Die Deutschen steigen so häufig wie seit zwei Jahren nicht mehr vom Verbrenner ins Elektroauto um – und ausgerechnet der Gebrauchtwagenmarkt entpuppt sich als heimlicher Treiber dieser Trendwende. Was steckt hinter den neuen Zahlen des HUK-E-Barometers, und für wen lohnt sich der Wechsel jetzt besonders?
6,2 Prozent – wie stark ist der neue Elektro-Schub wirklich?
Im dritten Quartal 2025 wechselten 6,2 Prozent aller privaten Autofahrer beim Fahrzeugtausch vom Verbrennungsmotor zu einem reinen Elektroauto. Im Quartal zuvor lag dieser Wert noch bei 5,5 Prozent – und Anfang 2024, kurz nach dem abrupten Aus der staatlichen E-Auto-Kaufprämie, nur etwa halb so hoch.
Auf den ersten Blick wirken 6,2 Prozent bescheiden. In der Dynamik steckt jedoch Sprengkraft: Der Anteil der rein elektrischen Pkw am Gesamtbestand in Deutschland hat sich in wenigen Jahren auf knapp zwei Millionen Fahrzeuge und rund vier Prozent aller zugelassenen Autos hochgearbeitet – Tendenz weiter steigend. Gerade im Privatsegment, das traditionell zögerlicher als der Firmenwagenmarkt reagiert, ist die jetzige Beschleunigung ein wichtiges Signal.
Auffällig: Die Zuwächse kommen trotz wegfallender Umweltprämie zustande. Die Nachfrage wird inzwischen weniger von staatlichen Zuschüssen als von sinkenden Preisen, mehr Modellen und besseren Reichweiten getragen – und eben vom Boom bei gebrauchten Stromern.
Gebrauchte Elektroautos werden zum Gamechanger
Eine zentrale Botschaft des HUK-E-Barometers: Der Umstieg auf E-Mobilität verlagert sich klar in den Gebrauchtwagenmarkt. Lag der Anteil gebrauchter E-Autos bei Wechseln vom Verbrenner zur E-Mobilität zwischen 2020 und Ende 2023 im Schnitt bei gut einem Viertel, stammt inzwischen mehr als jedes zweite umgestiegene Fahrzeug aus zweiter Hand.
Der Grund: Seit dem Auslaufen der Kaufprämie mussten viele Hersteller ihre Neuwagenpreise realistischer gestalten, während Leasingrückläufer und junge gebrauchte Stromer mit deutlichen Rabatten auf den Markt kommen. Für Privatkäufer, die bisher an den hohen Listenpreisen gescheitert sind, rücken damit plötzlich erschwingliche Angebote in Reichweite.
Typische Vorteile eines gebrauchten Elektroautos für Privatkunden:
- deutlich geringerer Kaufpreis als beim Neuwagen, oft bei ähnlicher Reichweite
- häufig noch Restgarantie auf Batterie und Antrieb
- bekannte Schwachstellen des Modells bereits aus der Praxis sichtbar
Wer heute vom Verbrenner auf ein E-Auto wechseln will, findet gerade im Segment zwei bis fünf Jahre alter Fahrzeuge die spannendsten Preis-Leistungs-Pakete – insbesondere bei Kompakt- und Kompakt-SUV-Modellen.
Skoda Elroq und VW ID.3: Die neuen Favoriten der Umsteiger
Besonders auffällig in den aktuellen Daten: Bei den Neuwagen führt der Skoda Elroq die Beliebtheitsskala der Umsteiger an, bei den Gebrauchten ist der VW ID.3 das meistgewählte Elektro-Modell.
Der Skoda Elroq positioniert sich als vollelektrischer Kompakt-SUV – ein Format, das viele klassische Verbrennerfahrer von ihren bisherigen Autos kennen. Relativ viel Platz auf kleiner Grundfläche, höherer Einstieg und ein bodenständiges Markenimage senken die Hemmschwelle für den ersten Stromer. Kombiniert mit praxisnahen Reichweiten und oft attraktiven Leasingangeboten wird der Elroq für viele zum typischen "Einstiegs-E-Auto".
Beim VW ID.3 zeigt sich, wie sich der Markt gewandelt hat: Der kompakte Wolfsburger hat nach einigen Software-Startproblemen die Kinderkrankheiten weitgehend hinter sich gelassen, und die Preise für gebrauchte Exemplare sind in den letzten zwei Jahren spürbar gefallen. Für viele Umsteiger ist der ID.3 damit die elektrische Alternative zum Golf – inklusive vertrautem Bedienkonzept und dichtem Werkstattnetz.
Jüngere lieben E-Autos – steigen aber noch zu selten um
Laut HUK-E-Barometer sind rein elektrische Fahrzeuge bei Menschen unter 40 deutlich beliebter als in älteren Altersgruppen. In Umfragen bewerten Jüngere E-Autos überdurchschnittlich positiv, gleichzeitig ist ihre tatsächliche Umstiegsquote bislang überraschend niedrig.
Der Hauptgrund: das Budget. Hohe Anschaffungspreise und unsichere Förderperspektiven treffen genau jene Gruppe, die häufig noch in Ausbildung, Studium oder den ersten Berufsjahren steckt. Während viele Ältere genügend Eigenkapital oder Hausbesitz (Stichwort: Wallbox in der eigenen Garage) mitbringen, sind Jüngere stärker auf günstige Raten und klare Kalkulierbarkeit angewiesen.
Hier kommt die Politik ins Spiel. Für 2026 arbeitet die Bundesregierung an einem neuen Fördermodell für E-Fahrzeuge. Diskutiert werden eine Basisprämie, soziale Staffelungen und – aus Sicht der HUK-Daten besonders wichtig – eine stärkere Berücksichtigung junger gebrauchter Stromer. Sollten tatsächlich auch bezahlbare Gebrauchtwagen förderfähig werden, könnte das genau jene unter 40-Jährigen aktivieren, die E-Autos zwar attraktiv finden, sich den Wechsel bislang aber schlicht nicht leisten konnten.
Plug-in-Hybride als Sprungbrett in die reine Elektromobilität
Eine weitere Erkenntnis des Barometers: Nicht alle Hybridfahrer ticken gleich. Signifikant häufiger als andere wechseln Besitzer von Plug-in-Hybriden später auf reine Elektroautos. Ihr Umstieg erfolgt laut den HUK-Daten mehr als dreimal so oft wie bei Fahrern von Mildhybriden oder klassischen Vollhybriden.
Das Muster dahinter ist logisch: Wer bereits einen Plug-in-Hybriden fährt, kennt das Laden zu Hause oder am Arbeitsplatz und hat erlebt, dass viele Alltagsstrecken rein elektrisch möglich sind. Wenn dann der nächste Fahrzeugwechsel ansteht, fällt der Schritt zum Vollstromer leichter – zumal moderne BEV beim Laden und bei der Reichweite deutlich zugelegt haben.
Für alle, die heute noch unsicher sind, ob ein Elektroauto zu ihrem Fahrprofil passt, kann ein Plug-in-Hybrid also tatsächlich eine Art „Übergangsmodell“ sein – vorausgesetzt, er wird im Alltag konsequent geladen und nicht nur wie ein schwerer Benziner gefahren.
Was bedeutet das jetzt konkret für Ihren nächsten Autokauf?
Die neuen HUK-Zahlen lassen sich für Privatkäufer in einige handfeste Empfehlungen übersetzen:
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Wer überwiegend kürzere Strecken fährt (Pendeln, Stadt, Umland): Für dieses Profil passen viele kompakte Gebraucht-Stromer inzwischen sehr gut – oft mit 250 bis 350 Kilometern realistischer Reichweite. Hier lohnt ein genauer Blick auf Modelle wie den VW ID.3 oder andere Kompakt-E-Autos der ersten Generation.
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Vielfahrer mit mehr als 12.000 km pro Jahr: Laut HUK bleiben vier von fünf dieser E-Auto-Halter beim nächsten Fahrzeug erneut beim Stromer. Wer viel fährt, profitiert besonders stark von niedrigen Strom- statt Spritkosten – vorausgesetzt, es gibt eine zuverlässige Lademöglichkeit zu Hause oder im Betrieb.
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Jüngere Käufer mit begrenztem Budget: Kurzfristig sind junge Gebrauchte (z.B. aus ablaufenden Leasingverträgen) der interessanteste Hebel. Mittel- bis langfristig könnte die ab 2026 geplante neue Förderung für zusätzliche Entlastung sorgen – insbesondere, falls der Gebrauchtmarkt explizit einbezogen wird.
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Wer heute noch Hybrid fährt: Besitzer eines Plug-in-Hybriden haben beste Voraussetzungen, beim nächsten Wechsel vollständig elektrisch zu fahren. Viele Alltagsgewohnheiten – vom Laden bis zur Routenplanung – sind bereits etabliert.
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Wohnort beachten: In einigen Bundesländern wie Bayern oder Niedersachsen ist der Anteil an privaten E-Autos und Umsteigern deutlich höher als in vielen ostdeutschen Regionen. Das spiegelt oft auch die Ladeinfrastruktur wider. Wer in einer Region mit schwachem Ladenetz lebt, sollte künftige Ausbaupläne der Kommune und Energieversorger in seine Entscheidung einbeziehen.
Fest steht: Der neue Rekordwert von 6,2 Prozent beim HUK-E-Barometer ist kein Selbstläufer, aber ein klarer Hinweis darauf, dass E-Mobilität im Alltag der privaten Autofahrer angekommen ist. Ob aus diesem Trend in den nächsten Jahren ein echter Massenmarkt wird, entscheidet sich vor allem dort, wo heute die Musik spielt – bei bezahlbaren Gebrauchtwagen, verlässlicher Förderung und einer Ladeinfrastruktur, die mit der wachsenden Zahl an Stromern Schritt hält.