Zum ersten Mal seit dem Börsengang im Jahr 1957 rutscht der japanische Autogigant Honda tief in die roten Zahlen. Ein dramatischer Milliardenverlust zwingt die Konzernspitze nun zu einem beispiellosen Strategiewechsel. Die ambitionierten Pläne für eine rein elektrische Zukunft werden drastisch beschnitten – zugunsten einer fast schon totgesagten Antriebsform.

Es ist ein regelrechtes Beben in der Automobilindustrie: Rund 2,6 Milliarden US-Dollar (etwa 2,4 Milliarden Euro) Verlust muss Honda für das abgelaufene Geschäftsjahr verbuchen. Verantwortlich dafür ist in erster Linie das strauchelnde Geschäft mit reinen Elektroautos. Enorme Abschreibungen und Restrukturierungskosten in Höhe von fast zehn Milliarden Dollar im Elektrosegment haben die Kassen des Herstellers massiv geleert. Die radikale Konsequenz: Die Konzernführung zieht bei der bisherigen E-Strategie hart die Reißleine.

Traum von der reinen E-Zukunft platzt

Noch vor wenigen Jahren tönte es aus Tokio ganz anders. Bis 2040 sollte das gesamte globale Portfolio vollständig auf Batterie- oder Brennstoffzellenantriebe umgestellt werden. Dieses Ziel ist nun offiziell vom Tisch. Auch Prestigeprojekte mit völlig neu entwickelten Elektro-Plattformen, die insbesondere für den nordamerikanischen Markt vorgesehen waren, wurden vorerst auf Eis gelegt oder gar komplett gestrichen.

Der Grund für das Umdenken ist vielschichtig:

  • Die globale Nachfrage nach reinen Stromern kühlt sich spürbar ab.
  • Hohe Entwicklungskosten und ein brutaler Preiskampf zehren an den Gewinnmargen.
  • Der Wegfall staatlicher Förderungen bremst den Absatz zusätzlich.

"Wir müssen die Blutung so schnell wie möglich stoppen und den Weg für künftiges Wachstum ebnen."

Hybride als Heilsbringer

Anstatt weiterhin zweistellige Milliardenbeträge in einen stockenden reinen E-Auto-Markt zu pumpen, vollzieht der Hersteller eine Kehrtwende und setzt voll auf die bewährte Hybridtechnologie. Bis zum Jahr 2030 sollen weltweit 15 neue Hybridmodelle auf den Markt gebracht werden. Das globale Absatzziel für diese teilelektrifizierten Fahrzeuge wurde im Zuge dessen von 2,2 auf 2,5 Millionen Einheiten pro Jahr nach oben korrigiert.

Zwei seriennahe Prototypen geben bereits einen Ausblick auf die neue Ausrichtung: Eine schnittige, silberne Fastback-Limousine, die auf die nächste Generation etablierter Mittelklassemodelle hindeuten könnte, sowie ein markant gezeichnetes Crossover-SUV. Beide Fahrzeuge sollen durch deutlich geringere Produktionskosten, halbierte Entwicklungszeiten und hohe Effizienz punkten.

Ein branchenweites Signal

Dieser Strategiewechsel könnte Signalwirkung für die gesamte Branche haben. Der japanische Konzern unterstreicht damit einen Trend, den auch andere namhafte Autobauer derzeit schmerzlich erkennen müssen: Der Übergang zur reinen Elektromobilität verläuft deutlich holpriger und kostspieliger als von der Politik und vielen Unternehmenslenkern erhofft. Wer global überleben und profitabel wirtschaften will, braucht Flexibilität statt Technologie-Dogmatismus. Für Autokäufer bedeutet das vor allem eines: Der Verbrennungsmotor, clever verknüpft mit moderner Elektrotechnik, bleibt der Massenmobilität noch deutlich länger erhalten als gedacht.