Die Debatte um das Ende des Verbrennungsmotors ist wieder voll entflammt. Ex-Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) warnt eindringlich: Das politische Hin und Her vernichtet Planungssicherheit und gefährdet den Industriestandort Deutschland massiv. Statt Scheingefechte zu führen, müsse die Politik endlich die wahren Preistreiber an der Ladesäule bekämpfen.

Es ist ein Déjà-vu, das die deutsche Autoindustrie teuer zu stehen kommen könnte. Während in Brüssel über eine mögliche Aufweichung der CO2-Flottengrenzwerte spekuliert wird, rechnet die ehemalige Umweltbundesministerin Steffi Lemke hart mit der aktuellen Debattenkultur ab. Im Interview mit dem Sender phoenix erklärte sie, der „industriepolitische Schaden“ sei durch die „unselige deutsche Diskussion“ bereits angerichtet.

Die Kernkritik der Grünen-Politikerin: Unternehmen investieren Milliarden in Zyklen von fünf bis zehn Jahren. Wenn heute die Rahmenbedingungen für 2035 wieder infrage gestellt werden, vernichtet das Kapital und Arbeitsplätze. „Wir haben einen planbaren, verlässlichen Pfad vorgegeben“, so Lemke. Doch diese Verlässlichkeit sei durch die jüngsten Vorstöße von Union-Politikern wie Friedrich Merz und Markus Söder „komplett gekippt“.

Ein Plan B muss her – und zwar schnell

Sollte die EU-Kommission tatsächlich einknicken und das strikte Verbrenner-Aus kippen, warnt Lemke vor einem strategischen Vakuum. Es reiche nicht, das Verbot einfach zu streichen. Wenn das Datum 2035 fällt, müssten im Gegenzug „starke, wirksame Anreize für Elektromobilität“ geschaffen werden. Alles andere wäre fatal für die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China und den USA. Die deutsche Industrie droht sonst, technologisch den Anschluss zu verlieren, während sie krampfhaft an einer alten Technologie festhält, deren Exportmärkte zunehmend schwinden.

Das wahre Problem: Der Preis an der Säule

Statt ideologischer Grabenkämpfe um den Auspuff fordert Lemke einen Fokus auf die Alltagsprobleme der Autofahrer. Die Skepsis vieler Kunden liegt oft weniger am Antrieb selbst, sondern an der Geldbörse. „Hier müsse man dafür sorgen, dass die Strompreise an den Ladesäulen sinken“, fordert Lemke.

Tatsächlich sind die Ladepreise in Deutschland im europäischen Vergleich ein massives Hemmnis. Intransparente Tarife und hohe Kilowattstundenpreise an Schnellladern fressen den Kostenvorteil des E-Autos gegenüber sparsamen Dieseln oft auf. Hier sieht Lemke sowohl die Bundesregierung als auch die EU in der Pflicht: Es braucht einen beschleunigten Infrastrukturausbau und ein Marktdesign, das günstigen Strom auch wirklich beim Endkunden ankommen lässt.

Industriepolitik statt Wahlkampf

Abschließend mahnt die Ex-Ministerin zu mehr Weitsicht. Es gehe nicht darum, „ob heute noch Verbrenner verkauft werden“, sondern wo die Wertschöpfung in zehn Jahren stattfindet. Wer heute suggeriert, der Verbrenner habe eine ewige Zukunft, täuscht nicht nur die Wähler, sondern riskiert, dass die deutschen Bänder in Zukunft stillstehen, weil die Weltmärkte längst elektrisch fahren. „Man muss es wollen“, resümiert Lemke – ein Satz, der wie eine Warnung an die aktuellen Entscheidungsträger klingt.