Es ist der wohl härteste Schlag für Diesel-Fahrer seit Beginn des Abgasskandals. Nach einem bahnbrechenden Urteil und der nun vorliegenden Begründung steht die Zukunft von rund 7,8 Millionen Fahrzeugen auf der Kippe. Der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ist ein entscheidender juristischer Sieg gelungen, der Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) massiv unter Druck setzt. Droht nun das endgültige Aus für Millionen Pkw?
Das Urteil, das alles verändert
Die Schonfrist ist vorbei. Das Oberverwaltungsgericht Schleswig hat nicht nur die Berufung des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) und von Volkswagen zurückgewiesen, sondern nun auch die schriftliche Urteilsbegründung nachgelegt. Der Kern der Entscheidung ist brisant: Die sogenannten „Thermofenster“ – Software-Funktionen, die die Abgasreinigung bei kühleren Temperaturen herunterregeln – sind illegal. Damit bricht die Argumentationslinie der Autohersteller, diese seien zum Motorschutz notwendig, wie ein Kartenhaus zusammen.
Korrektur mit Sprengkraft: Keine Revision zugelassen
Besonders bitter für die Gegenseite: Das Gericht hat eine Revision gegen das Urteil nicht zugelassen. Zwar wird erwartet, dass VW und das KBA noch mit einer Nichtzulassungsbeschwerde vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen, doch die Luft wird extrem dünn. Sobald diese letzte juristische Hürde fällt, ist das Urteil rechtskräftig. Für die Besitzer von Diesel-Fahrzeugen der Abgasnormen Euro 5 sowie Euro 6a bis 6c bedeutet das: Ihre Autos sind in der aktuellen Form illegal auf der Straße.
Ultimatum an Verkehrsminister Schnieder
Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH, findet deutliche Worte und richtet eine scharfe Warnung an den seit Mai 2025 amtierenden Verkehrsminister Patrick Schnieder:
„Wir fordern Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder auf, anders als seine Vorgänger, nicht länger auf Zeit zu spielen, sondern die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen.“
Die Forderung ist unmissverständlich: Entweder rüsten die Hersteller die betroffenen Fahrzeuge auf eigene Kosten mit wirksamer Hardware nach, oder die Autos müssen stillgelegt werden. Ein „Weiter so“ mit wirkungslosen Software-Updates soll es nicht mehr geben.
Millionen Autofahrer in der Falle
Für Verbraucher ist die Situation alarmierend. Betroffen sind nicht nur VW-Modelle, sondern potenziell Dieselfahrzeuge fast aller Hersteller, die ähnliche Abschalteinrichtungen verwenden. Sollte das KBA zum Handeln gezwungen werden, droht den Haltern im schlimmsten Fall der Entzug der Betriebserlaubnis. Der Wertverlust dieser Fahrzeuge dürfte ins Bodenlose stürzen, sollten keine technischen Lösungen angeboten werden.
Gesundheitsschutz statt Konzerninteressen
Die DUH argumentiert mit den verheerenden Folgen der Stickstoffdioxid-Emissionen. Jährlich seien in Deutschland über 23.000 vorzeitige Todesfälle auf diese Gifte zurückzuführen. Das Gericht folgte dieser Argumentation und stellte klar, dass der Gesundheitsschutz der Bevölkerung Vorrang vor den technischen und wirtschaftlichen Interessen der Automobilindustrie hat.
Wie reagiert Berlin?
Alle Augen richten sich nun auf das Verkehrsministerium. Minister Schnieder steht vor einer Herkulesaufgabe: Er muss entscheiden, ob er den Konfrontationskurs mit der mächtigen Autoindustrie wagt oder riskiert, als der Minister in die Geschichte einzugehen, der sehenden Auges illegale Fahrzeuge auf deutschen Straßen duldete. Die Zeit des Aussitzens scheint endgültig abgelaufen zu sein.