Es ist das extremste Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Sportwagen-Ikone: Mit der neuen Chevrolet Corvette ZR1X entfesselt General Motors ein Allrad-Hybrid-Monster der Superlative. Durch die Kombination des ohnehin wahnwitzigen V8-Biturbo-Motors mit einer elektrifizierten Vorderachse knackt die Corvette eine Systemleistung von bis zu 1.267 PS (932 kW). Das Besondere an diesem Coupé: Es deklassiert etablierte europäische Hypercars bei den Fahrleistungen – und das zu einem Bruchteil des Preises. Obwohl Chevrolet das Modell nicht offiziell über das reguläre Händlernetz in Deutschland vertreibt, bringen spezialisierte US-Car-Importeure den Boliden bereits zulassungsfertig auf den deutschen Markt.

Die Technik-Sensation: Biturbo-V8 fusioniert mit E-Maschine

Um diese brachiale Leistung freizusetzen, mussten die amerikanischen Ingenieure weit über ihren eigenen Schatten springen. Mit reiner Elektromobilität fremdelt man in Detroit zwar traditionell, doch wenn Strom nicht der Effizienz, sondern der nackten Performance dient, sind alle Mittel recht. Das Herzstück der Corvette ZR1X ist eine Allianz zweier Welten:

  • Der V8-Biturbo: Der hochentwickelte 5,5-Liter-LT7-Mittelmotor schickt im Alleingang bereits brutale 1.079 PS (1.064 US-hp) an die Hinterachse.
  • Die E-Maschine: Ein leistungsstarker Elektromotor an der Vorderachse, der auf dem System der Corvette E-Ray basiert, steuert zusätzliche 189 PS (139 kW) bei.

Zusammen ergibt das eine Systemleistung von atemberaubenden 1.250 PS (nach europäischer Messung bis zu 1.267 PS) und ein kombiniertes Drehmoment von bis zu 1.320 Newtonmetern (wobei der reine Verbrennungsmotor bereits ein maximales Drehmoment von 1.123 Nm liefert). Gesteuert wird der Kraftfluss über ein blitzschnelles Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe. Ein kompakter 1,9-kWh-Akku im Mitteltunnel liefert den Strom für den E-Boost und wird während der Fahrt rein über Rekuperation geladen.

Fahrleistungen aus einer anderen Galaxis: Rekorde auf der Rennstrecke

Die zusätzliche E-Maschine an der Vorderachse löst das größte Problem extrem starker Hecktriebler: die Traktion. Mit dem elektrischen Allradantrieb (eAWD) verwandelt sich die Corvette von einer unzähmbaren Bestie in ein hochpräzises Hochgeschwindigkeits-Werkzeug. Bei Beschleunigungstests wurden Werte erzielt, die selbst die Fachwelt sprachlos machen:

  • Der Spurt von 0 auf 97 km/h (60 mph) gelingt in gerade einmal 1,68 Sekunden.
  • Die wichtige 100-km/h-Marke fällt in unter zwei Sekunden.
  • Die traditionelle Viertelmeile (402 Meter) absolviert die ZR1X in unfassbaren 8,67 Sekunden bei einer Zielgeschwindigkeit von rund 250 km/h.
  • In der legendären „Grünen Hölle“ des Nürburgrings brannte die Corvette ZR1X eine atemberaubende Rundenzeit von 6:49,275 Minuten in den Asphalt – und ist damit das schnellste US-Car auf der Nordschleife.

Erst bei einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 375 km/h endet der brutale Vortrieb. Bis zu einer Geschwindigkeit von rund 260 km/h schiebt der E-Motor mit voller Kraft an, danach übernimmt der doppelt aufgeladene V8 den Rest des Weges im Alleingang.

Rennstrecken-Technik und modernisiertes Cockpit

Damit das US-Monster bei diesen Geschwindigkeiten nicht den Bodenkontakt verliert, wurde auch die Aerodynamik auf die Spitze getrieben. Die Corvette verfügt über das optionale ZTK-Performance-Paket, das einen gigantischen, verstellbaren Carbon-Heckflügel umfasst, der bei Höchstgeschwindigkeit rund 545 Kilogramm zusätzlichen Anpressdruck generiert.

Für die nötige Verzögerung sorgt eine Carbon-Keramik-Bremsanlage mit massiven Scheiben, die vorne von Zehnkolben-Sätteln der Marke Alcon und hinten von Sechskolben-Sätteln im Zaum gehalten werden. Gesteuert wird das Fahrverhalten über das adaptive Fahrwerk Magnetic Selective Ride Control 4.0, das speziell auf das höhere Gewicht des Hybridsystems abgestimmt wurde.

Im modernisierten Cockpit dominiert ein fahrerorientiertes Layout mit drei Bildschirmen. Neben edlem Alcantara und feinsten Materialien sticht vor allem eine integrierte Performance-App ins Auge, die dem Fahrer hochpräzise Telemetriedaten der Rennstrecke in Echtzeit liefert.

Der Preis-Schock für die europäische Hypercar-Elite

Der größte Coup der Amerikaner betrifft jedoch das Preis-Leistungs-Verhältnis. In den USA startet das Coupé bei rund 210.000 bis 212.000 US-Dollar (umgerechnet etwa 194.000 Euro). Für deutsche Enthusiasten ist der Weg zum Traumwagen zwar mit etwas Mehraufwand verbunden, aber keineswegs versperrt.

Spezialisierte Importeure in Deutschland, wie der US-Car-Spezialist Geiger Cars aus München, listen die normale ZR1 zulassungsfertig für 332.900 Euro. Für die absolute Top-Version ZR1X in der edlen 3LZ-Ausstattung wird im deutschen Import-Handel bereits ein konkreter Preis von 461.000 Euro (inklusive 19 % Mehrwertsteuer) aufgerufen – fahrfertig inklusive aller notwendigen Zulassungsanpassungen, Zoll und Steuern.

Das Corvette-Team zeigt sich sichtlich stolz auf das Erreichte. Keith Badgley, der leitende Entwicklungsingenieur der ZR1X, erklärt den Anspruch hinter dem Projekt:

"Wir verwenden gerne den Begriff 'Amerikas Hypercar', weil das den Standard für das gesetzt hat, was die ZR1X sein musste."

Und Chief Engineer Tony Roma ergänzt vielversprechend im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen:

"Die ZR1X ist nicht das Ende der Geschichte, sie ist nur das neueste Kapitel."

Zum Vergleich: Extrem-Hypercars wie der Koenigsegg Jesko, der Bugatti Tourbillon oder der Rimac Nevera R kosten mehrere Millionen Euro. Letzterer liegt bei rund 2,5 Millionen Dollar. Die Corvette ZR1X bietet somit nahezu identische – in manchen Disziplinen sogar überlegene – Fahrleistungen für einen Winzigen Bruchteil des Preises. Für die europäische Sportwagen-Elite dürften unruhige Zeiten anbrechen.