Es ist eine unendliche Geschichte, die nun doch noch ein Happy End finden soll: Der digitale Führerschein kommt. Nach einem peinlichen Fehlstart vor einigen Jahren und langem bürokratischen Hin und Her hat die Regierung nun den 2. Januar 2027 als Starttermin ins Auge gefasst. Damit reagiert Berlin auf Druck aus Brüssel, denn die EU-Vorgaben für eine „European Digital Identity Wallet“ lassen den deutschen Behörden kaum noch Spielraum für Verzögerungen.
Die Idee klingt verlockend: Bei der Verkehrskontrolle zückt man künftig nur noch das Handy, öffnet die entsprechende App und weist seine Fahrerlaubnis digital nach. Keine vergessenen Portemonnaies mehr, kein nervöses Suchen im Handschuhfach. Die rechtlichen Hürden dafür sollen jetzt fallen, damit das Smartphone-Dokument der guten alten Plastikkarte im Inland rechtlich gleichgestellt wird.
Nur für Deutschland – vorerst
Der Haken an der Sache: Die digitale Freiheit endet vorerst an der Landesgrenze. Wer nach Italien oder Österreich in den Urlaub fährt, muss weiterhin das physische Kärtchen dabei haben. Eine europaweite Anerkennung ist zwar geplant, dürfte aber erst gegen 2030 Realität werden, wenn alle EU-Staaten ihre Systeme harmonisiert haben. Für den deutschen Pendleralltag reicht die digitale Version jedoch völlig aus.
Technische Hürden bleiben
Damit der Umstieg klappt, müssen Autofahrer allerdings Vorarbeit leisten. Voraussetzung für den digitalen Zwilling ist ein EU-Kartenführerschein neuerer Bauart. Wer noch mit dem alten grauen oder rosafarbenen „Lappen“ unterwegs ist, muss diesen erst umtauschen. Zudem wird ein Personalausweis mit aktivierter Online-Funktion (eID) benötigt, um die Identität in der App zweifelsfrei zu bestätigen.
„Das Ziel ist eine schlanke Verwaltung, doch bis dahin ist es noch ein technischer Kraftakt.“
Ein zweiter Anlauf mit Risiken
Erinnerungen werden wach an den Herbst 2021: Damals wurde eine Führerschein-App schon einmal mit großem Pomp vorgestellt – und wegen gravierender Sicherheitslücken nach wenigen Tagen wieder offline genommen. Diesmal soll alles anders werden. Die neue Lösung wird Teil einer umfassenden „ID-Wallet“, die höchsten europäischen Sicherheitsstandards genügen muss.
- Startdatum: Voraussichtlich 2. Januar 2027
- Gültigkeit: Zunächst nur national in Deutschland
- Voraussetzung: Kartenführerschein & eID-Personalausweis
Ob das System diesmal dem Ansturm standhält, wird sich zeigen. Bis dahin gilt: Die Plastikkarte bleibt vorerst der sicherste Beifahrer.