppelten „6D Dynamics“-System des OCTA setzt der Dakar auf klassische, aber extrem robuste Motorsport-Komponenten:

  • Rallye-erprobte Aufhängung: Speziell abgestimmte Schraubenfedern und hochmoderne, im Rennsport bewährte Bilstein-Dämpfer („Bilstein Advanced Dampers“) schlucken selbst tiefste Krater im Gelände.
  • Breite Spur & Riesen-Reifen: Eine deutlich verbreiterte Spur vorn und hinten sowie eine vergrößerte Bodenfreiheit sorgen für maximale Stabilität bei hohem Tempo, während gewaltige 35-Zoll-All-Terrain-Reifen auf geschmiedeten 20-Zoll-Felgen für maximalen Grip sorgen.
  • Flugmodus inklusive: Neben neuen Offroad-Modi für Sanddünen („Dunes“) und Schotter („Gravel“) gibt es den spektakulären „Flight-Modus“. Diese Technologie wurde ursprünglich entwickelt, um das Fahrzeug bei weiten Sprüngen in der Luft zu stabilisieren und eine butterweiche Landung zu garantieren.

Optisch lässt der Defender Dakar keinen Zweifel an seinen Genen. Mit genieteten Kotflügelverbreiterungen, Zusatzscheinwerfern auf dem Dach, einem festen Metalldach, einem hochgezogenen Carbon-Schnorchel für die Luftansaugung und einem massiven Unterfahrschutz aus Metall ist er ein Beinahe-Klon des echten Rennwagens. Als exklusive Lackierung steht unter anderem die markante Kombination aus „Dakar Sand“ für die Karosserie und „Yanbu Turquoise“ für das Dach bereit – inspiriert von der offiziellen Renn-Livery des Siegerautos.

Schalensitze und Helmablage im Interieur

Auch im Innenraum weht rauer Wüstenwind. Anstelle einer klassischen Rückbank setzt Land Rover auf ein sportliches 2+2-Layout. Fahrer und Beifahrer nehmen in speziell für dieses Modell entworfenen Renn-Schalensitzen Platz, die sich optional mit Vierpunktgurten ausrüsten lassen.

Im Heck des SUVs geht es extrem funktional zu: Hier haben die Ingenieure spezielle Halterungen für Rennhelme, einen integrierten Luftkompressor sowie eine robuste Halterung für ein vollwertiges Ersatzrad direkt hinter der Heckklappe untergebracht.

Wer das wilde Rallye-Biest in seine Garage stellen möchte, muss sich noch etwas gedulden. Land Rover hat den Defender Dakar in Kalifornien zunächst als Design-Vorschau („Design Preview Model“) präsentiert. Die offiziellen Reservierungsbücher öffnen erst Anfang 2027, zeitgleich mit der nächsten Rallye Dakar, bei der der Hersteller auch die letzten technischen Details sowie die Preise verraten wird. Eines ist jedoch jetzt schon klar: Günstig wird dieses exklusive Stück Motorsport-Geschichte in limitierter Stückzahl definitiv nicht.