Das Jahr 2026 bringt nicht nur eine neue Farbe für die Prüfplakette, sondern auch tiefgreifende Änderungen bei der Hauptuntersuchung. Der TÜV-Verband kündigt eine Offensive für digitale Sicherheit und Nachhaltigkeit an. Was das für Ihren Gebrauchtwagen, E-Autos und den Geldbeutel bedeutet.
Wer an seinem hinteren Kennzeichen eine blaue Plakette kleben hat, für den wird es im kommenden Jahr ernst: 2026 steht der nächste Pflichttermin zur Hauptuntersuchung (HU) an. Als Belohnung winkt bei bestandener Prüfung die braune Plakette, die dann bis 2028 gültig ist. Doch der Weg dorthin könnte für viele Fahrzeughalter steiniger werden als gewohnt. Denn der TÜV-Verband hat für das neue Jahr eine klare Marschrichtung vorgegeben: Die technische Sicherheit wird neu definiert – und zwar digital und elektrisch.
Der „Akku-TÜV“ wird zur Gretchenfrage
Für Besitzer von Elektroautos und Plug-in-Hybriden dürfte 2026 ein Schicksalsjahr werden. Bisher war die Batterieprüfung bei der HU oft kaum mehr als eine Sichtkontrolle auf äußere Beschädigungen. Das ändert sich nun massiv. Im Fokus der Prüforganisationen steht der sogenannte „State of Health“ (SoH) der Antriebsbatterie.
Da der Akku das mit Abstand teuerste Bauteil eines E-Autos ist, wird der Zustand der Speicherzellen zum entscheidenden Faktor für den Restwert. Der TÜV-Verband drängt darauf, diesen Gesundheitscheck standardisiert in die HU zu integrieren. Für Gebrauchtwagenkäufer ist das eine gute Nachricht: Sie kaufen künftig nicht mehr die „Katze im Sack“. Für Verkäufer bedeutet es jedoch: Wer seinen Akku schlecht behandelt hat, muss mit einem gnadenlosen Protokoll und Wertverlust rechnen.
Software ist das neue Verschleißteil
Ein weiterer großer Schwerpunkt für 2026 ist die „Digitale Sicherheit“. Moderne Autos sind rollende Computer, und genau hier setzen die neuen Prüfkriterien an. Die Prüfer werden künftig nicht mehr nur unter das Auto schauen, sondern tief in die Steuergeräte. Dabei geht es um zwei zentrale Aspekte:
- Cybersecurity: Ist die Fahrzeugsoftware gegen Hackerangriffe geschützt? Sind notwendige Sicherheits-Updates des Herstellers installiert?
- Manipulationsschutz: Wurden abgasrelevante Systeme oder Geschwindigkeitsbegrenzer illegal modifiziert?
Die HU entwickelt sich damit zunehmend zu einem IT-Audit. Insbesondere bei Fahrzeugen mit modernen Assistenzsystemen wie dem Spurhalteassistenten oder der automatischen Notbremsung wird genau hingeschaut: Was verbaut ist, muss funktionieren. Fehlermeldungen im System führen 2026 schneller zur Verweigerung der Plakette als noch vor wenigen Jahren.
Feinstaub-Check auch für Benziner
Auch für Fahrer von Verbrennern ziehen die Zügel an. Nachdem die Partikelmessung am Auspuff für Diesel-Fahrzeuge bereits erfolgreich wiedereingeführt wurde, rücken nun moderne Benziner mit Direkteinspritzung in den Fokus. Die Grenzwerte für die Partikelanzahlmessung werden konsequent angewendet. Ein defekter Partikelfilter, der früher oft unbemerkt blieb, fällt bei der neuen, präzisen Endrohrmessung sofort auf – und wird teuer.
Fazit: Vorbereitung lohnt sich
Die Hauptuntersuchung 2026 wird technischer, digitaler und gründlicher. Angesichts eines alternden Fahrzeugbestands auf deutschen Straßen – das Durchschnittsalter liegt inzwischen bei über zehn Jahren – ist mit steigenden Durchfallquoten zu rechnen. Wer 2026 zur Prüfung muss, sollte nicht nur Licht und Bremsen checken, sondern auch einen Blick auf das Cockpit werfen: Leuchten Warnlampen der Assistenzsysteme? Ist die Software auf dem neuesten Stand? Eine Vorab-Diagnose in der Werkstatt kann helfen, die braune Plakette ohne böse Überraschungen zu erhalten.