Die wirtschaftlichen Aussichten für 2025 verdüstern sich: Die Creditreform prognostiziert einen massiven Anstieg der Privatinsolvenzen auf den höchsten Wert seit zehn Jahren. Während Banken ihre Kreditvergabe restriktiver handhaben, boomt eine Nische, die bisher eher Unternehmen vorbehalten war: Das eigene Auto zu Geld machen, ohne auszusteigen.

Die Zahlen sind alarmierend: Für das Jahr 2025 rechnet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit mehr als 76.000 Privatinsolvenzen in Deutschland. Das ist nicht nur eine statistische Kurve, die nach oben zeigt, sondern ein Indikator für die finanzielle Fragilität vieler Haushalte. Laut Eurostat verfügen 32 Prozent der Menschen hierzulande über Rücklagen von weniger als 1.250 Euro. Wenn dann die Waschmaschine streikt oder eine saftige Nebenkostennachzahlung ins Haus flattert, ist der Dispo oft schon am Limit.

In der Vergangenheit führte der Weg in solchen Fällen meist zur Hausbank. Doch im aktuellen Zinsumfeld und angesichts strengerer Vergaberichtlinien stoßen Verbraucher mit mäßiger Bonität immer öfter auf verschlossene Türen. In dieses Vakuum stoßen nun Fintechs mit einem Modell, das in der Unternehmenswelt unter dem Namen „Sale-and-Rent-Back“ längst etabliert ist.

Das Auto als „Tafelsilber“ der Mittelschicht

Das Prinzip ist simpel, aber für den deutschen Privatmarkt relativ neu in dieser digitalen Konsequenz: Der Eigentümer verkauft sein Fahrzeug an einen Anbieter, erhält sofort den Kaufpreis ausgezahlt, mietet den Wagen aber im selben Atemzug zurück. Das Auto bleibt in der Einfahrt stehen, der Brief wechselt den Besitzer, und auf dem Konto herrscht wieder Liquidität.

Einer der Akteure in diesem wachsenden Markt ist die Münchner fintechOne mobility GmbH mit ihrer Marke flowCar. „Unternehmen nutzen schon seit vielen Jahren die Möglichkeit, das in ihren Immobilien oder Maschinen gebundene Kapital flüssig zu machen“, erklärt Geschäftsführer Sven Kirchberg. Dass dieses Modell nun im Privatsektor Fuß fasst, zeigen die Geschäftszahlen: Allein 2025 stellte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 8 Millionen Euro an Liquidität für Privatkunden bereit – bei einer Verdopplung der angekauften Fahrzeuge.

Marktpotenzial von 460 Milliarden Euro

Für die Anbieter ist der deutsche Markt eine Goldgrube. Rund 460 Milliarden Euro Kapital sind laut Schätzungen in bezahlten Privatfahrzeugen auf deutschen Straßen gebunden. In Zeiten der Rezession wird dieses „Blech-Kapital“ für viele zur letzten Reserve.

Der entscheidende Unterschied zum klassischen Autokredit: Es findet keine Bonitätsprüfung im klassischen Sinne statt. Da das Auto verkauft wird, dient der Sachwert selbst als alleinige Sicherheit. „Wir haben die Zugangshürden zu Liquidität drastisch vereinfacht“, sagt Mitgeschäftsführer Aris K. Zantiotis. Der Prozess läuft mittlerweile fast vollständig digital ab – von der Bewertung per Livestream bis zur Auszahlung.

Liquidität hat ihren Preis

Für Verbraucher ist dieses Modell ein zweischneidiges Schwert, das genau kalkuliert sein will. Es eignet sich primär, um kurzfristige Spitzenbelastungen abzufedern, wenn herkömmliche Bankdarlehen nicht greifen. Wer sein Auto verkauft und zurückmietet, umgeht zwar die Schufa-Hürde und behält seine Mobilität, zahlt dafür aber über die monatliche Miete in der Regel höhere effektive Kosten als bei einem günstigen Ratenkredit.

Dennoch dürfte die Nachfrage weiter steigen. Wenn die klassische Bankfinanzierung für Geringverdiener oder Selbstständige in der Krise wegbricht, wird das eigene Fahrzeug zunehmend vom Fortbewegungsmittel zum finanziellen Rettungsanker umfunktioniert. Für 2025 zeichnet sich ab: Wer „flüssig“ bleiben will, muss kreativ werden – oder bereit sein, sein Eigentum zu monetarisieren.