Die Bundesregierung kehrt dem viel kritisierten „Social-Leasing“ den Rücken und setzt ab 2026 auf eine neue E-Auto-Prämie für Haushalte mit mittlerem Einkommen. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) jubelt – und fordert zugleich Nachbesserungen, damit auch Käufer gebrauchter Stromer wirklich profitieren.

Was die neue E-Auto-Förderung vorsieht

Die neue Koalition in Berlin hat sich auf ein Förderpaket von rund drei Milliarden Euro verständigt, das ab 2026 greift. Unterstützt werden sollen der Kauf und das Leasing von reinen Elektroautos (BEV) und Plug-in-Hybriden. Die Prämie ist klar auf Haushalte mit kleinem bis mittlerem Einkommen zugeschnitten: Geplant ist eine Basisförderung von 3.000 Euro, die pro Kind um 500 Euro steigen kann – maximal um 1.000 Euro zusätzlich. Die Einkommensgrenze liegt bei einem zu versteuernden Haushaltseinkommen von bis zu 80.000 Euro, pro Kind erhöht sich dieser Deckel um 5.000 Euro. Für besonders einkommensschwache Haushalte ist eine weitere Aufstockung vorgesehen.

Damit orientiert sich der Kompromiss stark an der vom ZDK schon länger geforderten Mobilitätsprämie „Generation Zukunft“, die insbesondere Familien und Berufseinsteiger für elektrische Mobilität gewinnen soll.

Warum der ZDK „Socialising statt Social-Leasing“ will

Die ursprüngliche Idee eines staatlich gestützten Social-Leasings sollte Menschen mit geringem Einkommen über extrem günstige Leasingraten zeitweise Zugang zu einem Elektroauto verschaffen. Aus Sicht des ZDK hatte dieses Modell jedoch einen entscheidenden Haken: Nach Vertragsende drohte der Rückfall in alte, günstige Verbrenner-Gebrauchte – also genau jene fossile Flotte, die eigentlich schrittweise ersetzt werden soll.

ZDK-Präsident Thomas Peckruhn spricht daher von einem „Aufbruchsignal“, weil die neue Prämie Familien in der Mitte der Gesellschaft in den Fokus nimmt und nicht nur befristete Mobilität auf Zeit finanziert. In einem viel zitierten Satz fasst er die Kurskorrektur der Politik zusammen:

„Socialising statt Social Leasing!“

Mit „Socialising“ meint der Verband: Elektromobilität soll dauerhaft im Alltag der Menschen ankommen – über Eigentum oder langfristige Nutzung – statt nur kurzzeitig über ein subventioniertes Leasingmodell.

Ladegutschein statt Leasingrate: Wie Gebrauchtwagenkäufer profitieren könnten

Während Neuwagenkäufer klar im Fokus der neuen Prämie stehen, warnt der ZDK vor einem blinden Fleck: junge gebrauchte E-Autos. Durch frühere Förderwellen, Hersteller-Rabatte und viele Leasingrückläufer wächst dieses Segment stark – doch ohne eigene Anreize droht ein Preis- und Nachfrageproblem. Tatsächlich zeigte der Gebrauchtwagenmarkt zuletzt starke Ausschläge: Während Verbrenner vergleichsweise stabile Preise halten, mussten viele Elektro-Gebrauchte deutliche Wertverluste hinnehmen, bevor es 2025 wieder leichte Gegenbewegungen gab.

Der ZDK schlägt deshalb ein sehr konkretes Instrument vor: Ladegutscheine speziell für Gebrauchtwagenkäufer, finanziert je zur Hälfte von Staat und Energieversorgern. Die Idee: Wer einen gebrauchten Stromer kauft, bekommt beispielsweise ein Jahr lang kostenloses oder stark vergünstigtes Laden – einfach, transparent und direkt spürbar im Portemonnaie.

Peckruhn argumentiert, ein „Ein Jahr kostenlos laden“-Versprechen wäre für viele preissensible Haushalte ein stärkerer Anreiz als eine etwas höhere Kaufprämie. Gerade Menschen, die sich niemals einen Neuwagen leisten würden, könnten so von niedrigen Betriebskosten elektrischer Gebrauchtwagen überzeugt werden.

Markthochlauf mit Unsicherheiten: Wie es um E-Autos in Deutschland steht

Zum Jahresbeginn 2025 waren in Deutschland gut 1,65 Millionen reine Elektro-Pkw zugelassen – ein Plus von rund 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotzdem machten Stromer nur etwas mehr als drei Prozent des gesamten Pkw-Bestands aus.

Beim Blick auf die Neuzulassungen zeigt sich die Bremsspur nach dem abrupten Aus des Umweltbonus im Dezember 2023 besonders deutlich: 2024 gingen die neuen BEV-Zulassungen gegenüber dem Vorjahr um deutlich mehr als ein Viertel zurück. Der Anteil reiner Elektroautos an allen Neuwagen lag im Jahr 2024 nur noch im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.

Gleichzeitig verschiebt sich der Markt: Laut aktuellen Versicherungs- und Marktdaten entscheidet sich ein wachsender Teil der Umsteiger bewusst für gebrauchte E-Autos – ihr Anteil liegt inzwischen bei über der Hälfte der privaten Wechsler vom Verbrenner zum Stromer.

Vor diesem Hintergrund sieht der ZDK die neue Förderung als wichtigen Vertrauensbeweis nach Jahren wechselnder Bedingungen – warnt aber, dass ohne gezielte Impulse für junge Gebrauchte ein Teil des Potenzials verschenkt werden könnte.

Streit ums Verbrenner-Aus: Deutschland drängt auf Technologieoffenheit

Neben der E-Auto-Prämie lobt der ZDK, dass sich die Bundesregierung auf EU-Ebene von einem starren Neuzulassungsverbot für Verbrenner ab 2035 lösen will. Statt eines harten Schnitts sollen auch nach 2035 hoch effiziente Verbrenner, Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender eine Chance behalten – sofern sie in ein klimaverträgliches Gesamtkonzept passen.

Auch Kanzleramt und Koalitionsspitzen werben in Brüssel inzwischen für mehr Flexibilität bei der Umsetzung des 2035er-Ziels: Neben reinen E-Autos sollen bestimmte Hybridkonzepte und besonders sparsame Verbrenner unter klaren Bedingungen weiterhin zugelassen werden können.

Für ZDK-Präsident Peckruhn ist das ein Signal der „Technologieoffenheit“: Moderne Verbrenner und effiziente Plug-in-Hybride blieben für viele Menschen auf dem Land oder mit hohen Jahresfahrleistungen eine wirtschaftlichere und praxistaugliche Option – zumindest solange Infrastruktur, Strompreise und Fahrzeugangebote nicht für alle Bedürfnisse einen überzeugenden Elektro-Weg bieten.

Bürokratiebremse lösen: Was Autohändler fordern

Ein eher technisches, in der Praxis aber entscheidendes Detail hat der ZDK ebenfalls im Blick: die Abwicklung der Förderanträge. Der Verband pocht darauf, dass Käufer den Zuschuss direkt mit der staatlichen Förderbank (geplant ist die KfW) abrechnen – und nicht über die Autohäuser.

Die Begründung: Händler sollen weder Einkommen prüfen noch Sozialdaten archivieren müssen. Peckruhn warnt vor zusätzlicher Bürokratie in Betrieben, die bereits heute mit komplexen Zulassungs-, Finanzierungs- und Förderprozessen beschäftigt sind. Die Förderbank könne die notwendigen Einkommensnachweise zentral, digital und datenschutzkonform verarbeiten – was am Ende auch den Kunden zugutekäme.

Was das für Autokäufer jetzt konkret bedeutet

Für viele Haushalte stellt sich die Frage: Abwarten bis 2026 oder jetzt kaufen? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber einige Leitplanken zeichnen sich ab:

  • Familien mit mittlerem Einkommen: Wer in etwa im Bereich der Einkommensgrenze liegt und ohnehin 2026 oder kurz danach ein neues Auto anschaffen wollte, kann mit der künftigen Prämie mehrere tausend Euro Entlastung einplanen. Je mehr Kinder im Haushalt leben, desto stärker fällt der Zuschuss ins Gewicht.

  • Gebrauchtwagenkäufer: Bereits heute sind viele gebrauchte E-Autos gegenüber Neuwagen deutlich günstiger, teils mit mehreren Tausend Euro Abschlag. Wer ein preiswertes Modell findet, für den kann der niedrigere Kaufpreis den fehlenden Zuschuss schon jetzt ausgleichen – vor allem, wenn das Fahrzeug geringe Betriebskosten bietet.

  • Unsichere Bonität: Haushalte, die bei der Bonitätsprüfung für ein Leasing scheitern könnten, sollten die vom ZDK kritisierte „Leasing-Falle“ im Blick behalten. Ein günstiger Kauf – etwa eines kompakten Gebraucht-Stromers – kann langfristig stabilere Mobilität sichern als ein hoch subventionierter, aber zeitlich befristeter Leasingvertrag.

  • Laden zu Hause oder im Viertel: Wer bereits heute eine einfache Lademöglichkeit nutzt (Wallbox, Stellplatz mit Steckdose oder gut erreichbare öffentliche Lader), dürfte von einem möglichen Ladegutschein besonders profitieren. Fällt ein Jahr lang ein Großteil der Stromkosten weg, kann das die Gesamtbetriebskosten des Fahrzeugs massiv drücken.

  • Planungshorizont: Da Details der Förderung – etwa exakte Antragswege oder mögliche Zusatzprogramme der Länder – noch ausgestaltet werden müssen, lohnt es sich, Anschaffungen nicht ausschließlich von der Bundesprämie abhängig zu machen. Viele Hersteller und Händler überbrücken Förderdellen ohnehin mit eigenen Rabatten oder Eintauschprämien.

Fest steht: Mit der neuen E-Auto-Förderung rückt die Bundesregierung stärker die breite Mittelschicht und Familien in den Fokus. Ob der Markthochlauf wirklich Fahrt aufnimmt, dürfte aber maßgeblich davon abhängen, ob auch der Gebrauchtwagenmarkt – etwa über Ladegutscheine – gezielt in Schwung gebracht wird.