Wer ein Elektroauto fährt, kennt das Dilemma: Der teure Akku ruht die meiste Zeit ungenutzt in der Garage. Wenn es nach Volkswagen geht, gehört diese Verschwendung bald der Vergangenheit an. Der Autobauer aus Wolfsburg hat gemeinsam mit seiner Energietochter Elli ein Konzept vorgestellt, das den Stromfluss umkehrt – und zwar direkt ins Stromnetz. Das Zauberwort heißt „Vehicle-to-Grid“ (V2G).
Bereits ab dem vierten Quartal 2026 sollen erste Privatkunden in Deutschland ihre Fahrzeuge aktiv in den Energiemarkt einbinden können. Die Vorregistrierung startet sogar schon im Juni. Damit wandelt sich das E-Auto vom reinen Fortbewegungsmittel zu einem rollenden Stromspeicher, der lukrative Dienste für das Stromnetz übernimmt.
Das Komplettpaket für die Garage
Um den Einstieg so reibungslos wie möglich zu gestalten, schnürt der Konzern ein Rundum-sorglos-Paket für die Kunden. Anstatt sich die Komponenten mühsam selbst zusammenzusuchen, kommt künftig alles aus einer Hand:
- Bidirektionale DC-Wallbox: Der Ladeanschluss für zu Hause, der den Strom nicht nur ins Auto pumpt, sondern bei Bedarf auch wieder entnimmt.
- Smart Meter: Das intelligente Messsystem, das für die smarte Abrechnung zwingend erforderlich ist.
- Dynamischer Stromtarif: Ein Vertrag, der Preisschwankungen an der Strombörse in Echtzeit weitergibt.
- Digitale App: Die Steuerzentrale, über die der Nutzer festlegt, wann das Auto voll geladen sein muss und wie viel Batteriekapazität für das Netz zur Verfügung steht.
Der Clou an der Sache: Das System nutzt überschüssigen, günstigen Ökostrom, um den Akku zu füllen. Steigt die Stromnachfrage und klettern die Preise an der Börse in die Höhe, wird die Energie lukrativ ins Netz zurückgespeist.
Bis zu 900 Euro im Jahr kassieren
Doch was springt für den Endverbraucher am Ende wirklich dabei heraus? Branchenexperten schätzen das Potenzial auf eine Ersparnis oder sogar einen Gewinn von 700 bis 900 Euro pro Jahr.
In der ersten Phase des Rollouts werden die Kunden allein dafür vergütet, dass sie eine gewisse Ladeflexibilität und Batteriekapazität bereitstellen – völlig unabhängig davon, wie erfolgreich der Strom an der Börse gehandelt wird. Das finanzielle Risiko bleibt also beim Anbieter, während der Autobesitzer profitiert.
"Das Ziel ist es, die Gesamtkosten der Mobilität schrittweise zu senken – bis hin zu einem nahezu kostenneutralen Laden."
Pionierarbeit für die Energiewende
Technisch sind die Weichen längst gestellt. Viele Modelle der aktuellen Fahrzeuggeneration sind bereits seit dem Jahr 2023 für das bidirektionale Laden vorbereitet. Mit der Verknüpfung von Auto, Ladeinfrastruktur und Energiemarkt schließt sich nun die Lücke zwischen Mobilität und Stromversorgung. Langfristig ist geplant, unzählige Batterien in ganz Europa zu einem gigantischen virtuellen Kraftwerk zusammenzuschalten, um so die schwankenden erneuerbaren Energien zu puffern. Für Besitzer eines Elektroautos bedeutet das vor allem eins: Das bloße Parken war noch nie so profitabel.