Der extreme Rennstrecken-Bugatti Bolide gilt als eine der radikalsten Fahrmaschinen, die je in Molsheim gebaut wurden. Doch was passiert, wenn man die nackte, kompromisslose Technik dieses Rennwagens mit der Eleganz und dem Luxus eines maßgeschneiderten Kunstwerks kreuzt? Die Antwort liefert der Bugatti Destrier, das neueste und dritte Unikat aus dem maßgeschneiderten „Programme Solitaire“ des Herstellers.

Die flachste Skulptur der modernen Markengeschichte

Als solide Basis für das Einzelstück dient das hochentwickelte Carbon-Monocoque des rennstreckenspezifischen Bugatti Bolide. Doch während das Spenderfahrzeug mit riesigen Luftschächten, Finnen und einem mächtigen Heckflügel konsequent auf maximalen Anpressdruck getrimmt ist, wurde die Außenhaut des Destrier komplett neu interpretiert. Das Design-Team strich sämtliche aerodynamische Anbauten von der Agenda, um die puren Proportionen des Fahrzeugs wirken zu lassen.

Mit einer Gesamthöhe von exakt einem Meter ist der Destrier der flachste Bugatti der Moderne. Diese extrem geduckte Haltung verleiht dem Fahrzeug bereits im Stand eine spektakuläre Dynamik. Für zusätzliche visuelle Präsenz sorgen die monumentalen Räder: Während der Bolide auf 18-Zoll-Rennsportfelgen steht, glänzt der Destrier mit einer Mischbereifung im Format 20 Zoll an der Vorderachse und stolzen 21 Zoll hinten.

Die mehrschichtige Lackierung im tiefen, schimmernden Blauton „Sapphire Celeste“ ist dabei kein Zufall: Sie ist eine direkte Verbeugung vor dem legendären Type 57SC Atlantic mit der historischen Fahrgestellnummer 57591.

Bugattis Designdirektor Frank Heyl erklärt die Philosophie hinter dem spektakulären Entwurf:

„Die Bolide-Plattform bot uns die extremsten Proportionen, die wir je geschaffen haben. Indem wir sie von der unerbittlichen Jagd nach Anpressdruck befreit haben, konnten sich die Formen als reine Skulptur entfalten.“

Eine historische Brücke und brutale W16-Power

Das Konzept, dieselbe technische Basis für zwei völlig unterschiedliche Welten zu nutzen, hat in Molsheim eine lange Tradition. Schon in den 1930er-Jahren diente das Fahrgestell des legendären Type 57 als Fundament sowohl für Rennwagen wie den 1937 siegreichen Type 57G Tank und den 1939 in Le Mans triumphierenden Type 57C Tank als auch für das weltberühmte Luxus-Coupé Type 57SC Atlantic. Eine feine, handgravierte Plakette über der Windschutzscheibe des Destrier verbildlicht diese historische Verbindung dauerhaft, indem sie den Type 57G Tank und den Type 57SC Atlantic nebeneinander zeigt.

Trotz der eleganten Optik bleibt der Destrier unter der wunderschönen Karosserie ein brachiales Kraftpaket. Der ikonische 8,0-Liter-W16-Motor mit vier Turboladern leistet im Höhepunkt seiner Entwicklung atemberaubende 1.600 PS (1.578 bhp). Diese enorme Kraft wird über ein verstärktes Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auf alle vier Räder übertragen. Wie Bugatti jedoch betont, ist die schiere Leistung hier fast schon Nebensache – im Mittelpunkt steht die handwerkliche Perfektion.

Ein Cockpit wie aus dem Haute-Couture-Atelier

Auch im Innenraum weicht die kompromisslose, nackte Motorsport-Atmosphäre des Spenderfahrzeugs einer luxuriösen Wohlfühloase, die an die ruhige Wärme eines maßgeschneiderten Ateliers erinnert. Die Sitze und die Mittelkonsole sind mit edlem Leder und feinstem Nubuk im warmen Braunton „Ambre Voyageur“ bezogen.

Das absolute Highlight im Cockpit ist ein hochmodernes Material:

  • Es handelt sich um ein dreidimensional gestricktes Textil an den Türtafeln, dem Armaturenbrett und den Schulterpolstern der Sitze.
  • In dieses Material sind feine Kupferfäden in einem kreisförmigen „Halo-Line“-Muster eingewoben.
  • Bei direktem Lichteinfall erzeugt diese Struktur einen dezenten, edlen Schimmereffekt im gesamten Innenraum.

Überall im Cockpit finden sich zudem Elemente aus gehämmertem Metall – so etwa an den Türöffnern, den Lüftungsdüsen, auf den Einstiegsleisten und am Lenkradtopf. Diese Struktur erinnert bewusst an die handgeschmiedeten Rüstungen mittelalterlicher Ritter. Auch auf der Motorabdeckung über den Zylindern des W16-Triebwerks kehrt das gehämmerte Aluminium-Finish wieder. Schließlich leitet sich der Name „Destrier“ vom historischen Begriff für das edelste, stärkste und treueste Streitross der Ritter im Mittelalter ab. Abgerundet wird das Einzelstück durch ein dezentes Emblem mit der Aufschrift „1/1“ auf dem Tankdeckel sowie eine kleine französische Flagge im Zentrum des Interieurs.

Einen offiziellen Verkaufspreis für dieses Unikat nennt der Hersteller traditionell nicht. Angesichts der Tatsache, dass bereits die ersten beiden Solitaire-Modelle für zweistellige Millionenbeträge den Besitzer wechselten und der Basis-Bolide bereits rund vier Millionen Euro kostete (dessen limitierte Serie von 40 Exemplaren ohnehin längst vor Produktionsstart ausverkauft war), dürfte auch diese rollende Skulptur ein exklusives, zweistelliges Millionen-Investment gewesen sein.